Regensburger Verein rettet fast 5600 Menschen aus dem Mittelmeer
Zweites Schiff für Sea-Eye

Der Kutter der Regensburger Flüchtlingsinitiative "Sea Eye". (Foto: dpa)
Politik
Regensburg
13.11.2016
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Mit einem umgebauten Fischkutter haben der Regensburger Michael Buschheuer und die Mitglieder seines Vereins Sea-Eye in diesem Jahr fast 5600 Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben gerettet. Im nächsten Jahr wollen die Helfer ein zweites Schiff auf See schicken.

Jedes Leben zählt für die Crew der Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye: In diesem Jahr hat sie 5568 Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet. Doch die Schleuser agieren immer skrupelloser. Die Sea-Eye will nach einer kurzen Winterpause mit einem zweiten Schiff dagegenhalten.

Mit einem umgebauten Fischkutter kreuzt die wechselnde Crew seit April dieses Jahres zwischen Sizilien und Libyen und hält nach Flüchtlingsbooten in Seenot Ausschau. In jüngster Zeit hat sich die Situation dramatisch verschlechtert, berichtete Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer am Samstag am Rande des Jahrestreffens der Crew in Regensburg. "Die Schleuser schicken die Leute mittlerweile bei jeder Witterung, um jede Tageszeit, auf jedem Boot los", sagte der 39-Jährige. "Fast immer finden wir bei der Rettung jetzt Tote auf den Booten."

Benzin zur Beruhigung


Mediziner vermuten, dass die Flüchtlinge in einigen Fällen von den Schleusern gezwungen werden, vor der Abfahrt ein Gemisch mit Benzin zu trinken, um sich zu beruhigen, erklärt Buschheuer. Die Mischung könne zu einer gefährlichen Lungenentzündung führen. "Es ist einfacher, 150 Leute auf ein Boot zu pferchen, wenn diese ruhig gestellt sind" - das sei die perfide Logik der Schleuser.

Sorgen macht sich Buschheuer um die Situation auf dem Mittelmeer im Winter. Statt den zwölf Rettungsschiffen, die im Sommer vor Ort seien, halte dann nur eines die Stellung. Zwar wagen im Winter weniger Menschen die Flucht über das Mittelmeer, etliche versuchen es aber trotz der schwierigen Witterungsverhältnisse. "Es ist kein schönes Gefühl, sich zurückzuziehen", sagt Buschheuer. Doch die Sea-Eye müsse dringend in die Werkstatt. Spätestens im März will die Crew ihre Mission im Mittelmeer aber fortführen. Geplant ist außerdem, ein zweites Schiff zu kaufen. Genug Freiwillige, um Besatzungen für zwei Schiffe zusammenzustellen, hat die Organisation mittlerweile: 450 Helfer haben sich bislang gemeldet. Pro Einsatz sind 10 Crewmitglieder an Bord, die Mannschaft wechselt alle 14 Tage.

"Speedy" beschlagnahmt


Im neuen Jahr soll außerdem eine hauptamtlich beschäftigte Kraft die vielfältigen organisatorischen Aufgaben übernehmen. Buschheuer, Unternehmer und Familienvater zweier kleiner Kinder, hatte das bislang neben dem Beruf gestemmt. Einen herben Rückschlag musste die Crew hinnehmen, als die libysche Küstenwache im Spätsommer das gerade erst erworbene Schnellboot "Speedy" konfiszierte. Es laufen Bemühungen, das Boot zurückzubekommen.

Etwa 250 000 Euro hat das Hilfsprojekt in diesem Jahr verschlungen. Die Sea-Eye ist weiter auf Spenden angewiesen. "Für 45 Euro konnten wir ein Menschenleben retten", rechnet Buschheuer vor.

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Weitere Informationen im Internet:

www.sea-eye.org
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