Nach Steilvorlage von Burghausen und Nürnberg
Buchbach bläst Jahn den Marsch

Zu jubeln hatten nur die Buchbacher etwas: Wie nach dem 1:0 durch Stefan Denk. (Foto: Sascha Janne)
Sport BY
Regensburg
03.04.2016
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Kein Jahn-Spieler konnte heute überzeugen: Kolja Puschs Flanken blieben nicht unerreicht, sondern meist unerreichbar. (Foto: Sascha Janne)
 
Uwe Hesse, bemüht, aber glücklos. (Foto: Sascha Janne)
 
Haris Hyseni, weitgehend abgemeldet. (Foto: Sascha Janne)
Buchbach: SMR-Arena |

Volles Haus in Buchbach heißt nicht viel: 2500 Zuschauer plus x feiern ein verdientes 1:0 gegen den Spitzenreiter – nicht aus eigener Stärke, sondern weil Jahn Regensburg alles vermissen lässt, was man vorher versprochen hat: keine Ideen, keine Pässe, kaum Torchancen. Zeugnis: armselig, Vorrücken wieder stark gefährdet.



Hat Heiko Herrlich mit seiner Effenberg-Assoziation versehentlich Nostradamus übertroffen: „Der hat auch mit zwei Siegen begonnen, dann Unentschieden … und dann ging’s bergab.“ Burghausen verliert gegen Aschaffenburg, Nürnberg in Schalding-Heining, Haching verspielt gegen Memmingen einen 2:0-Vorspung – Regensburg kann mit zwei Siegen in Buchbach und Amberg auf 7 Punkte wegziehen. Und dann das …

Der Auftritt der Oberpfälzer ist in der ersten halben Stunde cum grano salis noch ordentlich, was Körpersprache und Einsatzwillen anbetrifft – Konstruktives kommt dabei dennoch kaum zustande, Buchbach hat die besseren Chancen. Wer denkt, es kann nur besser werden, täuscht sich: Die zweite Hälfte eine einzige Zumutung für Regensburger Zuschauer.

So kraftlos das Spiel, so saftlos der Kommentar des ausgewechselten Topstürmers danach: „Mei, das ist heute echt ärgerlich“, erkennt Markus Ziereis. „Wir wollten punkten, aber haben die Leistung einfach nicht gezeigt.“ Da sei ein wenig der Wurm drin. Oder auch ganz gewaltig. Aber Ziereis weiß die Lösung: „Wir gehen ins nächste Spiel und schauen, dass es wieder klappt.“ Denn: „Hauptsache, wir schaffen, dass wir Erster werden“, möchte er gar nicht zur Auslosung blicken. „Erst dann beschäftigen wir uns mit einem möglichen Gegner.“

Humpta humpta trätarä

Die Atmosphäre im gallischen Regionalligadorf vor Spielbeginn wie erwartet – Grillgeruch, Sonne, Humpta humpta trätarä. Uli Lübeck, der gleich neben dem Platz wohnt, ist ein typischer Buchbacher: Anwohner und Schiedsrichter. „Wir sind eine große Familie“, lacht er und zeigt auf einen Whirlpool: „Der ist für Trainer Anton Bobenstetter, wenn wir in die Dritte Liga aufsteigen“, erklärt er. „Dann wird er mit Champagner gefüllt.“ Klar: „Mia san Kult.“

Die BFB-Offiziellen lassen sich heute auch sehen, schließlich vertreten sie die 25.000 Mannschaften in Bayern, dessen Gros Amateure sind. Auch wenn Dortmunds Watzke Recht habe, mit seinem Geld-Statement: „Das Zugpferd ist die Bundesliga.“ Aber, wendet Rainer Koch ein, „die Jugendlichen fangen in den kleinen Vereinen an, deshalb ist es wichtig, dass wir gute Übungsleiter haben.“ Auch Stefan Lex, heute Profi beim 3:0-gegen-Schalke kommt aus Buchbach.

