Freundin mit Messer getötet: Staatsanwaltschaft fordert "lebenslänglich" für Zimmerer
Mord oder Totschlag?

Politik
Regensburg
16.12.2014
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Im Prozess gegen einen Zimmerer (58) aus Bogen wegen der Tötung seiner fünf Jahre jüngeren Lebensgefährtin im Mai dieses Jahres wurden am Montag vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Vizepräsident Werner Ebner die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft forderte am Montag lebenslange Haft, die Verteidigung plädierte dagegen auf acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags.

Wie berichtet hatte der Angeklagte trotz gerichtlichem Kontaktverbot wegen Übergriffen am 13. Mai seine langjährige Lebensgefährtin im zuvor gemeinsam bewohnten Haus aufgesucht und dort neun Mal auf sie eingestochen. Die 53-jährige verstarb an inneren Blutungen durch die bis zu 13 Zentimeter tiefen Messerstiche.

Staatsanwältin Dr. Christine Ernstberger ist der Überzeugung, dass sich der Angeklagte mit der Frage des Tötens mehrere Tage auseinander gesetzt hatte. Auslöser war eine Auseinandersetzung sechs Tage vor der Tat, auf die das Kontaktverbot folgte. Als er der Geschädigten dann spätabends gegenüber stand und sie drohte, die Polizei zu rufen, habe er endgültig den Entschluss gefasst, sie zu töten. Entsprechend habe sich der Angeklagte auch gegenüber den Sachverständigen geäußert: "Mit dem Messer wollte ich verhindern, dass sie die Polizei holt." Ein weiteres Motiv lieferte eine in seinem Pkw gefundene Notiz. "Keine Hunde, kein Zuhause mehr. Das verteidige ich mit meinem Leben."

Experten: Kein Affekt

Die Gutachter waren zum Ergebnis gekommen, dass die Tat nicht im Affekt geschah. Dazu habe der Vorlauf zu lange gedauert. Damit stand für die Staatsanwältin fest: Es war Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen. Das Opfer habe keine Abwehrmöglichkeiten gegen den körperlich weit überlegenen Angeklagten gehabt. Auf einen Antrag, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, verzichtete sie.

Verteidiger Michael Schröter sah weder Heimtücke noch eine Arglosigkeit des Opfers als gegeben an. In seinem mehr als einstündigen Plädoyer schilderte er die harmonische Vergangenheit des Paares und die extreme Eifersucht des Opfers. Bis sechs Tage vor der Tat habe sie selbst ihrer Mutter und ihrem Sohn gegenüber nie etwas von Übergriffen erwähnt. Die Trennung dagegen schien lange vorbereitet gewesen zu sein.

Sein Mandant habe sich am Tattag bereits mit der Situation abgefunden und sich erfolgreich nach einer neuen Wohnung und einem neuen Arbeitsplatz umgesehen. Eigentlich wollte er nur spontan nach den Hunden sehen und mit der Geschädigten reden. Als sich dann das Paar gegenüber stand, müsse beim Angeklagten der mehrtägige Konflikt zu einer "Affektaufwallung" geführt haben, so Schröter. Nach der Tat sei sein Mandant absolut am Ende gewesen, was auch der missglückte Suizidversuch zeige. Am Montag soll das Urteil gesprochen werden.
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