Protest der Psychologie-Studenten in Regensburg
Mal Therapeut, mal Kellner

Auf dem Regensburger Neupfarrplatz machten die Psychologie-Studenten ihrem Ärger Luft. Bild: gib
Politik
Regensburg
28.05.2016
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Nach dem Studium streben die meisten Uni-Absolventen schnell das erste "richtige" Geldverdienen an. Für die Psychologie-Studenten ist das nicht so einfach.

Für sie steht nach einem fünfjährigen Studium noch eine drei- bis fünfjährige Ausbildungszeit an, die mit hohen Kosten verbunden ist. In den bundesweiten Protest gegen diese Ausbildungsbedingungen stimmten am Dienstagabend auch Regensburger Studenten ein. "Patient geheilt - Therapeut bankrott" oder "Kliniken und Praxen dürfen sich nicht an uns bereichern" waren zwei der Slogans, die die Psychologie-Studenten der Uni Regensburg auf Plakaten über den Neupfarrplatz trugen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. "Wir haben in der Therapeutenausbildung einen Praktikantenstatus, obwohl wir ein abgeschlossenes Studium haben", erklärte Eva Kießling von der Fachschaft Psychologie den Protest. Während der Ausbildung müssten 1200 Stunden in der Psychiatrie und 800 Stunden in einer psychosomatischen Einrichtung, etwa einer Reha-Klinik, absolviert werden. Dabei würden die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) teils bereits sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Dennoch seien 50 Prozent der Stunden unbezahlt.

Politik reagiert kaum


Auf der anderen Seite stünden enorme Kosten: Im Durchschnitt würden die angehenden Therapeuten an den Ausbildungsinstituten 25 000 Euro zahlen. Dazu komme, dass der rechtliche Status der PiA nicht geregelt sei, was zum Beispiel die Krankenversicherung oder den Mutterschutz betreffe, kritisierte Kießling. In der Realität bedeute das für die angehenden Psychotherapeuten oft: "Sie arbeiten fünf Tage in der Psychiatrie und am Wochenende gehen sie kellnern."

Viele Studenten würden von den Kosten abgeschreckt, ergänzte Fachschaftsvertreter Armin Ederer. Das könnte fatale Auswirkungen auch für die Patienten haben. Schon jetzt würden die Wartezeiten für ein Therapiegespräch in Deutschland durchschnittlich bei zwei Monaten liegen. Dazu komme eine Überalterung der praktizierenden Psychotherapeuten: Sie seien heute im Schnitt 50 Jahre alt, sagte Ederer.

Die Politik sei die Problematik bekannt, doch bisher sei nicht viel passiert, bedauerte Ederer. Für den Sommer sei immerhin ein Gesetzesentwurf für eine Ausbildungsreform geplant. Die angehenden Psychotherapeuten erhoffen sich davon vor allem eine angemessene Vergütung und einen gesicherten rechtlichen Status.
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