1860 II heiß auf Conti-Arena
Jahn Regensburg will Spitzenplatz verteidigen

Heiko Herrlich hadert bei der 0-Nummer in Bayreuth. (Foto: Sascha Janne.)
Sport
Regensburg
23.03.2016
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Löwen-Dynastie-Urgestein Daniel Bierofka rechnet sich in Regensburg was aus.
 
In der Löwengrube bestand der Jahn schon mal.
Regensburg: Continental-Arena |

Von wegen Gratulation zum Aufstieg, wie gemunkelt wird: Mini-Löwen-Coach Daniel Bierofka hat nach sechs Spielen ohne Niederlage keinen Anlass zur Demut beim Tabellenführer SSV Jahn: „Sicherlich fahren wir nicht nach Regensburg, um die Punkte abzuliefern.“ 8000 Zuschauer plus x werden am Donnerstag, 19 Uhr, erwartet, wenn 1860 II kommt, „um hier die Bude einzureißen“, wie Jahn-Trainer Heiko Herrlich warnt.

„Wir haben nichts zu verlieren“, sagt der der 37-jährige Münchener mit der gängigen Fußballerpsychologie. Er weiß seine Jungs, die das Hinspiel noch unglücklich durch ein Eigentor von Kokocinsky (15.) mit 0:1 verloren, „auf einem guten Weg“ – wie etwa bei den 2:0-Siegen gegen den Nachwuchs von Club und Bayern. Die Löwen-Dynastie der Bierofkas übt sich in Aufgabenteilung: Vater Willi nahm die Oberpfälzer im Vorfeld unter die Lupe. Die Bilanz: „Wir werden es dem Gegner schwer machen, wir sind eine Mannschaft, die das kann.“

Ex-Löwen muss man nichts erklären

Welche Rolle könnten in diesem Planspiel die ehemaligen Jugendspieler von 1860 spielen, die für den Jahn auflaufen? Keeper Philipp Pentke, Jann George, Markus Ziereis und Andi Geipl stellen für Regensburgs Vorturner Herrlich einen Vorteil dar: „Denen muss ich nicht erklären, wie das Spiel morgen läuft – sie werden den anderen erzählen, ,die wollen hier die Bude einreißen‘.“ Das gelte es, zu unterbinden.

Eine Gemeinsamkeit teilen derzeit beide Vereine: Personell sieht‘s eher mau aus. Während Regensburg Michael Faber (Bauchmuskelriss, fällt bis Mai aus), André Luge (Muskelverletzung, steigt frühestens in vier Wochen ins Training ein), Marvin Knoll (keine Verbesserung) und Daniel Schöpf (Mittelhandbruch muss nochmal operiert werden) ersetzen muss, fehlt bei den Blauen auf alle Fälle Vize-Kapitän Felix Weber. Einige spielfreie A-Junioren sollen mit nach Regensburg reisen. Verstärkungen aus der ersten Mannschaft soll es nicht geben.

10-Tore-Karger oder ein anderer Guter

Dennoch rechnet Herrlich damit, „dass Nico Karger spielt und wenn nicht, dann spielt ein anderer Guter.“ Karger spielte zuletzt in der ersten Mannschaft, hat aber für die U23 schon zehn Tore erzielt. „Das ist eine junge, hungrige Mannschaft“, erzählt Herrlich nichts Neues von den Talentschmieden der Traditionsvereine. „Die sind sehr spielstark, wenn man sie lässt, da muss man dagegenhalten.“ Da die Junglöwen ganz wie die Senioren im Schatten der Bayern stünden, würden sie sich auf solche Spiele gegen den Tabellenersten besonders freuen.

Aber auch die Regensburger seien heiß: „Gerade auch wegen des Spiels in Burghausen, wo wir uns nicht belohnt haben.“ Man wolle ja nicht deshalb Erster werden, weil ein anderer woanders verloren habe. Das Gerüst sei jetzt ein bisschen kleiner geworden, aber die Spieler, die nun im Kader stünden, hätten in dieser Saison alle schon mal gezeigt, warum Regensburg lange ganz oben stand und wieder steht.

