Regensburger Pionierkaserne vorläufige Erstaufnahmeeinrichtung
"Was Normales: Wir helfen"

Die Betten für die erste Nacht in Sicherheit: Im "Transit-Bereich" der neuen Erstaufnahmestelle übernachten die Asylbewerber, bis festgestellt wird, ob sie in Regensburg bleiben oder in ein anderes Bundesland weitergeschickt werden. Bild: Gibbs
Politik
Regensburg
16.12.2014
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Regierungspräsident Axel Bartelt (von links), Staatsministerin Emilia Müller, Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Bischof Rudolf Voderholzer sahen sich in einem Familienzimmer um.

2010 waren die letzten Soldaten ausgezogen. Nun dient die Pionierkaserne im Regensburger Osten als vorläufige Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 280 Flüchtlinge. Bei der Eröffnung am Montag kritisierte Staatsministerin Emilia Müller (CSU) den Stau bei den Asylanträgen.

Der gemütlichste und bunteste Raum ist das Zimmer für die Kinderbetreuung: Die Puppenküche, die Kuschelecke, die Spiele und Bücher fanden beim Presserundgang viel Anklang. Von Krieg und Flucht traumatisierte Kinder können sich hier gut aufgehoben fühlen. Karg, aber funktional und sauber sind die Schlafräume: Zweier-Stockbetten, Tisch, Stühle, ein Abfalleimer und Putzzeug stehen bereit. Für Flüchtlinge mit Kindern gibt es größere Familienzimmer. "Wir wollen auf die familiären Bande achten", betonte Regierungspräsident Axel Bartelt.

Entlastung für Zirndorf

Bartelt räumte ein, dass er durchaus Zweifel hatte, die Pionierkaserne könne in nur drei Monaten zu einer Erstaufnahmestelle umfunktioniert werden. "Es war ein ehrgeiziger Zeitplan." 4,4 Millionen Euro kostete das Projekt, 200 Beschäftigte aus 30 Firmen waren beteiligt. Die Mietkosten betragen 18 000 Euro monatlich, über eine mögliche Befreiung werde derzeit verhandelt, erklärte Bartelt. Die Pionierkaserne soll die bestehenden Auffangstellen in München und Zirndorf entlasten, ist aber selbst nur eine Übergangslösung: Die endgültige Erstaufnahmeeinrichtung für mehr als 500 Flüchtlinge soll bis Ende 2015 in der Regensburger Bajuwarenkaserne entstehen.

Ziel der Staatsregierung ist, in jedem Bezirk eine solche Einrichtung zu eröffnen.Eine Warnung für die Behörden war der Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkünfte im mittelfränkischen Vorra: Der Schutz der Bewohner soll in Regensburg durch drei Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma gewährt werden. Die Polizei fährt zusätzliche Streifen.

Bus mit 50 Flüchtlingen

200 Schlafplätze bietet ein Gebäude der Pionierkaserne, weitere 80 wurden in Containern geschaffen. Heute wird ein Bus mit 50 Flüchtlingen erwartet, am Donnerstag weitere 50 Neuankömmlinge. Die erste Nacht verbringen die Asylbewerber im "Transit-Bereich" - zwei großen, nach Männern und Frauen getrennten Schlafräumen, wie Karl-Heinz Kreuzer, Leiter der Einrichtung, erklärte.

Am nächsten Tag wird festgestellt, ob sie in Regensburg bleiben oder in ein anderes Bundesland weiterverteilt werden. Die zentralen Aufgaben der Erstaufnahmeeinrichtung sind die Registrierung und die ärztliche Untersuchung der Flüchtlinge. An den Anmeldeschaltern warten Mitarbeiterinnen, die verschiedene Sprachen sprechen. Stets ist für Untersuchungen ein Arzt des Gesundheitsamts anwesend. Die Caritas übernimmt die Asyl-Sozialberatung vor Ort.

Kritik am Bundesamt

Was der Übergangs-Einrichtung im Gegensatz zu München und Zirndorf fehlt, ist eine Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Asylverfahren der in Regensburg untergebrachten Menschen werden von Zirndorf aus erledigt. Dennoch war das Bundesamt ein Thema. Sozialministerin Müller bemängelte, dass 163 000 Asylanträge beim BAMF darauf warten, bearbeitet zu werden. Dort brauche es dringend mehr Personal.

Bischof Rudolf Voderholzer zeigte sich berührt. Der Rundgang habe ihn an die Lebensgeschichte seiner Mutter, einer Sudetendeutschen, erinnert, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtling bei einer armen, aber gastfreundlichen Bauernfamilie untergekommen war. "Uns geht es heute im Vergleich dazu ausgezeichnet", betonte der Bischof. In Deutschland sollte es möglich sein, die Herausforderungen "auf menschliche Weise" hinzubekommen.

"Wir tun etwas ganz Normales: Wir helfen Menschen, die auf der Flucht sind", sagte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD). Er hoffe, dass die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung einen ruhigen und sicheren Platz finden, an dem "viel Wärme gelebt wird".
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