Beweisführung schwierig: Staatsanwaltschaft sucht Zeugen der "Blutnacht von Straubing"
Rockerprozess im Stocken

Politik
Regensburg
04.09.2015
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Nach einer knapp zweiwöchigen Unterbrechung wurde am Mittwoch der Prozess gegen den NPD-Funktionär Sascha Roßmüller und vier weitere frühere Mitglieder des "MC Bandidos" Chapter Regensburg wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung in unveränderter Besetzung fortgesetzt.

Zuvor hatte nämlich Verteidiger Helmut Mörtl am dritten Verhandlungstag den Vorsitzenden Georg Kimmerl wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt. Er begründete seinen Antrag damit, dass sich dieser zu unkritisch gegenüber "lügenden Zeugen" zeige. Überdies habe er abgelehnt, wichtige Ermittlungsakten über einen Kronzeugen beizuziehen.

Dabei könnten die Dokumente nach Meinung Mörtls jedoch erhellen, welche Zugeständnisse die Anklagebehörde gemacht habe, damit dieser seine "Lebensbeichte" ablegt. Ohne die Gründe öffentlich bekanntzugeben wurde dieser Antrag von der 5. Strafkammer abgelehnt. Derweil halten sich die an den Übergriffen beteiligten Mitglieder des MC Bandidos und des Straubinger MC Gremium an den Ehrenkodex "Niemand spricht mit der Justiz". Zu einer Aussage zwingen kann man sie nicht, da ihnen ein Aussageverweigerungsrecht zur Seite steht.

Zeuge weiß wenig

Ein unbeteiligter Augenzeuge musste am vierten Verhandlungstag in den Zeugenstand. Dieser war zur Tatzeit Gast in der Kneipe "Chaos" und rauchte vor dem Eingang eine Zigarette, als die Massenschlägerei begann. Trotz bohrender Fragen von der Richterbank konnte er nicht sagen, wie viele Personen beteiligt waren und konnte sich nicht daran erinnern, ob diese eine besondere Kleidung, wie Kutten, trugen. Er erinnere sich lediglich, dass einer einem anderen einen Standaschenbecher übergezogen hat. Auch habe er zwei Verletzte gesehen, einer blutete an der Hand, der andere im Gesicht. Später habe er erfahren, dass dies der Wirt der Bar "Blackout" war. Auch habe er nicht gesehen, wer das Messer geführt hat. Schließlich sei er aus Angst ins "Chaos" zurück gegangen. Die Anklage sucht daher weitere Zeugen der Geschehnisse.

Am Donnerstag will die Staatsanwaltschaft versuchen, den Messerstecher anhand der auf der - mittlerweile vernichteten - Waffe gesicherten DNA zu überführen. Hierzu soll ein Gutachter des Landeskriminalamtes gehört werden. Anschließend will die Strafkammer auch über einen Antrag des Verteidigers entscheiden, den Haftbefehl gegen den vermeintlichen Täter aufzuheben oder außer Vollzug zu setzen. Der Maschinenbauer (39) sitzt seit Oktober in U-Haft.
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