„Sie haben sicher auch die ein oder andere Phase gehabt, wo die Leistungskurve ein bisschen nach unten ging.“ Aber trotzdem: „Ich bin davon überzeugt, dass, egal, wer morgen am Platz steht, sie alles versuchen werden, den ersten Platz zu verteidigen und das Spiel morgen zu gewinnen.“

„Situation fast dramatisch“

Wer kommt dafür in Frage, zumal auch Haris Hyseni beim Training über eine leichte Verhärtung klagte? Ob er spielen kann, entscheide sich erst nach dem Vormittagstraining. „Die Situation ist fast dramatisch“, seufzt Herrlich. Zwar habe man genügend Leute, um die Bank zu füllen. Aber in den Wochen der Wahrheit auf die verzichten zu müssen, die gerade ihren Zenit erreichten, wie Luge oder Faber, sei fatal. Dennoch: „Ich habe immer gesagt, wir werden jeden brauchen – jetzt können die Leute zeigen, dass man sich auf sie verlassen kann.“

Einer, der das schon zeigen durfte, ist Uwe Hesse: „Es war auch bei ihm jetzt so in Bayreuth, dass er nach 75 Minuten gesagt hat“, wedelt Herrlich mit der Hand, „,Trainer, ääähh, wechseln, da muss ein frischer rein‘ – und wir haben den Jann George hereingebracht.“ Wichtig sei halt, „dass wir da wirklich arbeiten über die Seiten“.

Optionen für links außen

Hesse ist auf rechts also gesetzt. Wie ist es um den linken Flügel bestellt? „Wir haben mehrere Optionen: Haris Hyseni, Jann George, und dann haben wir natürlich auch noch Andi Jünger, der gegen Burgwedeling ... Burg …“ – „Burglengenfeld“, hilft Pressesprecher Martin Koch aus und der Trainer lacht über seine Merkschwäche bei diesem Verein – „der gegen Burglengenfeld ein sehr gutes Spiel und ein Tor gemacht und überzeugt hat.“

Marcel Hofrath könne die Position auch spielen. Und auch Fabi Trettenbach habe bereits erfolgreich getestet und könne spielen – wenn nicht als Linksaußen, so doch als Seitenlinienwalze. „Da muss man einfach schauen, wer das Training überlebt und übersteht“, grinst Herrlich.

„Man nimmt nichts mit vom letzten Spiel“

Herrlich kam mit der Botschaft, die Defensive zu stabilisieren – inwieweit ist dieser Auftrag bereits erfüllt? „Gegenpressing, in die Balleroberung kommen, schnell die Mitte schließen – das haben wir die letzten zwei Spiele sehr gut gemacht, wo wir nichts zugelassen haben“, fasst er zusammen. „Bloß das gilt es sich immer wieder zu erarbeiten, man nimmt da nichts vom letzten Spiel mit.“ Mit den erzwungenen Umstellungen gelte es, die Spieler wieder neu zu integrieren: „Die müssen genauso funktionieren in diesem System.“

Schließlich sei das nicht nur die Arbeit der Defensive, sondern von allen 11: „Gerade die Offensive, wie Haris Hyseni, Markus Ziereis oder Michi Faber, die haben brutal verteidigt.“ Dadurch hätten die Rot-Weißen die gefährlichen Situation weit vom eigenen 16er ferngehalten. „Und das müssen wir jetzt genauso tun.“

Schlechtes Effenberg-Omen?

Wenn man das am Freitag wieder so hinbringe, würde der gut gelaunte, aber etwas heisere Coach sehr vorsichtig von „einem kleinen Fortschritt“ sprechen. Kein Grund zum Übermut: „Ich bin da eher bescheiden – demütig bleiben und ruhig bleiben“, ermahnt er sich selbst.

„Hat nicht auch der Effenberg zwei Spiele gewonnen“, fragt Herrlich süffissant in die Runde, „ein Unentscheiden und dann ging die Negativphase los.“ Man möchte hoffen, dass der Championsleague-Sieger nicht unter die Wahrsager gegangen ist.
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