Bayern II und Schiedsrichter bezwingen Jahn Regensburg mit 1:0
Vorentscheidung versippelt

Man hätte ihn gerne gelobt, er hat es einem nicht leicht gemacht: Peter Sippel hatte maßgeblichen Anteil am Ausgang des Spiels. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
29.04.2016
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Jann George mit dem Kopf. (Foto: Sascha Janne)
 
Heiko Herrlich versucht sich auf Augenhöhe des Schiris zu begeben. (Foto: Sascha Janne)
 
Im Ansatz gut gemeint, Haris Hysenis Freistoß, über das Ergebnis muss man nicht reden. (Foto: Sascha Janne)
 
Und immer wieder reibt sich Jann George da vorne auf. (Foto: Sascha Janne)
München: Stadion an der Grünwalder Straße |

Es ist selten eine Ursache allein, die ein Spiel entscheidet. Schiri-Rentner Peter Sippel ist beim Regionalliga-Spitzenspiel der kleinen Bayern gegen Jahn Regensburg eine bedeutende Ursache – glatt Rot gegen einen gerade eingewechselten Jahn-Spieler nach dessen erstem Foul beim Stand von 0:1: So was ist gegen den technisch beschlagenen Talentschuppen der Roten kaum mehr zu drehen.



Die detaillierte Auseinandersetzung mit dem 48-jährigen Würzburger folgt in der Pausen-Analyse – hier nur so viel: Der Wahl-Münchener (!) galt dem Sportportal Spox.com in „dessen letzter Bundesliga-Saison 2012 als auffallend unsicher und vermittelt dabei nicht das geringste Anzeichen von Souveränität“. So sei „Sippel auch der erste Schiedsrichter, dessen Leistung in einem Bundesliga-Spiel mit der Spox-Note 6 bedacht wurde. Beim Spiel zwischen Schalke 04 und dem 1. FC Kaiserslautern am 9. Spieltag verlor Sippel zeitweilig vollständig den Überblick und sorgte mit nervöser Gestik dafür, dass ihm die ohnehin hitzige Partie komplett aus den Fugen geriet.“

Höchste Zeit für den Ruhestand

Diese Beurteilung entspricht gänzlich der Leistung, die der Unterfranke im Grünwalderstadion ablieferte: Eine kaum zu glaubende Kakophonie an Fehlentscheidungen, ungleichen Maßstäben und inkonsequentem Auftreten. Glasklare Ecken oder Freistöße verwandelt der Unparteiische in Abstöße mit Gelb für den Beschwerdeführer, ein Münchener darf im Aus mit dem Ball Kunststücke vollführen, um Zeit zu schinden, ohne auch nur ermahnt zu werden.

Und weniger Fingerspitzengefühl kann man nicht zeigen, als beim ersten rüden Foul eines Abwehrspielers – nicht von hinten, ohne dass der Gegner verletzt wird – anstatt Gelb mit deutlicher Ansage glatt Rot zu zeigen und drei Minuten vor der Pause ein Spiel auf diese Art festzuzurren. Mit den Spox-Worten: „Sippel liegt mit der Durchschnittsnote 4,3 nunmehr am Ende unserer Schiedsrichter-Tabelle. Der geplante Rückzug aus der Bundesliga scheint für ihn nicht nur deshalb gerade richtig zu kommen.“ Es ist höchste Zeit, dass der Mann ganz aus dem Verkehr gezogen wird.

Genügend Chancen für den Ausgleich

Die restlichen 50 Prozent an Ursachen für die Niederlage, darf jeder Jahn-Spieler selbst auf die Kappe nehmen – denn trotz der widrigen Umstände hatten die Regensburger genügend Chancen, um wenigstens wie im Hinspiel zum Ausgleich zu kommen – wenn man wie Uwe Hesse und Andi Geipl aus fünf Metern nicht in der Lage ist, die Kugel in den 7,32 Meter breiten Kasten zu stochern, darf man sich nicht wundern, wenn JEDER Vorsprung auch wieder versippelt werden kann.

„Ich bin zu weit weg, aus meiner Sicht hätte Gelb gereicht“, kommentiert Jahn-Trainer Heiko Herrlich die Schlüsselszene des Spiels diplomatisch. „Aber der Schiedsrichter hat’s sicherlich besser gesehen und hat auf Rot entschieden, und das war natürlich schon irgendwo ein Knackpunkt für uns, weil wir ein Mann weniger sind, gegen spielstarke, technisch starke Bayern.“ Danach habe man hinterherlaufen müssen und nicht mehr vorwärtsverteidigen können, „so wie wir uns das vorgenommen hatten“.

