1:3 in Bremen: Regensburg kann einfach nicht „U23“
Jahn rutscht mit Lehrgeld-Inflation in rote Zahlen

Alarm im Regensburger Strafraum: Ecke für Bremen und Sambou Yatabaré mittendrin. Bild: Jahn
Sport
Regensburg
05.11.2016
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Jahn-Trainer Heiko Herrlich zu den Aussetzern seiner Hintermannschaft: „Das ist nicht Drittliga-Niveau!“ Bild: Göpel
 
Auch Erik Thommy konnte keine entscheidenden Impulse setzen. Bild: Jahn
Bremen: Weser-Stadion Platz 11 |

Es bleibt dabei: Der Nachwuchs der Bundesligisten bleibt das große Schreckgespenst für den SSV Jahn. Ein trübes 1:3 im nasskalten Bremen schmerzt umso mehr, als Regensburg in der 85. noch ausgleichen konnte. Mit Platz 15 nähern sich die Regensburger der roten Linie, die man nicht überschreiten sollte.

Mit so einem Ergebnis hatte der Jahn-Trainer sicher nicht gerechnet. Dabei hat Heiko Herrlich im Vorfeld alles versucht, um seine zuletzt viermal in Folge sieglose Truppe optimal auf die erneute Herausforderung „Unter 23“ vorzubereiten:

  • Torschüsse als Schwerpunkt im Training während der Woche, um die Effizienz im Jahn-Sturm zu verbessern.

  • Eingehende Analyse der typischen Spielweise des Bundesliga-Nachwuchses

  • Frühere Anreise, um nicht mit der Busfahrt in den Knochen hinter den jungen Wilden herlaufen zu müssen.

„Das ist nicht Drittliga-Niveau“

Gebracht hat das alles nichts: „Nicht unverdient“, nennt Herrlich den 3:1-Erfolg der Hanseaten. „Bremen wollte es einfach mehr.“ Dabei hatte seine Mannschaft sogar noch das Glück, kurz vor Schluss einen Elfmeter und damit den Ausgleich auf dem goldenen Tablett serviert zu bekommen – und hatte unmittelbar danach die Möglichkeit zur Führung. „Aber da waren wir nach hinten überhaupt nicht abgesichert.“

SSV-Keeper Philipp Pentke habe zunächst noch das Schlimmste verhindert. Aber in den Schlussminuten lässt sich der Jahn brutalstmöglich auskontern – plus Sonntagsschuss in den Winkel zum Endstand: „Da lassen wir einfach zu viel zu – das ist nicht Drittliga-Niveau.“ Und mit dem oft beschworenen Lehrgeld rutscht das lange ausgeglichene Konto langsam immer tiefer in den roten Bereich.

Profi-Verstärkung mit Doppelpack

Ganz unrecht hatte Heiko Herrlich nicht mit seiner Befürchtung, Bremens U23 könne Verstärkung von oben erhalten: Werder-Trainer Florian Kohfeldt muss zwar auf den verletzten Johannes Eggestein verzichten, dafür bekommt er mit Fallou Diagne und Sambou Yatabaré spielentscheidende Impulse aus der Profimannschaft. Der Jahn-Dompteur vertraut dagegen auf die Startelf gegen Magdeburg.

Der SSV versucht über links mit Turbo-Nandzik und Techno-Thommy zu Chancen zu kommen. Nandzik zieht aus 16 Metern ab, ein Bremer klärt zur Ecke (7.) Thommy jagt Verlaat die Kugel ab, gibt weiter zu Geipl, Grüttner köpft neben den Kasten (11.). In den folgenden Minuten scheint es nur noch eine Frage Zeit, bis die Regensburger Führung fällt: Andi Greipls Hammer kracht gegen das Lattenkreuz, Erik Thommys Freistoß verfängt sich im Außennetz (16.).

Heins Gfreiter-Gedächtnis-Schuss

Weiter Ball von Pentke auf Thommy, der startet durch und wird gelegt: Lais und Pusch versuchen sich durch die grünen Reihen zu kombinieren, Keeper Eric Oelschlägel nimmt den letzten ungenauen Pass sicher auf (16.). Oli Hein misst sich mit Harry Gfreiter: Sein 40-Meter Gedächtnisschuss ist aber für den zurückgeeilten Oelschlägel kein Thema (30.). Bremens Maximilian Eggestein muss früh die Waffen strecken – verletzt geht er vom Feld, für ihn kommt Björn Rother (27.).

