Fünf Jahre Haft für falschen Schönheitschirurgen in Regensburg gefordert
Staatsanwältin: Filmreife Akten

Der Angeklagte im Landgericht Regensburg. Bild: dpa
Politik
Regensburg
17.07.2015
94
0
Für den 31 Jahre alten angeblichen Schönheitschirurgen, der nie eine Ausbildung durchlief, forderte Staatsanwältin Anja Liebhäuser am Donnerstag vor dem Landgericht Regensburg eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrug und Missbrauch von Titeln in 96 Fällen. Zudem soll der Verfall der sichergestellten 45 000 Euro angeordnet werden. 14 weitere Fälle und ein im Raum stehender Verstoß gegen die Heilpraktiker-Verordnung waren dagegen eingestellt worden. Verteidiger Tom Wimmer sprach sich für eine Verurteilung von vier Jahren aus.

Wie mehrfach berichtet hatte der Angeklagte vom Dezember 2013 bis zu seiner Festnahme im September vergangenen Jahres mindestens 50 Patienten gegenüber vorgespielt, dass er als Arzt eine Ausbildung als Schönheitschirurg durchlaufen habe und diese in mindestens 110 Fällen mit Botox und Silikon behandelt. Hierzu fälschte er auch seine Approbationsurkunde, einen Arztstempel und Rezepte.

Lieber Therapieplatz

Bereits am ersten Verhandlungstag legte er ein Geständnis ab, nachdem sich vorher die Prozessbeteiligten auf ein Strafmaß zwischen vier und fünf Jahren verständigt hatten. Dennoch ließ die Gerichtsvorsitzende Dr. Bettina Mielke eine ganze Reihe von Geschädigten - überwiegend transsexuelle Patienten und Patientinnen - als Zeugen aufmarschieren, die ihn durchweg belasteten.

Bevor die Anklagevertreterin mit ihrem Plädoyer beginnen konnte unternahm der Angeklagte noch einmal den Versuch, die Gefängniszelle mit einem Therapieplatz zu tauschen. Dabei berief er sich auf Äußerungen, die zwei Anstaltsärzte aus der Justizvollzugsanstalt Straubing ihm gegenüber gemacht haben sollen. Die Strafkammer hörte ihm höflich zu, um dann anzukündigen: "Wir werden dies bei unserer Urteilsberatung berücksichtigen."

Nach den Worten der Staatsanwältin eignet sich der Akteninhalt und die Berichterstattung in den Medien eher für einen Film als für einen Strafprozess. Dabei warf sie die Frage auf, wie konnte so etwas so lange passieren - und wie konnten so viele auf den Angeklagten hereinfallen? Beim Angeklagten handele es sich um einen manipulativen Menschen. Liebhäuser: "In Hannover saßen Patienten Schlange im Wohnzimmer".

Silikon ins Gesicht

Der Angeklagte habe das nur für Augen zugelassene Silikon im ganzen Gesicht eingesetzt mit entsprechenden nicht revisiblen Folgen. Selbst sein Mentor habe von solchen Behandlungen die Finger gelassen. Unabhängig davon sei jeder Einstich mit einer Spritze von einem Nicht-Arzt eine gefährliche Körperverletzung. Besonders kreidete sie dem Angeklagten an, dass er selbst nach der Hausdurchsuchung und entsprechender Belehrung weiter gemacht habe. Alles, was beschlagnahmt worden war, habe er sich postwendend in Apotheken neu besorgt. Auch habe er zwei Mithäftlinge über sichere Suizidmöglichkeiten beraten, diese konnten rechtzeitig gerettet werden.

Dem konnte Verteidiger Tom Wimmer nur wenig entgegen setzen. Seiner Einschätzung nach hätten viele Taten verhindert werden können, wenn man die Approbation kontrolliert hätte. Das Urteil soll am 27. Juli gesprochen werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.