110 Jahre Oberpfälzer SPD
Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität

Launige Runde mit drei ehemaligen und dem aktuellen SPD-Bezirksvorsitzenden (von rechts): Ludwig Stiegler, Franz Schindler, Albert Schmid und Gerhard Schmid. Bild: gib
Politik
Regensburg
23.10.2016
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240 Genossen haben am Sonntagabend 110 Jahre SPD in der Oberpfalz gefeiert - mit einem selbstbewussten Blick in die Zukunft und einer gesunden Portion Selbstironie.

Die SPD sei nicht irgendeine Partei, betonte Bezirkschef Franz Schindler im Veranstaltungshaus "Aurelium" in Lappersdorf (Kreis Regensburg). Die Genossen hätten sich stets auf die richtige Seite gestellt - sei es beim "Nein" zur Ermächtigung der Nazis oder beim Kniefall Willy Brandts in Warschau. Regional führte Schindler den intensiven Kampf gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf an.

Die SPD stehe für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Daran dürfe auch in Zukunft kein Zweifel aufkommen. Es gebe keinen Grund, verzagt zu sein. "Wir sind quicklebendig, wir sind ein Zukunftsprojekt." Wie als Beweis holte der Bezirkschef Sascha Anton aus Weiden auf die Bühne, mit 16 Jahren das jüngste Mitglied der Oberpfälzer SPD. Warum er der Partei beigetreten ist? "Weil ich möchte, dass sozialdemokratische Werte eine Zukunft haben." Genau auf diese Werte müsse sich die SPD zurückbesinnen, forderte Thomas Beyer, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Bayern, der als Festredner für den kurzfristig verhinderten Münchner OB Dieter Reiter eingesprungen war. Beyer lobte die Einführung des Mindestlohns als historische Leistung der Sozialdemokratie, mahnte aber auch, an dem Thema dranzubleiben. "Wer den ganzen Tag arbeitet, muss davon leben können."

"Scheinheilige" CSU


"Scheinheiliges Gerede von Leitkultur" warf er der CSU vor. Mit dem Grundgesetz gebe es längst ein Dokument, das Gleichberechtigung von Mann und Frau, Religionsfreiheit oder Rechtsstaatlichkeit festschreibt. Mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD warnte Beyer davor, dass Menschen, die sich ohnmächtig und ausgegrenzt fühlen, denjenigen Glauben schenken, die einfache Antworten bieten. "Dann wird es gefährlich."

In einer launigen Runde kamen neben dem aktuellen Bezirksvorsitzenden Schindler auch ehemalige Bezirkschefs zu Wort. Schindler erinnerte daran, dass die SPD nächstes Jahr 60 Jahre Opposition in Bayern feiern könne. "Das muss uns erst mal einer nachmachen", kommentierte der Landtagsabgeordnete selbstironisch. Albert Schmid erzählte, dass er "aus Protest gegen braun-schwarze Lehrer" zusammen mit neun Klassenkameraden in die SPD eingetreten sei. Ludwig Stiegler verriet, dass er sich am meisten über den SPD-Beitritt seines Sohnes gefreut hat - "mit 14 Jahren, aber erst mit 18 hat er es mir erzählt". Und Gerhard Schmid ließ sich bei der Frage nach dem nächsten SPD-Kanzlerkandidaten als einziger einen Namen entlocken: Martin Schulz.

8000 Mitglieder


Die "Oberpfälzische Sozialdemokratische Parteikonferenz" am 9. September 1906 in Schwandorf, bei der sich erstmals Vertreter der hiesigen SPD-Ortsvereine trafen, gilt als Geburtsstunde des SPD-Bezirksverbands. Heute besteht der Verband aus den Unterbezirken Amberg, Regensburg, Schwandorf und Weiden und hat 8000 Mitglieder.
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