Bemühte Standards

„Ich denke, es war ein sehr intensives Spiel“, freut sich FCBII-Coach Heiko Vogel verhalten leise, „im Gegensatz zur Vorrunde, es war heute von der Mentalität, von den Emotionen her ein hochklassiges Spiel von beiden Seiten.“ Vogel freut sich, dass die Bemühungen Richtung Standards fruchten: „Wir haben letzte Woche gegen Ingolstadt einen Standard verwandelt zum 1:0, heute auch.“ Stimmt, dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer: „Ich hätte mir dann aber auch natürlich gewünscht, dass wir den einen oder anderen Angriff präziser oder sauberer zu Ende spielen, dann hätten wir vielleicht nicht mehr bis zum Ende zittern müssen. Das mussten wir, weil, explizit nach Standards war Regensburg immer gefährlich, das wussten wir.“ Das sahen wir nicht immer bei den Standards, den Regensburgern, aber gut.

Ein Zehntel Zuschauer

Gut 15.000 Regensburger und Münchener hatten das Hinspiel in der Continental-Arena sehen wollen, heute sind es gut 1500 – darunter rund 300 Oberpfälzer Fans. Da schau her, hat sich Fabian Trettenbach doch noch zurückgemeldet für die neuralgische rechte Abwehrseite, denkt man erst an die etwas komplizierte Krankengeschichte, die Jahn-Coach Heiko Herrlich bei der PK erläutert hatte. Es sollte anders kommen, dazu später mehr. Vor Pentke zudem in der Viererkette natürlich Markus Palionis, Ali Odabas und Alexander Nandzik – Uwe Hesse, Marc Lais, Andi Geipl und Jann George sollen immerhin zwei Stürmer füttern, selbstredend Markus Ziereis und Haris Hyseni.

Bayern glänzt mit der ersten Schusschance (1.), nachdem Odabas Steeven Ribéry nicht an der Flanke hindern kann – erst mal Verwirrung vor Pentke, dann bekommt Karl-Heinz Lappe seinen Schlappen hin, aber sein Schüsschen aus zehn Metern richtet keinen Schaden an. Erster schöner Spielzug von hinten raus über Nandzik, eine gefährliche Flanke, aber ein Bayernspieler klärt und bleibt liegen (4.).

FCBII: Frühe Auswechslung ohne Folgen

Das ist bitter für Heiko Vogel: Schon nach gut fünf Minuten muss er Philipp Steinherr aus dem Spiel nehmen und Philipp Walter aufs Feld schicken. Gelungene Jahn-Kombination über vier Stationen, aber Hyseni mit einer Kanonenkugel in den Abendhimmel (9.). Ballgewinn von Uwe Hesse, der schickt Ziereis, jener wird taktisch weggeräumt – Gelb für Matthias Strohmaier (10.). Aus dem Freistoß kann man mehr machen – Üben hin oder her.

In der ersten Viertelstunde deutet sich eine Kontertaktik des SSV nach strategischen Ballgewinnen an: Nandzik macht sich auf den Weg, sieht aber leider den besser positionierten Ziereis nicht (13.). Trettenbach vereitelt Ribérys nächste Flanke (13.). So, noch eine Flanke von Nandzik nach dessen Spurt an der rechten Außenlinie, aber Hesse schafft es, aus kürzester Distanz drei Meter danebenzuzielen – mit Abstand die beste Gelegenheit, Stand jetzt (15.).

Jahn: Frühe Auswechslung mit Folgen

Fast wie aus Heiko Herrlichs großem Pressing-Lehrbuch: Immer wieder schafft es der Tabellenführer, die Bayern früh unter Druck zu setzen, zu Fehlern zu zwingen und mit Tempo das letzte Drittel zu suchen, wo’s bislang am letzten Pass oder am zielgenauen Abschluss fehlt. Reden wir mal kurz über Herrn Sippel: Das Gelb für den auf Ribéry geeichten Lais kann man geben, aber dann muss auch Lappe den Karton sehen, der Nandzik einfach mal so ohne Ball umstößt (21.).

Muss das jetzt sein? Robin Urban macht sich warm, nach 22 Minuten schon wieder ein Neuzugang fürs Lazarett: Fabi Trettenbach war wohl doch zu optimistisch. Der erste Einsatz für die 33, Prinzip Hoffnung, dass es ein richtig guter wird. Gutes Auge von Ziereis, der George bedient – die 9 lässt sich im 16er zu weit abdrängen, der Winkel ist zu spitz, um Keeper Rößl zu bezwingen (25.). Kein schöner Anblick: Andi Geipl macht da weiter, wo er in der ersten Hälfte des Schalding-Shuffles aufgehört hatte – mit dem vermeintlich genialen Kellnerball, der den Gegner aufbaut. Momentan ist hier zentral das schwarze Loch des SSV.

