Marihuana-Krimi um Münchener Rockerclub "Black Jackets"
Der Bodyguard schweigt

Drogenhandel, erpresserischer Menschenraub und Körperverletzung wird den Angeklagten vor dem Landgericht Regensburg vorgeworfen. Bild: dpa
Politik
Regensburg
10.04.2015
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Rund 140 Kilogramm Marihuana sollen durch die Hände der sieben Männer gegangen sein, die nun auf der Anklagebank im Landgericht Regensburg sitzen. Doch zwei der Beschuldigten sehen sich mit noch weitaus gravierenderen Vorwürfen konfrontiert.

Seit Mitte März läuft der Prozess gegen die 23- bis 29-Jährigen vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Carl Pfeiffer. Der Anklageschrift und ihrem Geständnis zu Folge haben sie von 2012 bis zu ihrer Festnahme 2014 mit Marihuana gehandelt (wir berichteten).

Zwei Angeklagte werden darüber hinaus beschuldigt, einen aus Tschetschenien stammenden Boxer angestiftet zu haben, gegen ein weiteres "verräterisches" Bandenmitglied mit Gewalt vorzugehen. Durch die Vermittlung eines 29-jährigen soll es im Oktober 2013 zu einem Deal von rund 14 Kilogramm Marihuana mit dem Münchener Rockerclub "Black Jackets" gekommen sein.

Gegenseitig verdächtigt

Als diese behaupteten, das "Gras" nicht bekommen zu haben und die Zahlung der vereinbarten 70 000 Euro verweigerten, geriet der 29-jährige Schüler in den Verdacht, mit den Münchener Rockern gemeinsame Sache zu machen. Laut Anklage soll sich dann folgendes ereignet haben: Eines Abends holten ihn der Jurastudent und der Elektroniker von zu Hause ab und fuhren mit ihm in einen Boxclub im Hafenviertel. Nachdem sie ihm Faustschläge versetzt hatten, kamen der Tschetschene und eine weitere unbekannte Person hinzu. Nachdem sie ihrem Opfer das Handy abgenommen hatten, prügelten sie nun zu dritt auf ihn ein: Dann schleppten sie ihn in den Boxring.

Der Tschetschene soll dann eine scharfe Schusswaffe hervor geholt und den Schlitten zurückgezogen haben. Dabei soll er den Schüler angeschrien haben, er solle endlich die Wahrheit sagen, sonst würde er nicht mehr aus der Boxhalle wegkommen, weil er ihn umbringen werde.

Der diesbezügliche Vorwurf der Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung mit erpresserischem Menschenraub und schwerer räuberischer Erpressung mit Geiselnahme basiert auf den Angaben des Bedrohten. Während der 22-jährige Informationselektroniker zu diesem Vorwurf schweigt ließ der ein Jahr ältere Jurastudent über seinen Verteidiger erklären, dass er mit der ganzen Sache nichts zu tun habe. Die für Mittwoch vorgesehene Vernehmung des Tschetschenen platzte. Dieser hatte über seinen Verteidiger ausrichten lassen, dass er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen werde.

Der Chef-Ermittler berichtete als Zeuge über die sich Monate hinziehende Überwachung der mutmaßlichen Bandenmitglieder. Danach reisten diese einen Tag vorher nach Prag und wickelten das Geschäft ab. Erst dann wurden die Kurierfahrer zu einem Treffpunkt bestellt, wo sie die Ware entgegen nahmen. Um keine DNA-Spuren zu hinterlassen hätten die Chefeinkäufer beim Verladen sogar einen Mundschutz getragen.

Täter waren sehr vorsichtig

Auch bei der Rückfahrt reisten die Einkäufer und die Kuriere getrennt, um so das Risiko zu minimieren. Auch die Telefonüberwachung habe sich sehr schwierig gestaltet. Die Angeklagten hatten sich SIM-Karten mit nicht existierenden Teilnehmern, Multi-SIM-Karten und tschechische Prepaid-Karten besorgt und mehrere Mobiltelefone besessen. Um einer möglichen Überwachung zu entgehen, sind aufschlussreiche Telefongespräche meist von öffentlichen Telefonzellen aus geführt worden.

Beim Zugriff im April 2014 wurde eine fünfstellige Summe Bargeld beschlagnahmt und Bankkonten eingefroren. Der Kriminalbeamte zeigte sich jedoch davon überzeugt, dass der Löwenanteil des erwirtschafteten Geldes noch nicht aufgetaucht ist. Der Prozess wird fortgesetzt.
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