Evangelische und katholische Spitzenvertreter kritisieren Aussagen zu Flüchtlingen
Scheuer unter Feuer

"Welch beleidigendes Denken steckt hinter einer solchen Aussage! Wie wird hier Stimmung gegen junge Flüchtlinge gemacht." Zitat: Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann
Politik
Regensburg
20.09.2016
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München/Regensburg. (/KNA) Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zeigt sich entsetzt über die umstrittenen Äußerungen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. "So redet man nicht über Menschen", solche Sätze seien "Futter für Rechtspopulisten", sagte der bayerische Landesbischof am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Bewusste Zuspitzung"


Scheuer hatte am Donnerstag im Regensburger Presseclub über die Schwierigkeiten bei der Abschiebung von Flüchtlingen gesagt: "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier - als Wirtschaftsflüchtling -, den kriegen wir nie wieder los." Am Sonntag erklärte Scheuer, der Ausspruch sei "eine bewusste Zuspitzung" in einem längeren Gesprächsbeitrag gewesen. "Im Zusammenhang ging es um die Schwierigkeit, abgelehnte Bewerber nach einem abgeschlossen, rechtsstaatlichen Verfahren wieder zurückzuführen, wenn diese sich über einen längeren Zeitraum hier aufhalten."

Bedford-Strohm sagte, dass ihn diese Aussage schockiert habe. Wenn Flüchtlinge sich durch Fußballspielen oder Mitwirkung in Gottesdiensten am gesellschaftlichen Leben beteiligen, könne man das nur begrüßen. Dass die Asylverfahren so lange dauerten, könne den Flüchtlingen nicht vorgeworfen werden. "Sie leiden selbst darunter. Sollen Flüchtlinge drei Jahre lang in ein Ghetto gesperrt werden?"

Auch katholische Kirchenvertreter kritisierten Scheuer heftig: "Wo bleibt hier noch das Christliche?", fragte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Auch wenn Scheuer jetzt zurückrudere und von einer Zuspitzung spreche: "Welch beleidigendes Denken steckt hinter einer solchen Aussage! Wie wird hier Stimmung gegen junge Flüchtlinge gemacht!"

Hofmann sagte weiter, er freue sich über jeden Jugendlichen, der als Ministrant in einer Gemeinde integriert wird, "egal aus welchem Land er oder sie kommt". Das christliche Menschenbild gebiete, jedem Menschen mit Respekt zu begegnen, "auch wenn sein Asylantrag abgelehnt wird".

"Mehr Differenzierung"


Am Wochenende hatte bereits der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, auf Scheuers Äußerung reagiert: Auf seiner Facebook-Seite forderte er "mehr Differenzierung statt Sport- und Kirchenschelte". Er fragte, ob es dem CSU-Generalsekretär in Wirklichkeit "nur ums Loswerden aller, ohne Rücksicht auf Asylverfahren" gehe. Dann brauche es keine Integrationsmaßnahmen. "Aber in den Spiegel sehen können wir dann auch nicht mehr."

Welch beleidigendes Denken steckt hinter einer solchen Aussage! Wie wird hier Stimmung gegen junge Flüchtlinge gemacht.Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann
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