Läppischer Lappe-Kopfball

Erstmals die Roten gefährlich vor dem Jahn-Tor: Die Mini-Bayern kombinieren sich Richtung Strafraum, Ribéry zieht einfach mal aus gut 20 Metern ab, Pentke lässt abklatschen, aber kein Abstauber in Sicht (33.). Odabas mit erfolgreichem Risiko – er setzt sich gegen Drei durch, man möchte nicht wissen, wozu das ansonsten geführt hätte (36.). Schönes Duett von Nandzik und Hesse rechts außen, immerhin der Freistoß aus 30 Metern und Gelb für Ribéry: Georges Halbschussflanke ohne Worte (37.).

Sie haben nicht viele Chancen, aber sie machen das Tor: Günzels Schuss aus der zweiten Reihe wird zur Ecke geblockt. Läppische Flanke von der Eckfahne auf Lappe, unbedrängter Kopfball des Kapitäns aus zehn Metern, 1:0 (38.).

Murphy’s Law

Die erste Ecke für den Jahn – ein Abbild der Bayern-Ecke? Von wegen: direkt auf den Keeper (40.). Und dann so was: Das kann ein ganz schwarzer Tag für den Spitzenreiter werden: Schiri Sippel zückt glatt Rot gegen Urban bei dessen erstem Einsatz – klar, war das ein übermotiviertes, dummes Foul gegen Milos Pantovic, aber weder von hinten noch mit Folgen für den Stürmer. Man kann ein Spiel schon auch mit außersportlichen Entscheidungen eintüten.

Was für eine Verkettung unglücklicher Zufälle: Die rätselhaften Schmerzen des Fabian Trettenbach, das scheinbare Happy-End – dann muss er doch raus und es kommt der unerfahrene Neue und verkackt mit der ersten Aktion das ganze Spiel. Das Butterbrot fällt immer auf die bestrichene Seite, besagt Murphy’s Law. Es kommt erstens schlimmer und zweitens als man denkt.

Pausentee bei Sippels

Halbzeit mit Bauchschmerzen, Zeit für einen Blick auf die auslaufende Karriere eines Schiedsrichters, der ein solches Spiel aufgrund einer Situation vorentscheidet: Bundesliga-Schiri Peter Sippel lässt nochmal so richtig die Sau raus. Dem Wahl-Münchener (!) schrieb Spox.com 2012 ins Stammbuch: „Peter Sippel, der seine Pfeife nach dieser Saison an den Nagel hängen wird, kann man einen vorzeitigen Ruhestand nur dringend empfehlen.“ Die zweite Halbzeit zeigt, wie Recht die Kollegen hatten.

Wiederanpfiff, der Jahn versucht mit Geduld und nur noch einer Spitze das Ding zu drehen. Die zweite Ecke für Regensburg: Georges Flanken nicht gerade der Horror für die Bayern, man muss froh sein, dass Nandzik den Konter unterbindet. Lais holt den Freistoß knapp vorm Strafraum – ein Trio diskutiert, George geht in den Strafraum, Hyseni schießt ins Jenseits. Na bravo, gut, dass wir drüber geredet haben (50.).

Nihilistische Bayern-Chancen

Bayern wechselt zum zweiten Mal, Niklas Dorsch für Mario Crnicky. Wieder fast aus dem Nichts: Ribéry verpasst die Flanke von halblinks nur um Zentimeter (53.). Freistoß für Bayern, weil Lais zu aufreizend vor Green stehenbleibt: Patrick Weihrauch auf Pentke (55.). Palionis schimpft wie ein Riesenrohrspatz, er muss in höchster Not per Kopf zur Ecke klären – aufs Tordach. Ribérys Eckball findet Lappe diesmal nicht (57.).

Das wird schwer in Unterzahl gegen einen technisch starken Gegner. Immerhin die dritte Ecke: Georges Ball rutscht durch Freund und Feind, Hesse, Lais … erneute Ecke – da muss jetzt auch die 9 rüber wandern, weil der’s so gut macht? Hyseni eher mit dem Befreiungskopfball (64.). Noch eine Halbchance, die Palionis neben den Kasten setzt (67.).

