Kommentar zur Dombesetzung
Die Aktion in Regensburg hat den Anliegen der Roma geschadet

Politik
Regensburg
08.08.2016
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Die Dombesetzung in Regensburg, der Versuch ein Kirchenasyl zu ertrotzen, hat nach mehr als fünf Wochen ein ungutes Ende genommen. Alle Beteiligten haben Schaden genommen. Zu allererst die Flüchtlinge. Deren berechtigtes und verständliches Anliegen ist für eine politische Aktion missbraucht worden. Aber auch das Bistum, deren Hauptkirche und Pfarrheim als Schlachtfeld benutzt wurde. Schließlich die Flüchtlingsaktivisten, die ihre Glaubwürdigkeit verspielt haben.

Der Hashtag "#Dombesetzung", das Stichwort für die Sozialen Medien, unter dem sich alle Beiträge zum Thema Flüchtlinge im Regensburger Dom sammeln, sagt alles. Gesetzt wurde es von den Organisatoren selbst, die Anfang Juli vier Dutzend Flüchtlinge in den Dom geschleust hatten. Die Unterstützer verbreiteten ihre Erklärungen unter einer E-Mail-Adresse mit der Kennung Info.Dombesetzung.

Schon damals war klar: Es war der Versuch, ein Kirchenasyl zu ertrotzen, um ein politisches Signal Richtung Berlin zu senden. Doch als solches ist das Kirchenasyl nicht angelegt und als solches wird es von den Behörden auch nicht toleriert. Kirchenasyl ist immer nur Nothilfe für Härtefälle, kein Protest. Das haben die Organisatoren der Aktion in Regensburg weder verstanden noch respektiert.

Ihnen ging es darum, die Kirche vor ihren Karren des Protestes zu spannen. Und: Offenbar ging es darum, das Bistum Regensburg vorzuführen. Das legen die Aufrufe auf Facebook und Twitter nahe, das Ordinariat mit E-Mails und Anrufen zu bombardieren.

Es ist das dritte Mal, nach Hamburg und Berlin, dass die Organisation Romano Jekipe Ano mit spektakulären Aktionen versucht, Aufmerksamkeit zu erregen. Sie ist nun vielleicht bekannt, vor allem aber berüchtigt. Dem Anliegen der Roma, die in den als sichere Drittstaaten deklarierten Balkanstaaten nicht nur unter elenden Lebensverhältnissen, sondern unter Ausgrenzung und Rassismus leiden, hat die Organisation damit geschadet. So wie den verzweifelten Menschen, die mit ihren Kindern in den Regensburger Dom gezogen waren. Sie zahlen den Preis für die Aktion der Hamburger Gruppe.

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