Frankfurts zusammengekaufter Topkader soll gegen Regensburg ins Laufen kommen
Jahn-Kollektiv gegen individuelle FSV-Klasse

Jahn-Trainer Heiko Herrlich findet bisher immer die richtigen Mittel, um in der dritten Liga zu bestehen. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
12.08.2016
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Charakterschnauze: FSV- und Ex-St. Pauli-Trainer Roland Vrabec. (Foto: dpa)
 
In alle Himmelsrichtungen verweht: Frankfurts Ex-Spieler sowie Cheftrainer a.D. Falko Götz (2.v.r.) und Geschäftsführer Clemens Krüger (rechts) nach dem Schicksalsspiel gegen 1860. Der FSV Frankfurt war abgestiegen. (Foto: dpa)
 
Eines der vielen Talente, die Heiko Herrlich aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund kennt: Der Frankfurter Marc Heitmeier (l) im Zweikampf mit dem Darmstädter Jerome Gondorf beim Testspiel am 16. Juli zwischen dem Drittligisten FSV Frankfurt und Bundesligist SV Darmstadt 98. (Foto: dpa)
Frankfurt am Main: Volksbank-Stadion |

Die Bilanz des SSV Jahn Regensburg gegen den FSV Frankfurt ist noch schlechter als die gegen Halle: Seit 1975 gelang es den Regensburgern ein einziges Mal in einem Punktspiel die Nummer 2 der Bankenmetropole in einem Punktspiel zu schlagen – zwei Unentschieden stehen fünf Niederlagen gegenüber, zuletzt ein 1:4 am 6. April 2013 , das die letzten Zweifel am Zweitligaabstieg unter Fehlgriff Franciszek Smuda beseitigte. Mit Blick auf Halle ein gutes Omen für Samstag, 14 Uhr?


Ein Punkt aus drei Spielen, das hat sich Roland Vrabec ganz anders vorgestellt: „Ich bin nach dem Spiel sehr verärgert“, zeigt sich FSV- und Ex-St. Pauli-Trainer nach der unglücklichen 1:2-Pleite beim Mitfavorit Chemnitzer FC übelgelaunt. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, obwohl wir sehr früh in Rückstand geraten sind. Wir haben in der ersten Hälfte klar das Spiel bestimmt und uns mit dem 1:1 belohnt.“

Einen riesigen Bruch im Spiel seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit habe er erkannt. „Wir lassen uns von ein paar verlorenen Zweikämpfen beeindrucken und kommen nicht mehr ins Spiel.“ Da könnte der SSV anknüpfen. „Das ärgert mich sehr, weil es nach Erfurt das zweite Spiel hintereinander ist und da müssen wir drüber sprechen.“

Schorch fordert Erfolgserlebnis gegen Jahn

FSV-Spieler Christopher Schorch möchte deshalb „die zweite Halbzeit schnell vergessen und am Samstag gegen Regensburg im Frankfurter Volksbank Stadion das Gesicht der ersten Halbzeit zeigen.“ Fakt sei: „Wir sind mit einem Punkt nach drei Spielen nicht zufrieden. Wir haben dennoch in allen drei Spielen gemerkt, dass wir mithalten können. Wir waren gegen Erfurt und Chemnitz in der ersten Hälfte überlegen.“

Das große Manko: „Dass wir uns einfach keine hundertprozentigen Chancen herausspielen konnten. Mit einer Führung lässt es sich etwas leichter spielen.“ Jetzt brauche es einfach ein Erfolgserlebnis. „Wir haben uns im Training intensiv auf Regensburg vorbereitet und wollen mit aller Macht die drei Punkte in Frankfurt behalten.“

FSV-Chefetage: „Langer Weg“

In der Chefetage der Hessen gerät man nach dem Fehlstart noch nicht in Panik: „Wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir einen langen Weg vor uns haben“, erklärt FSV-Geschäftsführer Clemens Krüger. „Wir haben einen neuen Kader, der Zeit braucht. Ein paar Spieler haben wir nur bekommen, weil sie in den letzten Monaten und in der letzten Saison nicht häufig gespielt haben oder verletzt waren. „Der Fokus liegt ganz klar auf dem nächsten Spiel gegen Jahn Regensburg.“

Die Reaktionen aus dem Vereinsumfeld seien sehr wohltuend. „Uns und dem Team wird Zeit gegeben. Aber natürlich wollen wir so schnell wie möglich den ersten Dreier einfahren.“ Die Leistungen seien teilweise respektabel gewesen, aber noch nicht über 90 Minuten. „Das müssen wir hinbekommen.“ Das Unternehmen erster Drittliga-Dreier muss der FSV allerdings ohne Nahom Gebru (Kreuzbandriss), Leon Hammel (Oberschenkelzerrung) und Patrick Ochs (Adduktorenzerrung) angehen.

