Voderholzer und Oster kritisieren Theologen
Bischöfe fordern Unterordnung

Für viele Theologen ist klar: Bischöfe haben die Erkenntnis über die Glaubenswahrheiten nicht gepachtet. Bild: dpa
Politik
Regensburg
22.02.2016
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Bischof Rudolf Voderholzer stellt die Freiheit der Lehre in der Theologie infrage. Bild: Petra Hartl

Die Bischöfe Stefan Oster und Rudolf Voderholzer gelten als die konservative Speerspitze in der Deutschen Bischofskonferenz. Nun haben die beiden Oberhirten die Theologen ins Visier genommen. Sie wollen deren Unterordnung.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Passauer Oberhirte Stefan Oster haben eine Unterordnung der Theologen unter das Lehramt der Bischöfe gefordert. Letztlich rütteln sie damit an der Freiheit von Forschung und Lehre in der Theologie. Stein des Anstoßes: Das Abschlussdokument des dreitägigen theologischen Kongresses "Das Konzil 'eröffnen'". Darin wird nichts weniger als "die Gewissensfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Mitwirkungsrechte der Gläubigen in der Kirche" gefordert.

Eigenständiges Lehramt


Allein diese Forderung ist für manche in der Amtskirche bis heute schwer zu akzeptieren. Obwohl dies die Konsequenz aus der Anerkennung der Religionsfreiheit als Menschenrecht durch das Zweite Vatikanische Konzil ist, worauf die Schlusserklärung des Kongresses Anfang Dezember 2015 in München hinweist. An dem Treffen in der Katholischen Akademie Bayern nahmen rund 200 Theologen teil. Sie erinnerten an den 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils am 7. Dezember 1965. In Ihrer Erklärung beanspruchen die Theologen zudem ein eigenständiges Lehramt in der katholischen Kirche, neben dem der Bischöfe.

Das ist Oster und Voderholzer zu viel. Zunächst setzte sich der Regensburger kritisch mit dem Dokument auseinander - vier Wochen nach dem Ende des Kongresses. In einem Vortrag am 8. Januar vor Priesteramtskandidaten der Bistümer Regensburg und Passau, der auf der Homepage des Bistums Regensburg veröffentlicht ist, will er den Theologen Grenzen aufzeigen. Dem Regensburger Bischof fehlt in der Erklärung "die Anerkennung des Rechtes des bischöflichen Lehramts". Bischöfe müssten überwachen, "ob eine bestimmte theologische Lehre noch mit der Lehre der Schrift und der Tradition übereinstimmt".

Der Regensburger Bischof, der sich auch auf seine "Letztverantwortung ... der theologischen Ausbildung der Priesteramtskandidaten" beruft, kann es sich nicht verkneifen, die Glaubwürdigkeit der Unterzeichner selbst anzugehen. Er führt an, dass es sich nicht nur um aktive Professoren handle, sondern um etliche emeritierte Professoren, sowie Vertreter aus dem Mittelbau, die zum Teil noch gar nicht promoviert seien. Was dies mit den Argumenten der Erklärung zu tun hat, lässt er offen. Voderholzer vergisst darauf hinzuweisen, dass zu den Erstunterzeichnern der Schlusserklärung auch der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehman, gehört.

Die auf der Würde des Menschen basierenden Menschenrechte müssen um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen innerkirchlich umgesetzt werden.Schlusserklärung des Internationalen Kongresses "Das Konzil ,eröffnen'"

Anfang Februar sprang Oster seinem Regensburger Amtskollegen bei - auf Facebook. Der Passauer Oberhirte wirft den Unterzeichnern der Münchener Erklärung vor, ihrer Position mangele es an Selbstkritik. Polemisch fügt er an: "Frag zum Beispiel drei Theologen derselben oder auch verschiedener Fachrichtungen zur Bedeutung einer einzigen Bibelstelle, und du bekommst in der Regel wenigstens sechs verschiedene Ansichten dazu." Allein die Familiensynode in Rom hat gezeigt, dass es unter Bischöfen nicht anders ist.

Wächteramt gefordert


Zuvor hatten die Freiburger Theologen Eberhard Schockenhoff und Magnus Striet Bischof Voderholzer geantwortet. Schockenhoff, Professor für Moraltheologie und seit dem Jahr 2001 Mitglied des Deutschen Ethikrates, warnt vor einer Gängelung der Theologie. Er reklamiert ein Wächteramt. Theologie solle Fehlentwicklungen identifizieren und neue Wege zu einem jeweils zeitgemäßen Glaubensverständnis erschließen. Striet betont, das kirchliche Lehramt habe immer wieder geirrt. Der Fundamentaltheologe erinnert an die "Verurteilung der Freiheitsrechte durch Päpste des 19. Jahrhunderts" und an den "theologischen Antijudaismus".

In die Debatte steigen inzwischen immer mehr Theologen ein. Sie haben es in ihrer Karriere selbst erfahren, dass die Wissenschaftsfreiheit in der Theologie begrenzt ist. Bevor ein Professor berufen werden kann, muss die katholische Kirche ihren Segen, ihr "Nihil obstat" - "es steht nichts entgegen"- , geben. (Kommentar)
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