Palaver im Bremer Strafraum – fast die gesamte Jahn-Elf beteiligt sich an der Anklage gegen einen Grünen, der die Hand unerlaubt am Ball gehabt haben soll – Schiri Nicolas Winter (Scheibenhardt) bleibt davon unbeeindruckt. Von wegen Tempovorteil Jahn mit Nandzik: Lorenzen gewinnt das Laufduell, zielt aber zu ungenau (32.). Pusch versucht’s mal aus der Distanz, aber deutlich über den Kasten (33.).

Standards ohne Wirkungstreffer

Eine Runde Freistoßübung für Kolja Pusch:

  • Jeweils aus etwa 25 Metern halbrechts: in die Arme von Keeper Oelschhlägel (35.)

  • in die Mauer – da nützt dann auch die ganze Aufregung um das vermeintliche Handspiel nichts, weil ein Bremer mit dem Ellbogen seine Nase schützt (37.).


Beste Chance bislang für die Gastgeber: Schmidt lässt das doppelte Knollchen stehen und Pentke muss allein gegen den 18-Jährigen retten (41.). Grüttner holt sich das Leder mit gutem Einsatz im 16er, wird aber abgedrängt – Abstoß (42.).

Schmeißfliegen im Winterschlaf?

Aufregendste Ereignisse in den Minuten 45 bis 59: zwei ungefährliche Ecken des Jahn und eine von Werder, je eine Gelbe für Geipl (48.) und Diagne (58.). Nach langer Kunstpause kommt Jann George mal wieder im Strafraum an die Kugel, kann sie aber nicht kontrollieren (60). Alles in allem zu wenig Scheißhausfliegen-Mentalität, um in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen! Dieser Wechsel bietet sich an: Für Alex Nandzik soll nun Marcel Hofrath über links für mehr Druck sorgen (60.).

Auch wenn nach einer Geipl-Flanke, erst Grüttner mit Birne, dann Thommy mit Seitfallzieher für Gefahr sorgen – Regensburg macht hier nicht gerade Furore, im Gegenteil. Inzwischen erspielt sich Giftgrün ein Chancenplus. Man muss kein Mane Kaltz sein, um eine torgefährliche Flanke in den Jahn-Strafraum zu bringen: Yatabaré darf sich am Elfmeterpunkt die Ecke aussuchen und bringt die Weser-Jungs mit 1:0 in Front (68.).

Erbarmen!

Herrlich muss reagieren: Er bringt mit Haris Hyseni für Sven Kopp den zweiten Stürmer und stellt auf Dreierkette mit Hein, Knoll und Hofrath um. Schmidt darf aus 20 Metern unbedrängt abziehen, vorbei (74.). Pentke muss ganz weit raus, um vor Yatabaré den Konter aufs einsame Tor zu vereiteln (79.). Diese Einwechslung hat sich schon mal gelohnt: Markus Ziereis fällt im Strafraum und bekommt den Strafstoß – Andi Geipl jagt das Ding zum 1:1 in die Maschen (84.).

Die Freude über den Ausgleich können die Gäste nicht lange genießen. Jetzt will Rot-Weiß zu viel, also das Spiel noch ganz drehen – darüber vergessen die Gäste aber die Absicherung nach hinten. Zunächst rettet Pentke noch gegen Enis Bytyqi – nach einem Freistoß aus 30 Metern ist der aber zur Stelle und zirkelt die Kugel artistisch zum 2:1 ins Netz (86.). Danach lässt sich der Jahn klassisch auskontern – Yatabaré gelingt von der Strafraumkante mit einem Strich in den Winkel die Entscheidung, 3:1 – da bleibt als Fazit nur noch das Adverb zu Erbarmen!

Hallo-Wach-Rezept

Das Momo-Liebhaber Heiko Herrlich auch anders kann, hat er in der vergangenen Saison mit seiner legendären Strafaktion bewiesen: Damals hat er den Bus zur Auswärtsfahrt gestrichen – gebracht hat’s freilich erstmal nichts. Ein Hallo-Wach-Rezept sollte der Jahn-Trainer seinen angeschlagenen Patienten dennoch schleunigst ausstellen, bevor sie erneut in eine unheilbare Depression wie im schwarzen Drittliga-Jahr 2014 abrutschen.

Nach der Länderspielpause muss der SSV Jahn am Samstag, 19. November, 14 Uhr gegen den Tabellennachbarn SV Wehen Wiesbaden (14./18) dringend Punkte sammeln.
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