Wider die Intoleranz

Der pakistanische Erzbischof Joseph Coutts ist die Stimme der katholischen Kirche in seinem Land. Bild: paa
Politik
Regensburg
24.10.2014
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Vor einem Jahr starben beim Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Pakistan rund 100 Menschen - nur ein Teil des Krieges von Islamisten gegen die christliche Minderheit. Doch es gibt auch Muslime, die sich vor Christen stellen.

Die schleichende Islamisierung in Pakistan erfüllt den katholischen Erzbischof von Karachi, Joseph Coutts, mit tiefer Sorge. Diese gefährde nicht nur die Demokratie in seiner Heimat, sondern versetze die Christen in Angst und Schrecken. Der Druck, den die Extremisten erzeugen, verändere das Klima in der Gesellschaft und in der Politik, und damit die Lebensbedingungen für die Christen. Diese leiden weniger unter staatlichen Übergriffen, sondern vor allem unter Attacken der Islamisten, erzählt der 69-Jährige.

Der Vorsitzende der pakistanischen Bischofskonferenz berichtet in diesen Tagen auf Einladung des katholischen Hilfswerkes Missio in Schulen und Pfarreien im Bistum Regensburg von seiner Heimat und dem Schicksal der christlichen Gemeinden. Vom "freien und gleichen Leben" für alle, das Staatsgründer Ali Jinnah im Jahr 1947 versprochen hat, ist Pakistan heute weit entfernt. Angestoßen hat die Islamisierung der Diktator Zhia-ul-Hhaq (1977-1989). Aus dieser Zeit stammt das Blasphemie-Gesetz, dessen Anwendung international immer wieder für Aufsehen sorgt, wie im Fall Asia Bibi. Die Christin war mit einer Muslimin in Streit geraten, wurde der Gotteslästerung beschuldigt und im November 2010 zum Tode verurteilt.

Derartige falsche Anschuldigungen träfen Christen und Muslime gleichermaßen. Für Coutts ein Beleg für die wachsende Intoleranz. Bislang sei aber niemand nach einer Verurteilung nach dem Blasphemie-Gesetz hingerichtet worden, betont der Erzbischof. Allerdings seien Dutzende Menschen nach solchen Anschuldigungen vom Mob gelyncht worden.

Vor zehn Jahren war Coutts zur Eröffnung der damaligen Fastenaktion nach Bamberg gekommen. "Seither ist es in Pakistan schlechter geworden", sagt der Erzbischof. Höhere Mauern, Videoüberwachung und Sicherheitsleute: Daran habe er, anders als heute, früher nicht gedacht. Dennoch ist er verhalten optimistisch. Die Mehrheit der Muslime habe begriffen, welche Gefahr die Extremisten bedeuten. Und der Erzbischof erzählt von der Trauerfeier für die Opfer des Attentats auf die Allerheiligen-Kirche in Peschawar mit 100 Toten im September 2013. Damals hätten Muslime eine Menschenkette um die Kirche gebildet.

Schulen für alle offen

Doch Coutts ist auch selbstbewusst. Zwar stellen die Christen nur zwei Prozent der 179 Millionen Pakistaner. "Aber unser Beitrag zur Entwicklung von Pakistan ist größer als die zwei Prozent", betont der Direktor von Caritas Pakistan. Er verweist auf die christlichen Schulen und die Krankenhäuser, die auch Muslimen offen stehen. Diese Haltung sei der christlichen Botschaft des Friedens und der Liebe geschuldet. Coutts spricht vom "Dialog des Lebens". Dazu brauchen die pakistanischen Christen Unterstützung aus Europa.
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