Neue Einteilung der Pflegestufen
Die Minutenzählerei ist vorbei

Rolf Scheu, MDK-Fachberater für die Qualitätssicherung der Pflegebegutachtung, informierte in Regensburg über die neuen Pflege-grade. Bild: gib
Politik
Regensburg
29.02.2016
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Aus drei Pflegestufen werden fünf Pflegegrade. Ab 2017 gelten neue Regeln bei der Eingruppierung pflegebedürftiger Menschen. Um über die Änderungen zu informieren, touren Vertreter des Medizinischen Dienstes der Krankversicherung (MDK) derzeit durch Bayern. Knapp 400 Interessierte kamen zu einer Infoveranstaltung ins Regensburger Kolpinghaus.

"Es handelt sich um ein völlig neues Instrument, nicht um eine Verbesserung des alten Systems", betonte Rolf Scheu, MDK-Fachberater für die Qualitätssicherung der Pflegebegutachtung. Bislang habe man sich bei der Begutachtung darauf fokussiert, welche Grundpflege ein Pflegebedürftiger benötigt. Ab 2017 gehe es nicht mehr um eine schematische Prüfung, wie viele Minuten Pflege ein Mensch jeden Tag braucht. Vielmehr versuchen die Gutachter herauszufinden, wie selbstständig ein Antragsteller noch ist.

Um den Grad der Pflegebedürftigkeit festzustellen, werden sechs Module abgefragt: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen sowie Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Jedes Modul widmet sich einer Reihe von Aspekten, etwa dem Treppensteigen im Bereich Mobilität. Der Gutachter stellt fest, inwiefern der Antragsteller Hilfe beim Treppensteigen benötigt und vergibt entsprechend Punkte. Aus der Summe der Punkte - die teils unterschiedlich gewichtet werden - ergibt sich der Pflegegrad. "Es ist ein komplexes Berechnungssystem", räumte Scheu ein. Statt den bisherigen drei Pflegestufen gibt es ab 2017 fünf Pflegegrade. Betroffene könnten von einem nahtlosen Übergang ausgehen, sagte Scheu. Sie müssten nicht extra einen Antrag stellen, sondern würden automatisch in einen neuen Pflegegrad eingeteilt. Voraussichtlich Ende 2016 werde die Pflegekasse Betroffene über ihren neuen Pflegegrad informieren. Finanziell würden die Leistungen spürbar erhöht, kündigte Scheu an. Der Beitrag in der Pflegeversicherung steige dafür im nächsten Jahr um 0,2 Prozent an. Dennoch bleibe es in der Pflege bei einem Zuschuss-System, betonte er. Die Betroffenen müssten sich auch weiterhin mit eigenen Mitteln beteiligen.

Stärkung der Prävention


Besonders profitieren würden vom neuen System Menschen mit Demenz. Der derzeit gültige Pflegebedürftigkeitsbegriff sei vor allem auf körperliche Einschränkungen bezogen. Menschen mit demenziellen Erkrankungen erhielten heute vergleichsweise geringe Leistungen aus der Pflegeversicherung. Das ändere die Reform grundlegend. Auch die Prävention spiele künftig eine größere Rolle. Über die Feststellung des Bedarfs an Hilfe hinaus werde überlegt, wie die körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten eines Betroffenen erhalten oder gestärkt werden können.
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