Was Wolf zu sehen bekommt, macht ihm Mut

Gestern noch die vierte Pleite in Folge eingesteckt, heute Co-Kommentator in Buchdorf – schließlich hat Wacker-Trainer Uwe Wolf das Saisonziel – im vorderen Drittel – bereits erreicht. Dennoch: „Es ärgert mich, dass wir das so emotionslos aus der Hand geben.“ Was er allerdings hier zu sehen bekommt, macht ihm wieder Mut: „Ich bin guter Dinge, dass wir wieder in die Spur kommen.“ Seine Mannschaft wolle die Liga so lange wie möglich spannend halten. „Wir freuen uns auf das Derby in 14 Tagen.“ Die Spieler hätten alle Sport 1 geguckt: „Ich denke, dass jeder noch mal heiß geworden ist – so einfach wie heuer wird’s nimmer.“

Der Lazarett-Gau beim Jahn bleibt aus: Kolja Pusch und Marcel Hofrath haben sich erholt, dennoch muss letzterer erst mal auf der Bank schmoren: Vor Philipp Pentke die Viererkette um Markus Palionis – mit Ali Odabas, Fabian Trettenbach und Alexander Nandzik. Im Mittelfeld sollen Andi Geipl und Kolja Pusch die Fäden ziehen für Jann George, Markus Ziereis, Uwe Hesse und Hari Hyseni.

Buchbach klatscht sich heiß

Buchbach startet mit 3:4:3-System – was ist das? Die anstoßenden Gastgeber klatschen sich heiß und versuchen’s aggressiv, aber auch überhastet. Die erste Ecke für den Jahn kommt lang auf Odabas, der bekommt die Birne hin, aber den Ball nicht mehr nach unten (2.). Schöner Pass nach rechts auf Hesse, der macht’s direkt aus acht Metern – Mantel des Schweigens (8.).

Schneller Freistoß aus dem Mittelfeld auf Hyseni, sein direkter Drehschuss von der Strafraumgrenze verhungert. Auf der Gegenseite eine Freistoßflanke auf Florian Pflügler, der setzt den Kopfball an den Pfosten (11.). Direkter Freistoß von ganz weit außen: Pentke hebt die Kugel über die Latte (13.). Palionis mit Ballverlust beim Spielaufbau, brandgefährlicher Konter, wieder ist Pentke unten (14.).

Schmeichelhaftes Pausen-Remis

Was richtet der Jahn vorne aus? Pusch mit einem Verlegenheitsschüsschen aus 25 Metern, TSV-Keeper Sandro Volz sicher (20.). Wieder eine Ecke, erneut an den langen Pfosten, Ziereis köpft drüber (24.). Hyseni setzt sich im Strafraum gegen Leberfinger durch, verwurstelt sich aber dann gegen drei andere (27.). Zum Abgucken machen es die Oberbayern nochmal vor: Wieder ein Freistoß auf Pflügler, Ziereis klebt am Boden, deshalb kann „Hansi“, wie sie ihn hier nennen, frei köpfen, knapp rechts vorbei (33.).

Und der SSV? Nächster Verlegenheitsschuss aus 30 Metern, weil der Keeper zu weit draußen ist – knapp drüber (34.). Und ein schwacher Freistoß von Geipl flach in die Mitte (37.). Während der Jahn offenbar das 0:0 in die Halbzeit schaukeln will, schockt ein langer Pass auf Markus Grübl, dem Junior des TSV-Chefs, die Regensburger. Palionis langt nicht richtig hin, ein Pass an den Fünfer, Thomas Breu haut drei Meter drüber (45.). Das 0:0 schmeichelhaft aus Oberpfälzer Sicht.

Bobenstetter: „Alles richtig gemacht“

Der TSV-Trainer ist dennoch zufrieden: „Wenn man solche Chancen bekommt gegen eine so starke Mannschaft wie Regensburg, hat man alles richtig gemacht“, freut sich Bobenstetter. Der Wechsel von Breu, für den nach der Pause Maxi Bauer kommt, übrigens keine Strafaktion für den verschossenen Fünfer: „Es war so geplant, dass er sich aufarbeitet für die Mannschaft und dann ein frischer Spieler kommt.“ Der Frische hat übrigens gegen Bayern II das 2:2 und das 3:2 erzielt.

Die zweite Hälfte beginnt ähnlich erfrischend wie die erste endete: Geipl glänzt mit einem flachen Freistoß in die Hände von Sandro Volz (49.). Warum verschenkt eigentlich Keeper Pentke die meisten Bälle, indem er einfach nach vorne haut? Im besseren Fall ist da einer, der zum Gegner köpft – im schlechteren wie jetzt geht’s gleich ins Seitenaus. So, ein heute planloser Geipl vertändelt die Kugel im Mittelfeld und eröffnet die Riesenchance für Christian Brucia, der allein auf Pentke zuläuft und drüberschießt (50.).

