Mesnerin aus Mindelstetten hofft auf Segen des Regensburger Bischofs
Witwenweihe lebt wieder auf

Politik
Regensburg
23.02.2016
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Regensburg/Mayen. "Ja, ich will." Es ist das zweite Mal, dass Eliane Gruben am Altar steht und diese Worte spricht. Damals, 1973, sagte sie ja zur Ehe mit ihrem Mann Rainer. Als ihr Mann 1993 starb, brach eine Welt für die vierfache Mutter zusammen, erinnert sie sich. Die Witwe fand Halt im Glauben: "Gott hat mich in dieser Zeit nicht allein gelassen." 23 Jahre nach dem Tod ihres Mannes sagte sie nun erneut: Ja, ich will - zu einem Ritual, das lange vergessen war.

Vermutlich zum ersten Mal in Deutschland hat vor zehn Tagen mit Gruben eine Katholikin eine Witwenweihe erhalten. Im Eifelstädtchen Mayen versprach die 62-jährige Caritas-Mitarbeiterin in einer Messe vor Dechant Matthias Veit als Vertreter des Trierer Bischofs Stephan Ackermann, zunächst für drei Jahre, anschließend bis ans Lebensende nicht wieder zu heiraten und nur noch Gott und der Kirche zu dienen.

Als sich Gruben im Januar 2014 an den Trierer Bischofshof wandte, war dort von einem entsprechenden Ritus nichts bekannt. Nach den österreichischen Vorlagen arbeitete Bischofskaplan Marco Weber mit dem Trierer Liturgiewissenschaftler Klaus Peter Dannecker ein Ritual aus, das von Ackermann approbiert wurde. "Es basiert auf einem Formular aus dem vierten Jahrhundert aus der ambrosianischen Liturgie", sagt Weber.

Auch Rosemarie Kiluschik aus Mindelstetten spürt "die Sehnsucht, diesen Weg zu gehen". Ihr Mann hatte noch vor seinem Tod 2010 den Wunsch geäußert, sie solle doch wieder heiraten. Aber die dreifache Mutter kam im Gebet zur Überzeugung: "Ich gehöre jemand anderem. Gott hat mit mir etwas anderes vor." Bei Exerzitien lernte sie eine Witwe kennen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte, allerdings privat. Das machte sie neugierig. Die 56-Jährige trug 2014 ihren Wunsch dem zuständigen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer vor. Seither wartet sie geduldig auf eine Antwort.

Die Anerkennung ist ihr wichtig. "Die Kirche braucht doch Menschen, die wirklich ihren Glauben weitertragen." Im Alltag Kiluschiks würde sich durch die Weihe nicht viel ändern. Ihre Wohnung ist 500 Meter von der Wallfahrtskirche entfernt. Dort arbeitet sie als Mesnerin, kümmert sich um Pilger und verspricht ihnen, ihre Anliegen mit ins Gebet zu nehmen.
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