Christian Brand und seine Spieler geben sich nach dem Sieg gegen Rekordmeister selbstbewusst
Jahn-Trainer: "Ich weiß, dass unsere Jungs gut sind"

Die Regensburger Fußballer haben Grund zur Freude. Schließlich kickten sie den FC Bayern mit 3:1 aus dem Stadion. Bild: Walter Baehnisch
Sport
Regensburg
04.09.2015
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Trotz zweier Weltmeister in der Startformation verlor der FC Bayern München gegen Jahn Regensburg am Donnerstagabend. Am Ende hieß es 3:1 für den Regionalligisten. Zurecht. Denn die Oberpfälzer waren über die 90 Minuten die aggressivere Mannschaft.

Neben Philipp Lahm und Xabi Alonso hatte FCB-Trainer Pep Guardiola nur noch drei Profis zur Verfügung, die ebenfalls begannen: Sebastian Rode, Sven Ullreich und Sinan Kurt. Spieler aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend komplettierten den Kader des Rekordmeisters. Der Großteil ist aktuell auf Länderspielreise. Thiago Alcántara fiel verletzungsbedingt aus. „Nichts Schlimmes“, ließ Lahm nach dem Spiel wissen.

Das Duell begann für die Bayern hoffnungsvoll. Lucas Scholl, der Sohn des Ex-Bayern-Stars Mehmet Scholl, brachte den Bundesligisten in der 31. Minute nach einem Fehler der Regensburger Abwehr in Front. Allerdings drehte der Jahn das Spiel noch in der ersten Halbzeit. Ausgerechnet Alonso, einer der beiden Weltmeister, brachte Kolja Pusch im Sechzehner zu Fall. Den fälligen Elfmeter verwandelte der Gefoulte selbst (33. Minute). Das 2:1 folgte sieben Minuten später, als Markus Ziereis sich über rechts durchsetzte und auf Jann George passte, der zur Führung traf. Zierreis, Ex-Löwe und bester Torschütze der Regensburger, sorgte nach einem guten Zusammenspiel mit Schöpf noch vor dem Halbzeitpfiff (43.) für den 3:1 Endstand.

Im zweiten Durchgang wechselten beide Trainer munter durch. Vor allem Uwe Hesse, der in der ersten Halbzeit noch auf der Bank saß, machte über die rechte Seite des SSV Jahn mächtig Dampf. Bei den Bayern gingen nach und nach Lahm, Alonso und Rode vom Platz, so dass der eigentliche Ersatztorhüter Ullreich die Bayern als Kapitän anführte.

Viele der über 15 000 Zuschauer kamen im Bayern-Trikot. Die Anhänger des FCB feuerten ihre Spieler auch kräftig an. Spätestens nach der Aufholjagd der Regensburger änderten sich die Machtverhältnisse, was die Anfeuerungsrufe betrifft. Immer wieder riefen die Jahn-Fans: „Hier regiert der SSV!“ Nach dem 3:1 war aber niemand so richtig unglücklich.

Trainer verzichtet auf Symbolik

Lahm sah das Spiel als "einen guten Test." Vor allem, weil an der Säbener Straße aktuell nur vier Profis trainieren (Sinan Kurt spielt in der zweiten Mannschaft). Von der Continental-Arena zeigte sich der Kapitän angetan. Er bezeichnete sie als „sehr schön“ und einen „Fortschritt zum alten Stadion“. Die Bayern waren letztmals im DFB-Pokal im August 2012 in Regensburg angetreten. Der Rekordmeister hatte 4:0 gesiegt. Dieses Mal gingen die Oberpfälzer als Sieger vom Platz. Kolja Pusch, der den Elfmeter zum 1:1 herausholte und verwandelte sagte nach dem Schlusspfiff: „Ich habe mir einfach den Ball geschnappt und wollte unbedingt das Tor machen.“ Vor dem Spiel habe er sich nicht viele Gedanken gemacht: „Wir wollten unsere Leistung bringen, den Zuschauern ein super Spiel bieten und Gas geben.“ Für den Regionalliga-Kicker sei es „wirklich Wahnsinn“ gewesen, gegen so erfahrene Spieler wie die beiden Weltmeister Lahm und Alonso zu spielen: „Gerade Alonso. Er spielt super Pässe und hat ein super Auge.“

Auch wenn die Bayern wegen der vielen Spieler, die mit der Nationalmannschaft auf Reisen sind, nicht in Bestbesetzung antraten, bilanzierte Jahn-Trainer Christian Brand: „Das schmälert keineswegs unsere Leistung. Ich weiß, dass unsere Jungs gut sind.“ Für die Einstimmung auf das Spiel habe er auf Symbolik und Gestik verzichtet. Die Ansage sei sehr einfach gewesen: „Wir spielen unser Spiel, jeder hat seinen Auftrag.“ Brand lobte die hohe Intensität, die der Jahn ins Spiel brachte und erklärte: „Es war ein super Test. Wir konnten alle Pferdchen an den Start schicken.“

Trikots für die Ordner

Mit dabei war auch Fabian Trettenbach nach überstandener Verletzung: „Es ist natürlich eine ganz andere Belastung, nachdem ich so lange weg war.“ Es sei ein gutes Erlebnis gewesen, mit gestandenen Profis und vor ausverkauftem Haus auf dem Platz zu stehen. Der Jahn-Spieler ließ aber noch etwas tiefer blicken: „Um ehrlich zu sein: Bei den Bayern waren drei, vier Leute aus der ersten Mannschaft dabei, der Rest waren Jugendspieler. Dass wir uns da was ausgerechnet haben, brauchen wir keinen erzählen.“

Nach dem Abpfiff dauerte es nicht lange, bis der Bayernbus abfuhr. Innerhalb einer halben Stunde waren die Stars und Nachwuchskicker weg. Das befürchtete Verkehrschaos vor dem Anpfiff blieb aus. Ein paar Fans staubten begehrte Autogramme und Selfies ab. Besonders freuen durften sich einige Ordner. Verantwortliche des FC Bayern übergaben ihnen kurz vor der Abreise Trikots der Spieler. Noch ein paar Gewinner an diesem Abend.