Polizei Regensburg bestätigt: Entflohene Insassen der Psychiatrie sind Sexualstraftäter
Warnung kommt mit Verzögerung

Politik
Regensburg
22.04.2015
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Am Freitag meldet die Polizei, dass zwei Insassen der Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Regensburg bei einem Ausflug in ein Einkaufszentrum entkommen sind - sie veröffentlicht Fahndungsfotos und Namen. Im Internet kursiert da bereits das Gerücht, es handele sich bei den Flüchtigen um Sexualstraftäter. Erst am Montag bestätigt die Polizei das Gerücht und warnt, dass vor allem vom jüngeren der beiden "Straftaten begangen werden könnten". Die Frage, warum dieses Details zu Christoph Janßen (40 Jahre alt, 175 Zentimeter groß, 109 Kilo, kräftige Figur) und Karl-Heinz Lippert (68, 170 Zentimeter groß, 76 Kilo, schlank) nicht von Anfang an veröffentlicht wurden, ließ sich auch durch Nachfragen unserer Zeitung nicht eindeutig klären.

"Unerhebliche" Information

"Bei allem, was Sie über Flüchtige preisgeben, müssen Sie abwägen. Sie müssen wissen: Ist das notwendig?", sagt Oberstaatsanwalt Theo Ziegler, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg. Im konkreten Fall sei die Information, dass beide Männer Sexualstraftäter sind, "für den Fahndungserfolg unerheblich" erschienen. Die engere Abstimmung mit Klinik, Polizei und Staatsanwaltschaft Deggendorf, die für einen der beiden Entflohenen zuständig sei, habe zudem Zeit gekostet. "Einen Königsweg schnell zu finden, ist bei solchen Fahndungen nicht immer leicht", sagt er.

Albert Brück vom Polizeipräsidium Oberpfalz weist auf die "hohen rechtlichen Hürden" hin, die es bei einer Fahndung nach entflohenen Häftlingen oder Insassen zu nehmen gelte: "Wir können Informationen zu den Gesuchten, auch Fotos, nur in Absprache mit der Staatsanwaltschaft veröffentlichen." Die Polizei müsse zudem umfangreich über die Geflohenen informiert werden, damit sie die Gefährdung einschätzen könne, die von ihnen ausgehe. Dass die Klinik diese Informationen zu spärlich übermittelt haben könnte, wollte Brück nicht bestätigen. Es habe sich eben die Lage erst am Montag "so dargestellt", dass man mehr Informationen über Lippert und Janßen veröffentlichen konnte.

Klinik-Sprecherin Lissy Höller betont, dass Freigänge dieser Art nichts Besonderes seien, vor allem bei Patienten, die schon lange im sogenannten Maßregelvollzug sind. Janßen saß demnach bereits seit 20 Jahren in Regensburg, Lippert seit 1999. "Beide hatten seit rund einem Jahr die Lockerungsstufe und waren rund einmal in der Woche in Begleitung einer erfahrenen Pflegekraft beim Ausgang", sagt Höller. Da Janßen und Lippert seit Freitag nicht mehr therapiert würden, sei eine genaue Einschätzung der Gefahr, die von ihnen ausgeht, nicht mehr möglich.

Ausnahmefälle

Höller unterstreicht, wie selten solche Vorfälle seien: "Unseren Patienten werden im Jahr rund 100 000 abgestufte Lockerungen gewährt. Nur in 16 Fällen haben sie 2014 gegen Lockerungsvorschriften verstoßen, in sieben Fällen kamen sie freiwillig zurück." Die Entscheidung, wer wie viel Freiheit bekomme, treffe obendrein keine Einzelperson, sondern eine große Konferenz unter Einbeziehung der Staatsanwaltschaft.

Karl-Heinz Lippert und Christoph Janßen sind unterdessen weiter auf der Flucht. Lippert ist wahrscheinlich mit einer grauen Jacke und grauer oder blauer Mütze im Marine-Look bekleidet. Janßen trägt laut Polizeimeldung eine dunkelblaue Kapuzenjacke und ein dunkelblaues T-Shirt. Hinweise unter der Notrufnummer 110 oder bei jeder Polizeidienststelle.
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