Brückenpreis 2016 der Stadt Regensburg
Gorbatschow, ein Brückenbauer

Interessiert betrachtet Michail Gorbatschow (links mit Joachim Wolbergs) den "doppelten Nepomuk" - eine kleine Bronzestatue, die mit dem Brückenpreis vergeben wird. Bild: Stadt Regensburg/Stefan Effenhauser
Politik
Regensburg
20.03.2016
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Michail Gorbatschow hat "das Antlitz eines ganzen Kontinents zum Besseren verändert". Der ehemalige sowjetische Staatspräsident steht wie kaum ein Politiker für die Entspannung zwischen Ost und West. Dafür wurde er von Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs mit dem Brückenpreis auszeichnet.

Moskau/Regensburg. In seiner Laudatio am Freitag verwies Wolbergs laut einer Mitteilung der Stadt Regensburg darauf, dass Gorbatschows Entschluss zur Öffnung und zum Umbau der damaligen Sowjetunion "enorme Auswirkungen auf das Leben der Menschen in ganz Europa, ja ... der ganzen Welt" gehabt habe.

"Glasnost und Perestroika waren die Auslöser dafür, dass zwei weltpolitische Blöcke, die einander jahrzehntelang feindselig gegenüberstanden, auf einmal miteinander sprachen", sagte der Oberbürgermeister beim Festakt in der Residenz des deutschen Botschafters in Moskau. Gorbatschows Gesundheitszustand hatte nach den Angaben eine Reise nach Regensburg nicht zugelassen. Daher reiste Wolbergs mit einer 14-köpfigen Delegation zur Übergabe des Preises nach Moskau.

Gegensätze gemildert


Die Stadt Regensburg verleiht die Auszeichnung seit 1995 an herausragende Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maß um die Überbrückung politischer, nationaler, wissenschaftlicher, sozialer, kultureller oder religiöser Gegensätze verdient gemacht und "Brücken für die Zukunft" gebaut haben. Gorbatschow erhalte den Brückenpreis für seine Verdienste um das Zusammenwachsen der Völker in Mittel- und Osteuropa wie auch für seine wichtige Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung. Zudem habe der Ex-Sowjet-Chef mit seiner Politik der Verständigung Europa von der Gefahr eines Atomkriegs befreit, betonte Wolbergs.

Michail Gorbatschow habe "vielen Millionen Menschen die Hoffnung gegeben, dass ein friedliches Miteinander der Staaten keine ferne Utopie ist", erklärte der OB.

"Wir sind eine Welt"


Sichtlich bewegt habe Gorbatschow, der vor kurzem seinen 85. Geburtstag feierte, die Auszeichnung entgegengenommen, hieß es in der Mitteilung. In seiner Dankesrede nahm er das Bild vom Brückenschlag auf und betonte, es sei wichtig, dass soziale und kulturelle Verbindungen zwischen den Menschen geschaffen und erhalten werden. Besonders liege ihm an einer festen Brücke zwischen Russland und Deutschland. Mit Blick auf die weltpolitischen Herausforderungen erinnerte Gorbatschow an Transparente, auf denen DDR-Bürgerrechtler gefordert hatten: "Wir sind ein Land, wir sind ein Volk." Nun müssten alle Menschen schreiben "Wir sind eine Welt, wir sind ein Planet", betonte Gorbatschow.

HintergrundDer Brückenpreis ist mit jeweils 15 000 Euro dotiert. Mit der Auszeichnung überreicht die Stadt Regensburg stets eine vom niederbayerischen Bildhauer Alfred Böschl entworfene, etwa 40 Zentimeter große Bronzestatue, die den Brückenheiligen Johannes von Nepomuk doppelt darstellt. Diese Darstellung ist einer Granitstatue entlehnt, die auf einer Brücke in Schönsee (Kreis Schwandorf) nahe der Grenze zu Tschechien steht: Der eine Nepomuk blickt nach Osten, der andere nach Westen - ein Sinnbild dafür, wie wichtig es ist, nicht nur den eigenen Standpunkt zu sehen, sondern auch den seines Nachbarn. Vor Gorbatschow erhielten der polnische Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski (1995), der ehemalige Bürgermeister Bremens, Hans Koschnik (2004), der Ex-Präsident der Tschechischen Republik, Václav Havel (2006), sowie die Brüder Bernhard und Hans-Jochen Vogel (2010) den Preis. (tos)
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