Erste Jahn-Chance nach einer Stunde

Vorm Buchbacher Tor aber bleibt’s weiter harmlos: Ecke Pusch, Palionis köpft weit drüber (55.). Eine verunglückte Flanke von Nandzik auf das Netz (58.). Andi Geipl hat heute das Talent, bei jeder Flanke einen Gegner anzuvisieren – und beim Spielaufbau will er unbedingt mitten durch den Gegner und bekommt den Freistoß gegen sich, schließlich ist er kein Geist. Die erste richtige Chance für den Jahn dann nach Patzer von Thomas Leberfinger, George im 16er versucht noch querzulegen, scheitert am Keeper (63.).

Geipl mit technischem Foul ohne Ballberührung sieht zurecht Gelb – wieder ein Freistoß von rechts, Petrovic dran und drüber (67.). Wann kommt jetzt mal die Druckphase von Regensburg? Ah, ein Alibi-Schuss von Trettenbach: in Volzens Arme, Ideen-Armut trägt heute den Namen des Turnvaters (69.). Und irgendwann ist das Dusel im eigenen Strafraum dann auch aufgebraucht: Odabas köpft Palionis an, der Ball springt Stefan Denk vor die Füße, der unbehindert am Fünfer zum verdienten 1:0 (71.) einnetzt.

Schlussoffensive? Fehlanzeige!

Zeit wird’s, dass sich wenigstens IRGENDwas ändert: Hofrath darf für Nandzik ran. Doch statt Vorwärtsgang, erst mal ein banger Blick zum Schiedsrichter: Palionis und Odabas bringen im Zängchen einen Buchbacher im Strafraum zu Fall – der fällt etwas zu gerne und bekommt zu Recht kein Elfergeschenk (79.). Folgt jetzt endlich die kompromisslose Schlussoffensive des Favoriten, ein Powerplay, steht das Buchbacher Tor unter Dauerfeuer?

Fehlanzeige, gefährlich bleibt lediglich die Mannschaft von Platz 11: Flanke von rechts, Bauer fliegt knapp am Ball vorbei (80.). Der Jahn kommt noch nicht mal in Tornähe, deshalb jetzt noch schnell der Doppelwechsel: Thomas Kurz und Andi Jünger sollen es besser machen als der blasse Markus Ziereis und der unglückliche Andi Geipl. Aber was soll man denn damit anfangen? Pusch zieht eine Ecke zur anderen Eckfahne!

Letzte bemerkenswerte Szene jenseits von Gut und Böse: Odabas reißt den 10er auf der linken Seite am Trikot um, sonst wäre der allein vor Pentke – Schiri und Linienrichter sehen’s nicht. Vorbei, ein Trauerspiel der Mannschaft, die heute einen riesen Schritt in Richtung Meisterschaft hätte schaffen können, reines Glücksgefühl für die Dorffeier: Glückwunsch, out and over!

Herrlich: „Buchbach hat uns abgekocht!“

Jahn-Trainer Heiko Herrlich brauchte nicht viele Worte, um das Trauerspiel zusammenzufassen: „Der Sieg ist nicht unverdient für Buchbach.“ Die ersten 30 Minuten sei der SSV zwar die stärkere Mannschaft gewesen, hätte aber nichts aus der Überlegenheit machen können. „Dann war Buchbach sicher giftiger und in der zweiten Halbzeit haben sie uns wirklich abgekocht – wir sind mit der Härte nicht zurechtgekommen.“ Über ein mögliches Relegationsspiel mochte er dann nicht mehr spekulieren.

Wer immer von den derzeitigen Looser-Mannschaften an der Spitze der Regionalliga-Bayern das Kunststück schafft, am Schluss ganz vorne zu stehen – er bekommt es am 25. und 29. Mai im Hin- und Rückspiel mit dem Meister der Regionalliga Nord (z.B. VfB Oldenburg, Wolfsburg II) zu tun. Gute Fahrt!

Die weiteren Begegnungen

Regionalliga West (Lotte, derzeit Spitzenreiter) gegen Regionalliga Südwest Erster (Waldhof-Mannheim, Eintracht Trier)
Regionalliga Nordost (Zwickau) gegen Regionalliga Südwest Zweiter (Waldhof-Mannheim, Eintracht Trier)
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