Krisenmanagement, Karriere, Kandidat: Der Chef der bayerischen Staatskanzlei ist mehr als "der ...
Marcel Huber - ein Mann für jeden "K"-Fall

Politik
Regensburg
28.11.2014
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Es ist viel vom "K"-Fall die Rede an diesem Abend, vom Katastrophenfall, vom Krisenstab, von Lagezentren. Nicht weil es so katastrophal zuginge in der bayerischen Staatskanzlei. Sondern weil Krisenmanagement zu seinem Job gehört. Seit dem 5. September ist Marcel Huber Chef der bayerischen Staatskanzlei. Er war es schon einmal ein halbes Jahr lang war, von März bis November 2011. Seehofer hat ihn wieder an seine Seite geholt, als es nicht mehr ging mit der von der Modellauto-Affäre gebeutelten Staatskanzleichefin Christine Haderthauer.

Als rechte Hand Seehofers, als Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben ist Huber zur Feuerwehr geworden, auch bei der Bewältigung des Flüchtlingsstromes. Im Regensburger Presseclub geht es ausführlich um die Lage der Flüchtlinge und die Nöte der Kommunen bei der Unterbringung, auch um den Hungerstreik am Münchener Rindermarkt. Huber will sich nicht erpressen lassen, will aber auch nicht zusehen, wie sich die Flüchtlinge zu Tode hungern. Deshalb will er das Flüchtlingscamp räumen lassen, "sehr bald", wie er im Presseclub sagt. Und noch am Abend rücken am Rindermarkt die Polizisten an und lösen die Protestaktion auf.

Feuerwehr für alle Fälle

Eigentlich sollte Huber nur einen Krisenstab bilden, insgeheim ist er nun zum "Asylminister" geworden. "Asylministerin ist immer noch die Frau Müller", sagt Huber schließlich, aber ohne sich hinter der Sozialministerin zu verstecken, nur um das öffentliche Bild zurechtzurücken.

Marcel Huber ist langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ampfing und war bis 2009 deren Kommandant. Noch heute rückt er zehn bis fünfzehn Mal im Jahr zu Einsätzen aus, mitunter auch nachts. Das prägt. Und die Erfahrung mit Unfällen und Katastrophen ist offenbar nützlich im bayerischen Zentrum der Macht. "Notfallplan", "Controlling", "kritische Lenkungspunkte", "K-Bedingungen" - solche Worte gehen ihm leicht über die Lippen.

Fast sieht es so aus, als würde der Staatskanzleichef mit seiner sachlichen und bescheidenen Art die Probleme anziehen. Was vielleicht auch daran liegt, dass Horst Seehofer vieles zur Chefsache macht. Ob Fracking, Energiewende oder Stromtrassen - früher oder später landen alle Probleme in der Staatskanzlei. Trotzdem: Auch nach knapp zwei Stunden gibt es keine Anhaltspunkte für Reibungspunkte zwischen Ministerpräsident und Staatskanzleichef. Anders als zwischen Markus Söder oder Ilse Aigner und Seehofer. Hubers Vorteil: Er muss nicht im Licht oder an der Front stehen. "Ich komme gut damit zurecht, der zweite Mann zu sein", sagt der 57-Jährige.

Kein böses Wort

Huber poltert nicht, er teilt nicht aus. Er meidet auch jede hinterhältige Spitze. Weder über Ministerkollegen noch über die Opposition kommt ihm ein böses Wort über die Lippen. Höchstens, dass im Landtag leicht überzogen werde. Ansonsten ist die Devise des Oberbayern: "Zunächst mal gehe ich davon aus, dass es der Andere auch gut meint." Vermutlich gilt er deshalb als "der Nette im Kabinett", manche nennen ihn gar "liebenswürdig". "Ich kann schon auch Klauen und Pranken ausfahren", wirft er zwischendurch ein, um nicht allzu liebenswürdig zu erscheinen.

Mit einem anderen "K", der Kandidaten-Frage, will er sich natürlich nicht befassen. Marcel Huber als Kompromiss-Kandidat für die Seehofer-Nachfolge, wenn weder Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, noch Finanzminister Markus Söder sich durchsetzen sollte? Der Oberbayer wiegelt ab, verweist darauf, dass die nächsten Landtagswahlen erst 2018 anstehen und er auf keinen Fall einen Beitrag zur Kronprinzendebatte leisten will.

Aber er ist selbstbewusst genug, auf seine "ungewöhnliche Karriere" zu verweisen. Schließlich ist er erst seit 2001 in der CSU, aber seit elf Jahren Landtags- und seit sieben Jahren Kabinettsmitglied. "Ich habe die Karriere nicht bewusst betrieben", sagt er. Und: Die Aufgabe als Staatskanzleichef sei für ihn eine Lebensphase. Ein kategorisches Nein klingt anders.
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