DFB-Pokal
Berliner Schmeicheleien in Regensburg

Jahn-Innenverteidiger Sven Kopp (rechts) hält gegen den Herthaner Genki Haraguchi voll dagegen. Der Waldecker hatte es ansonsten oft mit dem bosnischen Nationalstürmer Vedad Ibisevic zu tun. Bild: bwr
Sport
Regensburg
23.08.2016
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Das Zutrauen in die eigene Mannschaft war logischerweise nicht sehr groß: Drittliga-Aufsteiger gegen Europa-League-Qualifikant - wie sollte das schon ausgehen? Und so verzichteten die Macher der Stadionzeitschrift "Jahnzeit" darauf, auf den Termin für Runde zwei im DFB-Pokal hinzuweisen. Die gegen die Hauptstädter aus Berlin zu erreichen wäre ohnehin utopisch, meinten nicht nur sie. Und dann hätte der Jahn fast doch am 25. oder 26. Oktober die zweite Runde spielen dürfen.

Doch es blieb bei Runde eins, weil die Herthaner am Sonntag nach Elfmeterschießen mit 6:4 (1:1) das bessere Ende für sich hatten. "Aber ich muss jetzt meinem Kollegen ein großes Kompliment machen", sagte Hertha-Coach Pal Dardai. "Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft gewonnen." Heiko Herrlich, der Jahn-Trainer ist einer, dem solche Schmeicheleien eher peinlich sind. Und so gab er das Lob schnell weiter: "Meine Spieler haben einen tollen Kampf geliefert. Mir hat imponiert, wie die Mannschaft immer versucht hat, hinten rauszukommen."

Bis sechs Minuten vor dem Ende sah der Drittligist wie der Sieger aus, ehe Ex-Bayern-Profi Mitchell Weiser zum 1:1 einköpfte. Ein Geschenk. "Aber es gibt da keinen Vorwurf an irgend jemanden", nahm Kapitän Oliver Hein die Seinen in Schutz. Weiser stand nach einer Ecke total frei. Der Ausgleich war aber irgendwie verdient, weil sich die Berliner im Spielverlauf doch daran erinnert hatten, dass sie eigentlich ein Erstligist sind.

Die Jahn-Abwehr war zunehmend gut beschäftigt. Mittendrin Sven Kopp, dem der Trainer eine kleine Sonderaufgabe zugedacht hatte: Vedad Ibisevic auszuschalten. Der Hertha-Kapitän ist bosnischer Nationalspieler, hat weit mehr als 250 Erstligaspiele bestritten. "Das ist natürlich etwas ganz anderes, wenn so einer zum Kopfball hochsteigt oder in den Zweikampf geht", zog Kopp einen Vergleich zu Drittliga-Stürmern. Doch der Ex-Kicker der SpVgg SV Weiden hielt dagegen, zeigte vor seiner Familie und Freunden, die aus seinem Heimatort Waldeck (Kreis Tirschenreuth) gekommen waren, eine starke Partie. "Es war ein faires Duell zwischen uns, wir haben uns danach ganz normal die Hand gegeben." Zum Trikottausch mit Ibisevic kam's nicht. Dafür bleiben viele schöne Erinnerungen an den Pokalabend. "Das ist natürlich das Highlight in meiner bisherigen Karriere", meinte der 21-Jährige, der sich langsam im Jahn-Team festzuspielen scheint.

Am Montag erholte sich Kopp in Waldeck, am Mittwoch bei der nächsten Pokal-Aufgabe des SSV Jahn wird er fehlen. Herrlich schont seine Leute vom Sonntag. Im bayerischen Toto-Pokal geht es dann gegen den TV Aiglsbach (Kreis Kelheim). "Wir haben einen großen Kader, wir werden diese Aufgabe lösen", versprach Herrlich. So wie Kollege Dardai am Sonntag will er im Kampf David gegen Goliath nicht zittern.

Meine Spieler haben einen tollen Kampf geliefert.Jahn-Trainer Heiko Herrlich
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