Berliner Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann kratzt an Grundfragen des Kapitalismus
Hohe Löhne als Triebkraft

Ulrike Herrmann sprach am "Sozialpolitischen Aschermittwoch" im "Leeren Beutel" in Regensburg vor rund 200 Gästen über den Kapitalismus und seine Folgen. Bild: gib
Politik
Regensburg
12.02.2016
306
0

Demokratie, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Bildung, eine stark gestiegene Lebenserwartung - vieles, was der Kapitalismus hervorgebracht hat, ist gut, sagt die Berliner Wirtschaftsjournalistin und "taz"-Redakteurin Ulrike Herrmann. Warum es ihrer Meinung nach dennoch strenge Regeln von staatlicher Seite geben muss, erklärte die 52-Jährige am Mittwochabend beim "Sozialpolitischen Aschermittwoch" von Attac, Bund Naturschutz, Evangelischem Bildungswerk, Greenpeace und anderen Gruppierungen und Parteien im "Leeren Beutel". Das Interesse am Thema "Wie der Reichtum in die Welt kam", der Titel von Herrmanns neuestem Buch, war groß: Rund 200 Zuhörer versammelten sich im Kulturzentrum. "Wir sind heute 20 Mal reicher als im 18. Jahrhundert", so die studierte Wirtschaftshistorikerin. Der Grund dafür führe nach England um 1760, wo der mechanische Webstuhl erfunden und der Grundstein für den Kapitalismus gelegt wurde. Eine Situation wie heute hält Herrmann für "extrem gefährlich": Die Reallöhne in Deutschland seien in den vergangenen Jahren praktisch nicht gestiegen. Technischen Fortschritt gebe es aber nur, wenn die Löhne hoch sind, sagte Herrmann. Deshalb sei es falsch, dass der Staat bei der Lohngestaltung nicht eingreifen dürfe.

Neoliberalen Ökonomen wirft sie eine falsche Glaubenslehre in Bezug auf die Marktwirtschaft vor. Die Idee, dass viele Anbieter auf viele Kunden treffen und sich daraus ein fairer Preis ergibt, treffe lediglich auf kleine Betriebe zu. Die großen Konzerne hingegen würden den Markt nach ihrem Dafürhalten aufteilen und die komplette Wertschöpfungskette dominieren. Die Giganten würden sich stets durchsetzen, etwa in der Autoindustrie. Für die anderen bleibe höchstens ein Nischenprodukt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Kapitalismus (1)Ulrike Herrmann (1)taz (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.