Anzeige wegen Hausfriedensbruch, keine Nahrungsmittel mehr
Lage in Regensburger Pfarrheim spitzt sich zu

Liljana Bardhoku (links) und Vlora Bejta (Mitte) hoffen immer noch auf die Hilfe der Kirche. An der Zufahrtsstraße zum Pfarrheim harrte am Freitag weiter sowohl Polizei als auch eine Unterstützergruppe in einem Pavillon aus. Bild: gib
Politik
Regensburg
05.08.2016
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Die Lage im Regensburger Pfarrheim St. Emmeram spitzt sich zu. Das Bistum wirft den Flüchtlingen Hausfriedensbruch vor. Ab Samstag wird außerdem die Versorgung mit Nahrungsmitteln eingestellt.

Das Bistum Regensburg hat Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen die verbliebenen 25 Flüchtlinge im Pfarrheim St. Emmeram erstattet. Die Polizei berät das weitere Vorgehen. Eine Räumung war zumindest für Freitag noch nicht vorgesehen. "Die intensiven, stundenlangen Gespräche mit einigen Personen im Pfarrheim St. Emmeram ... müssen als gescheitert angesehen werden", teilte Bistumssprecher Jakob Schötz am Freitag mit. Zunächst hätten einige Personen den Willen zur Rückreise in die ursprüngliche Unterkunft bekundet, dann aber unerfüllbare Bedingungen gestellt.

Am Freitagmittag habe man den Flüchtlingen, die aus Albanien und dem Kosovo stammen und unter denen auch Roma sind, mitgeteilt, dass die Strafanzeige unmittelbar bevorsteht, erklärte Schötz. Wenn sie das Gebäude bis 14 Uhr verlassen und Kontakt mit ihrer zuständigen Ausländerbehörde aufnehmen, würden sie einer Anzeige entgehen. Eine Rückkehr ins Pfarrheim sei aber nicht mehr möglich.

Bei einem Besuch unserer Zeitung vor Ort um die Mittagszeit pochten die Flüchtlinge weiter auf ihre Forderung nach einem Bleiberecht und baten die Kirche erneut um Hilfe. "Sie ist unsere letzte Hoffnung." Die zwölf Kinder im Pfarrheim würden durch die Situation traumatisiert. "Warum hat die Kirche uns überhaupt hierhergebracht, wenn sie uns jetzt nicht mehr helfen will?", fragten Liljana Bardhoku, Vlora Bejta und Ramadan Shoqiri. Vor einem Monat hatte die damals noch 45-köpfige Gruppe den Regensburger Dom besetzt, um ihre Forderung nach einem Bleiberecht durchzusetzen. Später nahmen die Flüchtlinge das Angebot des Bistums an, in das Pfarrheim St. Emmeram umzuziehen.

Generalvikar Michael Fuchs verurteilte das "wiederholte Vorschieben der Kinder für die unerfüllbaren Ziele der Gruppe": Die Kinder seien von Anfang an als Transparent-Halter, als Foto-Objekte an der Protestfront, ja in konkreten Drohungen sogar als mögliche Waisenkinder durch Selbstmord der Erwachsenen und als mögliche Tötungsopfer benutzt worden, kritisierte Fuchs. Schon der Kinder wegen müsse dieses "verantwortungslose Agieren der Eltern" schnell ein Ende haben.
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