Kommentar zum Kirchenasyl
Der Regensburger Dom als Kampfgebiet

Politik
Regensburg
05.07.2016
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Es ist selbstverständlich, dass die Flüchtlinge, die am Dienstag im Regensburger Dom Zuflucht gesucht haben, die Gastfreundschaft des Bistums genießen. Solange die Männer, Frauen und Kinder die Würde des Gotteshauses achten, verbietet es sich von selbst, die Polizei mit der Räumung zu beauftragen. Zumal jeder, der die elenden Lebensverhältnisse, die Ausgrenzung und den Rassismus beobachtet hat, unter dem Roma in Balkanstaaten leiden, ihre Verzweiflung verstehen kann.

Trotzdem bleibt es ein im Dom ertrotztes Kirchenasyl. Die Aktion ist Wasser auf die Mühlen derjenigen Politiker, die diese Praxis der beiden großen Kirchen, der evangelischen und katholischen, ablehnen und als Rechtsbruch geißeln. Dabei überlegen Kirchengemeinden und Ordensgemeinschaften sehr sorgfältig, wann sie Flüchtlingen diesen Schutz gewähren. Es geht um Nothilfe für Härtefälle, nicht darum, Politik zu machen. Ein Grundsatz, den auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als Katholik achtet, wie er vor zwei Jahren beim Katholikentag unweit des Doms sagte.

In Regensburg wird die Verzweiflung der Familien ebenso benutzt wie der Dom. Das Gotteshaus ist Kampfgebiet gegen die Einstufung der Balkanstaaten als sichere Herkunftsländer. Das lässt sich im Flugblatt der Aktivisten der Roma-Organisation "Romano Jekipe Ano" nachlesen.

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