Thommys gebrochene Handspeiche

Nachdem der SSV Jahn mit der Wurstfabrik Wolf aus Schwandorf einen neuen „Classic-Partner“ gewonnen hat, geht es am Samstag in Frankfurt erst recht um die Wurst, zumal Heiko Herrlich gleich wieder eine Hiobsbotschaft zu verkünden hat: „Jetzt keine ganz schlimme, aber zumindest für das Spiel morgen wird Erik Thommy ausfallen.“ Ein Bruch der Speiche im Handgelenk, nachdem ihm ein Hallenser darauf getreten sei. „Das Handgelenk ist noch sehr geschwollen, er wird `ne Schiene bekommen.“ Ziel sei, dass er am übernächsten Sonntag gegen Berlin wieder spielen könne. „Es ist ein glatter Bruch – wichtig ist, dass es sich jetzt nicht verschiebt, sonst muss es operiert werden und dann wird er eventuell noch länger ausfallen.“

Für Erik Thommy stünden dem Jahn-Trainer verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: „Faber ist ein Außenbahnspieler, Luge ist ein Außenbahnspieler, Hesse ist ein Außenbahnspieler oder Hofrath ist ein Außenbahnspieler – Džalto kann das auch spielen.“ Er habe da zwar schon einen Favoriten im Auge, aber er werde sich das heute im Training nochmal genau anschauen, wer am besten drauf ist und wie es für Frankfurt am besten passe.

Lazarett-News

Insgesamt zeichnet sich ein schwacher Lichtschein am Verletztenhorizont ab:
Thomas Paulus ist kurzfristig in den Kader gerutscht am Mittwoch, nachdem Daniel Schöpf ausgefallen ist, so hatten wir wenigstens einen Innenverteidiger auf der Bank sitzen.“ Dort werde er auch morgen sitzen, aber mehr, als ihn 5 oder 10 Minuten kurz reinzuwerfen, sei nicht möglich.

Robin Urban werde ab nächster Woche nach Freigabe vom Mannschaftsarzt wieder voll ins Training eintreten. „Wir werden auch gleich versuchen ihn am Dienstag im Testspiel gegen die Kataris, die zurzeit da sind, über längere Zeit spielen zu lassen.“ Äh, Moment, hakt Pressesprecher Martin Koch ein, „das Spiel hat die U21“. „Ja“, kontert Herrlich trocken, „aber das werden zum größten Teil wir bestreiten.“ Okeeey.

Markus Ziereis werde am Dienstag, Mittwoch nochmal in München behandelt, aber er mache schon teilweise mit im Training „und da gehe ich auch davon aus, dass er die nächsten zwei Wochen langsam wieder einsteigt“.

Neuzugang Benedikt Saller sei noch keine Option für die Anfangself: „Durch die Situation Marvin Knoll in der Innenverteidigung, der das sehr gut macht, fehlt uns auf der 6 ein Spieler, deshalb haben wir ihn dazu geholt.“ Saller habe lange kein kontinuierliches Mannschaftstraining absolviert, habe jetzt zwei Einheiten mitgemacht, darunter ein Grundlagen-Ausdauertraining.

„Eine Basis ist vorhanden, aber er wird jetzt sicher nicht 90 Minuten marschieren können. Das würde gegen jegliche Trainingslehre sprechen, wenn einer, der jetzt nur Probetrainings irgendwo gemacht hat oder nur im Wald laufen war, dass der sofort den gleichen Fitnessstand hat wie unsere Spieler.“ Schritt für Schritt werde man ihn integrieren: „Aber trotzdem ist es möglich, dass er reinkommt und uns weiterhilft.“

Knolls neue Rolle

Die Krise als Chance und Marvin Knoll als Dauerlösung in der Innenverteidigung? „Er verteidigt brenzlige Situationen sehr gut, hat das für sich angenommen – überhaut ist es sehr gut, einen Links- und einen Rechtsfuß auf den beiden Innenverteidigungspositionen zu haben.“ Ein Dementi klingt anders. „Im Spielaufbau hat man gegen Halle gesehen, dass sie versucht haben ihn zuzustellen nach zehn Minuten, dann haben wir den Spielaufbau über Sven Kopp laufen lassen.“ Obwohl der HFC Knoll zugestellt haben habe, hätten sie das nicht verteidigt können. Der Jahn habe verschiedene Spieleröffnungen anzubieten – etwa über die 6er. „Wir haben da mehrere Lösungen und sind trotzdem gut ins letzte Drittel gekommen.“

In puncto Toba-Passarelli-Mentalität habe Markus Palionis vor dem Spiel die Mannschaft mit einer berührenden Rede gepusht: „Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, andere müssen reinwachsen – am Mittwoch haben sie es gut gemacht, morgen sind sie neu gefordert.“ Wichtig sei eine funktionierende Achse: „Bisher war das Pentke hinten im Tor, dann Palionis, dann Geipl, und vorne Pusch oder Ziereis und Grüttner – jetzt ist es halt Knoll, der die Achse mit Philipp, mit Andi Geipl und Marco Grüttner bildet.“ Den Spielern sei bewusst, dass sie die Palionis‘ Dominanz zusammen kompensieren müssten.