Läppische Mätzchen im Aus

Ich weiß nicht, ob wir schon über den Schiedsrichter gesprochen haben – der jedenfalls hat gar nichts dazu zu sagen, dass Lappe, nachdem er mit dem Ball ins Aus gelaufen ist, noch einige Mätzchen vorführen muss (70.). Sippel total: Nandzik wird so klar von hinten geschubst, dass sich Spuren ins Trikot brennen, ein klares taktisches Foul – statt Freistoß und Gelb entscheidet sich der Pensionär für den Abstoß – verspätete „Schieber“-Rufe aus dem Jahn-Fanblock.

Fünfte Ecke für Jann George – Händchen oben, zum ersten Mal richtig gefährlich, der Ball frei im Strafraum, Geipl bringt bedrängt den Ball nicht unter (77.). Nandzik kämpft sich zur vermeintlich sechsten Ecke, die nun wirklich jeder gesehen hat, außer … Sippel gibt Abstoß und Gelb gegen Nandzik, der sich beschwert (79.). Das Redaktionsteam legt sich fest: Dieser Schiedsrichter gehört in die Seniorenresidenz.

Nicht Sieger, aber Gewinner

Herrlich muss reagieren: Faber und Schöpf sollen den Bock noch umstoßen – am besten erstmal den Sippel. Denn als Ziereis die Kugel im Nachschuss einnetzt, pfeift der Schiri das Handspiel ab (83.). Ziereis und Hesse räumen das Feld. Julien Green braucht drei Minuten für den Einwurf auf Ribéry, der den Eckball bekommt – Stürmerfoul. Der Jahn sollte sich als pädagogisches Mittel vorbehalten auf Freistöße zu verzichten: einfach abgeschenkt (88.).

Noch eine Ecke für den SSV, mal zur Abwechslung von Schöpf – ins völlige Nirwana und Odabas bekommt für einen Allerweltsschubser die Gelbe. Aus die Maus. Eine Niederlage mit Ansage in der 43. Minute. „Ja, natürlich sind wir traurig, dass wir hier heute keine Punkte mitgenommen haben“, hält sich Heiko Herrlich nicht lange mit der Entscheidung des Abends auf. „Aber ich denke, das war eine sehr gute Leistung meiner Mannschaft trotz Niederlage.“ Dann wird’s poetisch: „Manchmal ist man zwar nicht Sieger, aber trotzdem Gewinner.“ Sieger der Sippel, aber Gewinner der Herzen …

Heiko Vogel drückt dem SSV die Daumen

Schließlich hätte der SSV zahlreiche Torchancen in der ersten Halbzeit aufzuweisen: „Es war eigentlich ein offener Schlagabtausch.“ Und auch in der zweiten Halbzeit trotz Unterzahl hätten die Nachtblauen immer wieder versucht, gefährlich vors gegnerische Tor zu kommen. „Die Mannschaft hat eine tolle Moral gezeigt und ich denke, wenn wir so eine Leistung in den letzten drei Saisonspielen zeigen, werden wir den ersten Platz verteidigen.“

Warum sein Team nicht immer so auftrete, will jemand von Heiko Vogel wissen: „Das ist eine noch sehr junge Mannschaft, die kann noch nicht immer so konstant ihre Leistung abrufen“, vermutet der Bayern-Jugendpsychologe. Und fügt charmant hinzu: „An dieser Stelle wünsche ich Regensburg alles Gute für die restlichen drei Spiele und dann hoffentlich für die Relegationsspiele, weil ich denke, sie stehen zu Recht da oben, wenn man die ganze Saison sieht.“

Davor steht am Freitag, 19 Uhr, wir wussten es alle, bei nur noch vier Punkten Vorsprung auf Wacker Burghausen, die Heiko-Kumpel Wörns mit seinen Augsburgern nicht stoppen konnte (2:1), erst mal der FC Memmingen – und der schaffte ähnlich wie der FC Bayern II in der Woche zuvor immerhin ein 4:2 gegen Ingolstadt. Parallel könnte in der schlechtesten aller Jahn-Welten der Konkurrent aus Oberbayern in Amberg (18.30 Uhr) bis auf einen Punkt heranrobben.
5 Kommentare
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Johannes Gründel aus Neumarkt in der Oberpfalz | 30.04.2016 | 10:59  
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Reiner Kuhn aus Hirschau | 30.04.2016 | 11:10  
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Sebastian Kowalke aus Auerbach in der Oberpfalz | 30.04.2016 | 14:41  
Jürgen Herda aus Regensburg | 30.04.2016 | 15:09  
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Der Fan aus Alteglofsheim | 02.05.2016 | 08:18  
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