Kardinal Kurt Koch
Wichtiger Schritt im Dialog mit Orthodoxie

Kurienkardinal Kurt Koch beim Gespräch im Bischof-Wittmann-Zimmer in Regensburg. Bild: paa
Politik
Regensburg
25.09.2016
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Politiker aus Ost und West reden zwar viel miteinander. Doch die Spannungen bleiben. Dagegen gibt es erstmals nach zehn Jahren ein Dokument der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen - trotz der politischen Gräben.

Die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen haben aus Sicht von Kurienkardinal Kurt Koch einen wichtigen Schritt auf einander zu getan. Das Dokument mit dem sperrigen Titel "Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst der Einheit der Kirche" wertete der 66-jährige enge Mitarbeiter von Papst Franziskus im Gespräch in Regensburg am Samstag als positives Signal.

Erklärung von Chieti


Erstmals nach zehn Jahren war es am Mittwoch im italienischen Chieti gelungen, ein gemeinsames Dokument zu verabschieden. Nun, da Katholiken und Orthodoxe ein gemeinsames Verständnis, wenn auch nur im ersten Jahrtausend, über die Rolle des Papsttums - eines der Hindernisse auf dem Weg zur Einheit - gefunden hätten, müsste es gelingen, ein gemeinsames Verständnis für das dritte Jahrtausend zu entwickeln, machte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen deutlich. Das Dokument belege, dass beide Seiten wollen, dass der Dialog weitergeht. Zugleich sei klar geworden, dass die Mehrheit der Orthodoxen sich gegen ökumenefeindliche Stimmen stellt.

Ich werde es sicher erleben, ich weiß nur nicht, ob auf Erden oder im Himmel.Kurienkardinal Kurt Koch auf die Frage nach der Einheit der Christen


Im Gespräch lässt Koch erkennen, dass es nicht nur theologische Hindernisse gibt, sondern auch politische, wie etwa zwischen ukrainisch- und russisch-orthodoxer Kirche. Er warnt davor, überheblich auf den Nationalismus mancher orthodoxer Kirchen zu blicken. "Wir sind alle Sünder." Nationalistische Bestrebungen gebe es bis heute auch in der katholischen Kirche. Derartiges sei mit dem universalen Verständnis des Christentums nicht vereinbar.

Dialog 2.0

Der Kardinal, der in Regensburg am internationalen ökumenischen Symposium zum Thema "Dialog 2.0 - Braucht der orthodox-katholische Dialog neue Impulse?" teilnahm, vergleicht den Prozess des Dialogs mit einer Reise in einem Flugzeug. Der Start sei rasant, dann habe man das Gefühl, es gehe nicht voran, obwohl die Maschine mit 800 Stundenkilometern fliege. Alle seien aber sicher, gut zu landen, weil es einen guten Piloten gebe: "den Heiligen Geist".

Der Dialog müsse lokal - dazu zählt Koch das Ostkircheninstitut - regional und universal geführt werden. Immer wichtiger werde der "Dialog des Lebens". Dabei gehe es um das Miteinander, etwa bei interkonfessionellen Ehen, da immer mehr Orthodoxe im Westen lebten. Auf die Frage, ob es die Einheit geben werde, antwortet er: "Ich werde es sicher erleben, ich weiß nur nicht, ob auf Erden oder im Himmel."

Regensburger OstkircheninstitutMit der Gründung des Ostkircheninstituts in Regensburg knüpft Bischof Rudolf Voderholzer an die Tradition des jahrzehntelangen Dialoges mit der Orthodoxie an. Geleitet wird die neue Einrichtung von Dominikanerpater Dietmar Schon, einem Ostkirchenexperten, der auch an der Universität Regensburg lehrt. Finanziert wird die Einrichtung von Bistum. Das neue Institut knüpft an das ehemalige"Ostkirchliche Institut" an, das in den 1960er Jahren seine Arbeit aufgenommen hatte. Es war mit den Prälaten Albert Rauch (gestorben 2015) sowie Nikolaus Wyrwoll verbunden. Pater Schon soll die Arbeit unter neuer Ausrichtung fortführen, sagte Bischof Voderholzer. Die bisherige Stipendienarbeit hat im Jahr 2013 das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn übernommen. (paa)
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