Bloß nicht freudig auf die Tabelle glotzen

Neun Punkte stehen auf dem Papier, aber: „Es geht ja nicht nur darum, dass wir dreimal gewonnen haben, sondern, ich denk‘ mal, bis auf eine kurze Phase in Großaspach war die Leistung in allen Spielen sehr gut, und das Ergebnis hat dementsprechend dazu gepasst.“ Der größte Fehler sei jetzt, nach dem dritten Spieltag auf die Tabelle zu schauen und sich zu freuen: „Und genauso geht’s jetzt auch in Frankfurt nicht um die Tabelle, sondern es geht um drei Punkte, die es zu vergeben gibt und wir wollen natürlich so viel wie möglich mitnehmen, das ist unser Plan.“ Erinnert an die famose Strategie eines Obelix, der sagt: „Reingehen, alle zusammenschlagen, wieder rausgehen.“

Herrlich habe den FSV Frankfurt zu den Favoriten gezählt. „Jetzt haben sie erst einen Punkt, aber ich glaube nach wie vor, dass sie am Ende im vorderen Bereich landen werden, wenn man die Einzelspieler anschaut, wenn man den Kader anschaut, da ist eine ungeheuer große spielerische Klasse vorhanden“:

Nicola Jovanovic: 33-jähriger Co-Spielertrainer aus Serbien

Patrick Ochs (verletzt), Lenker und Schalter im zentralen Mittelfeld

Massimo Ornatelli: „Den habe ich selbst kurz trainieren dürfen bei Borussia Dortmund“, erinnert Heiko Herrlich an seine erste Trainerstation beim Nachwuchs der Gelbschwarzen.

Dazu kämen ebenfalls aus der U23 der Dortmunder: Marc Heitmeier und Sören Pirson.

Zusammengefasst: „Sie haben eine unheimliche Klasse in ihrem Kader, und ich bin sicher, dass sie irgendwann auch die Ergebnisse holen – nur, ich hoff’s natürlich, wir werden versuchen das für Samstag auf jeden Fall zu verhindern und was mitzunehmen.“

FSV mit 17 Neuzugängen

Anlass, beruhigt nach Frankfurt zu fahren, gebe es deshalb nicht: „Es geht um drei Punkte, wir wollen da was möglich machen.“ Der FSV habe eine Mannschaft mit 17 Neuzugängen: „Die haben sich vielleicht noch nicht ganz so gefunden.“ Man müsse es so nehmen, wie es ist. „Man kann jetzt nicht sagen, es wäre besser gewesen, wenn sie ihr Auswärtsspiel in Chemnitz gewonnen hätten, dann wären sie vielleicht beruhigt und würden gegen uns nicht so viel Gas geben.“

Klar, angeschlagener Boxer und so fort: „Jeder Spieler von denen will zeigen, dass er zurecht da im Kader steht vom FSV Frankfurt, und ich erwarte schon, dass die alles tun werden, um ihren ersten Heimsieg zu feiern.“ Deshalb würden seine Jungs „maximal dagegen anlaufen und versuchen, das zu verhindern“. Dennoch kein Grund auf Kaninchen vor der Schlange zu machen: „Wir werden uns definitiv nicht hinten reinstellen, das ist gegen unsere Philosophie, wir werden immer versuchen, den Gegner auch zu attackieren.“ Natürlich könne es – wie in den letzten Spielen – passieren, dass man mal in den letzten 20 Minuten eine Führung hat, die es zu verteidigen gelte. Aber mehr Mauern ist nicht.

Neue Stadionwurst von Wolf

Dafür aber die Vorfreude auf die neue Stadionwurst: „Wir dürfen uns über einen neuen Partner freuen“, jubelt Jahn-Marketingleiter Philipp Hausner, „über die Wolf Firmengruppe, allen voran die Marke Wolf Gastro“. Wolf Wurst werde als führender Partner auf der dritten Sponsoringebene beim SSV Jahn einsteigen. „Man wird die Marke Wolf beim Jahn im Stadion sehen – die Stadion-Wurst wird künftig von Wolf kommen.“ Weitere Ideen für gemeinsame Projekte: „Ein Food-Truck bei Jahn-Anlässen und die Unterstützung der Jahn-Fußballschule.“

Für Matthias Weger, Marketingleiter der Wolf Firmengruppe, ist das „eine sehr emotionale Geschichte“: „Wir sind ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in der Oberpfalz in Schwandorf.“ Man engagiere sich sehr gerne hier in der Region, wo man die eigenen Wurzeln sehe. „Ich freue mich am meisten auf die Jugendcamps“, sagt Weger, „ich habe selbst einen achtjährigen Jungen, dem würde es auch gefallen, da mitzukicken.“ Beim Pokalschlager gegen Hertha BSC werde es wohl noch nichts mit der Wolf-Wurst: „Wir brauchen noch eine kleine Vorlaufzeit.“ Dafür beim nächsten Ligaspiel gegen Aalen am 27. August. Vielleicht dann schon mit Knackersemmeln?
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