Ex-Rocker-Chef "Duff Kong" muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis
Viereinhalb Jahre für "Duff Kong"

Symbolbid: dpa
Politik
Regensburg
20.12.2014
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Wofür hätte "Duff Kongs" Kumpan dessen 10 000 Euro verwenden sollen, wenn nicht für den Ankauf von Crystal-Speed? Was der Ex-Rocker-Chef auf die Frage antwortete, fand das Gericht unglaubhaft und verurteilte den 56-Jährigen zu viereinhalb Jahren Haft.

Nach sieben Verhandlungstagen verurteilte am Freitag die 2. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Vizepräsident Werner Ebner den früheren Energieanlagenelektroniker und langjährigen Präsidenten des MC-Falkenstein (56) wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Damit blieben die Richter ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Seine Verteidigerin Veronika Huber hatte dagegen auf Freispruch plädiert.

Noch vor den Schlussvorträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wollte der Gerichtsvorsitzende vom Angeklagten wissen, wie dessen "Geschäftspartner" nach seiner Meinung die fraglichen 10 000 Euro verwenden würde. "Zur Begleichung seiner vielfältigen Schulden. Quasi als Pfand hat er mir seine Harley da gelassen, für die ich einen Käufer suchen sollte", lautete die Antwort.

Diese Version stufte der Gerichtsvorsitzende später in seiner Urteilsbegründung im Hinblick auf den verabredeten Deal als unglaubhaft ein. Vielmehr zeigten sich die Richter davon überzeugt, dass sich der Angeklagte im Frühjahr 2012 mit zwei "alten Bekannten" zusammen getan hatte, um aus Tschechien 500 Gramm Crystal-Speed zu holen und in der Oberpfalz weiter zu verkaufen.

Lebensbeichte des Mittäters

Die Rolle des Angeklagten habe sich dabei auf die Bereitstellung von 10 000 Euro beschränkt, dafür sei ihm ein Drittel des Gewinns versprochen worden. Dabei stützten sie sich hauptsächlich auf die Aussage eines der Mittäter. Seine Darstellung sei über viele Vernehmungen hinweg konstant geblieben und detailreich und Erlebnis basierend gewesen. Daher habe sie auch einer kritischen Betrachtung Stand gehalten.

Dieser Zeuge hatte eine Lebensbeichte abgelegt, die 260 weitere Ermittlungsverfahren auslöste. Deshalb wurde er in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen, auch wurde ihm eine "wohlwollende Prüfung" seiner eigenen Straftaten zugesichert. Dem Dritten im Bunde hingegen attestierten die Richter einen erkennbaren Entlastungseifer. Damit folgte die Strafkammer weitgehend dem Plädoyer des Staatsanwaltes.

Der These der Verteidigerin hingegen wollten die Richter nicht folgen. In ihren Augen war das Erstgespräch zu wenig konkret, auch gab es noch keinen konkreten Tatplan. Damit könne es auch nicht als "Verbal-Handel-Treiben" eingestuft werden. Im Übrigen glaubte die Anwältin dem Entlastungszeugen, der berichtet hatte, dass der Angeklagte mit dem Geschäft nichts zu tun haben wollte. Damit sei ihr Mandant auch kein Mittäter. Allenfalls könne man ihm Beihilfe in einem minderschweren Fall zur Last legen.

Nicht treibende Kraft

Zugunsten des Angeklagten werteten die Richter, dass der Angeklagte nicht die treibende Kraft war, wenngleich seine Finanzspritze den Deal erst ermöglichte. Auch seine am letzten Verhandlungstag verlesene Erklärung werteten sie als strafmilderndes Teilgeständnis, obwohl er "nicht den Mumm gehabt hatte, von Anfang an die Karten auf den Tisch zu legen". Strafverschärfend wirkten sich das hohe Suchtpotential von Crystal-Speed sowie sein Strafregister aus.

Zuletzt war er zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. Während er noch unter laufender Reststrafen-Bewährung stand, beging er die jetzt abgeurteilte Tat. Da ihn inzwischen die Reststrafe von vier Jahren erlassen wurde, kann insoweit die Bewährung jedoch nicht mehr widerrufen werden.
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