Andreas Scheuer im Regensburger Presseclub
Der Mann fürs Grobe

Kühles Bier, scharfe Töne: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer im Regensburger Presseclub. Bild: gib
Politik
Regensburg
17.09.2016
704
1

Poltern ist sein Geschäft: Andreas Scheuer gibt im Regensburger Presseclub mächtig Gas, wettert unter anderem gegen "Asylurlauber". Aber der CSU-Generalsekretär erfährt auch kräftig Gegenwind.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer fällt in seiner Partei die Rolle des harten Hundes zu. Im Regensburger Presseclub sparte er am Donnerstagabend nicht mit scharfen Tönen, insbesondere in der Asyldebatte. Dafür musste er sich auch Kritik anhören.

"Asylurlauber auf Heimattrip können gleich bleiben, wo sie hergekommen sind", postete Scheuer vor drei Tagen auf Facebook. Er habe sich damit auf Medienberichte über Asylbewerber bezogen, die während des Asylverfahrens zurück in ihr Herkunftsland reisen, in dem sie vermeintlich um ihr Leben fürchten müssen, erklärte Scheuer im Presseclub. "Dem Asylurlauber sag ich, das geht nicht. Dann sag doch gleich, dass du keinen Schutz brauchst." Die Frage, wie viele solche Fälle es tatsächlich gibt, konnte Scheuer nicht beantworten.

"Schnauze voll"


Eine kritische Anmerkung aus dem Publikum ging nicht ganz spurlos an dem Generalsekretär vorbei. Andreas Kestler, Geschäftsführer des Regensburger Krankenhauses Barmherzige Brüder, regte an, die CSU solle angesichts der scharfen Töne in der Asyldebatte ihr christliches "C" doch besser abgeben. Scheuer blieb grundsätzlich bei seiner Haltung. "Die Leute haben die Schnauze voll, wenn wir die Probleme nicht ansprechen", sagte er. Dennoch wolle er die Anregung mitnehmen, zeigte er sich später versöhnlich.

Dass die CSU mit solcherlei "Stammtischparolen" in die Nähe der AfD rückt, verneinte Scheuer. "Wir schreiben von niemandem ab und fühlen uns auch nicht von der AfD getrieben", betonte er. Der niederbayerische CSU-Bezirkschef räumte aber ein, dass es ihm nicht gefällt, dass die AfD in einer aktuellen Umfrage in Bayern bei 9 Prozent steht. Die CSU landete in der Befragung bei 45 Prozent - ihr schlechtestes Ergebnis seit langem. Scheuer führte das auf einen "Berlin-Malus" zurück - womit er eine wachsende Unzufriedenheit mit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel (CDU) meint.

Für die CSU sei die absolute Mehrheit in Bayern essenziell wichtig für die Bundespolitik, betonte Scheuer. "Sie bringt uns in Berlin den Einfluss, den wir für die Ergebnisse brauchen." Seit Monaten schwelt der Konflikt zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU in Berlin. "Der Knackpunkt ist: Wie gehen wir mit Zuwanderung um?", stellte Scheuer fest. Seiner Einschätzung nach würden etliche CDU-Kollegen selbst mit der Asylpolitik ihrer Partei ringen. Das sei in persönlichen Gesprächen zu hören - "auf der Herrentoilette, dem ehrlichsten Ort während Fraktionssitzungen".

Der Generalsekretär pochte im Presseclub auf die von der CSU geforderte Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen im Jahr. Außerdem warb er neben dem Asylrecht für einen "realistischen Blick" auf Zuwanderung. Man müsse sich fragen, wer einen Mehrwert für Deutschland bringe. Das könne der IT-Spezialist aus Indien, aber auch ein Handwerker aus Albanien sein. Die USA, Kanada oder auch Australien mit ihrer gezielten Zuwanderungspolitik nannte er als Positiv-Beispiele.

Für die Europäische Union sieht Scheuer eine düstere Zukunft - "wenn jetzt die Weichen nicht richtig gestellt werden". Er sei ein Befürworter der europäischen Freiheiten wie der Reisefreiheit, doch "im Kleingedruckten" habe sich die EU in eine falsche Richtung entwickelt. Die Verwaltungsebene sorge für zu viel und teils unsinnige Bürokratie. "Das erzeugt eine Anti-Haltung." Als ersten Test bezeichnete Scheuer den anstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU. "Wenn es dort am Schluss mehr Vorteile als Pflichten gibt, wird es zu einem Dominoeffekt kommen", glaubt Scheuer.

Dem Asylurlauber sag ich, das geht nicht. Dann sag doch gleich, dass du keinen Schutz brauchst.CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer
Weitere Beiträge zu den Themen: Andreas Scheuer (29)Regensburger Presseclub (4)
1 Kommentar
17
Peter Sporrer aus Vohenstrauß | 18.09.2016 | 15:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.