FSV Zwickau im Aufsteigerduell gegen Jahn Regensburg unter Druck
Herrlich warnt: Nicht auffressen lassen

Nein, es ist nicht Klopps Brille: Der FSV Zwickau feiert nach der Relegation gegen den SV Elversberg den Aufstieg in Liga 3. (Foto: Bild: dpa)
Sport
Regensburg
19.09.2016
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Zuletzt hat es FSV-Trainer Torsten Ziegner die Stimmung ziemlich verhagelt. (Foto: Bild: dpa)
Zwickau: Stadion Zwickau |

40 Jahre ist‘s her: Wie so viele Vereine der ehemaligen DDR hat auch der FSV Zwickau (unter anderem Namen) eine internationale Karriere hingelegt. Im Europacup der Pokalsieger 1975/76 scheiterte die BSG Sachsenring erst im Halbfinale am späteren Champion RSC Anderlecht. Am Dienstag, 18.30 Uhr, geht es für die Westsachsen im Aufsteigerduell gegen Jahn Regensburg nur um den ersten Heimsieg.

Drittliga-Neuling Zwigge, wie die Stadt im Volksmund heißt, legte zunächst einen Traumstart hin: vier Punkte aus zwei Spielen (2:2 in Mainz, 3:1 in Bremen). Da konnte man August noch einen starken Mann sein lassen. Dann aber der Einbruch: ein Punkt aus fünf Spielen, 1:9 Tore – Diagnose: für Komplimente der Gegner gibt‘s den Klassenerhalt auch nicht geschenkt.

„Sonst wird es windig in Zwickau“

„Wir können uns nichts dafür kaufen, dass wir erneut für eine ordentliche Leistung gelobt werden“, schimpft deshalb FSV-Trainer Torsten Ziegner (38) nach dem unglücklichen 0:1 beim inzwischen sehr geheimen Aufstiegsfavoriten Chemnitz: „Langsam sollten wir mal wieder punkten.“ Deshalb kommt dem Thüringer ein Verein wie Regensburg, der seine Rolle in der Liga auch noch sucht, gerade recht: „Wir brauchen den Dreier, um wieder in Ruhe arbeiten zu können. Sonst wird es windig in Zwickau. Und das will keiner.“

Auch FSV-Sportchef David Wagner fordert Konsequenzen: „Wir brauchen in unserer Situation Punkte.“ Jetzt seien alle in der Pflicht. „Nicht nur die Spieler und das Trainerteam“ – fragt sich wer das sein soll: die Balljungen? Wagner sieht aber auch eine positive Entwicklung: „Die Defensive hat sich gegenüber den ersten Spielen stabilisiert. Was es braucht, ist ein Erfolgserlebnis.“ Gegen Regensburg werde man mit Schönspielerei keinen Erfolg haben. „Am Dienstag sind wir für den ersten Heimsieg fällig“, ist er sich sicher. „Jeder muss alles fürs Team reinschmeißen.“

Mentalitätstest bestanden

Den Rückenwind vom Kraftakt gegen Fortuna Köln möchte Jahn-Trainer Heiko Herrlich mit nach Sachsen nehmen. Seine Mentalitätspredigt sei offenbar auf fruchtbaren Regenboden gefallen: zweimal einen Rückstand aufgeholt, das 2:2 in letzter Sekunde. Dazu habe man die Standardsituationen allesamt sehr gut verteidigt: „Meiner Meinung nach sind die von Fortuna Köln einen Tick gefährlicher als die von Lotte.“ Und auch offensiv gefällt dem Coach der Einsatz: „Wenn ich g‘rad den Marco Grüttner seh‘, wie der arbeitet für die Mannschaft, ich denk‘ da haben wir schon Mentalität gezeigt.“

Allzu viel ändern muss Turnvater Herrlich nicht – lediglich der Torschütze und Strafstoß-Sünder fehlt: „Marc Lais hat eine starke Hüftprellung, wir werden alles versuchen ihn für Samstag im Heimpiel gegen Paderborn fit zu bekommen.“ Dafür darf Kampfschwein Oli Hein nach verbüßter Rot-Strafe zurück auf die rechte Außenverteidgerposition und lässt somit Raum für neue Mittelfeldvarianten.

Unangenehme Kampftruppe

Den Gegner hält der Championsleague-Gewinner trotz aktueller Misere für eine äußerst unangenehme Kampftruppe. „Das wird die erste Mannschaft sein, die defensiv mit einer Fünferkette gegen uns spielt, und sie sind bekannt für ihre robuste Spielweise.“ Beim Test im Januar (2:2) sei die Zweikampfführung manchmal an der Grenze des Erlaubten gewesen. „Ich gehe davon aus, dass sie vor heimischer Kulisse unbedingt ein Zeichen setzen wollen und uns auch in unserer Mentalität wieder fordern werden – ob wir bereit sind, da gegenzuhalten und uns da nicht auffressen lassen.“

Zwickau habe einen guten Start erwischt, in den letzten fünf Spielen allerdings nur einen Punkt geholt: „Sie stehen jetzt mächtig unter Druck, wie ein Boxer an der Wand, wo man aufpassen muss, dass er uns nicht durch so einen Befreiungsschlag arg zusetzen möchte.“

Fast Platz 1, aber noch nicht ganz in Liga 3

Wir kennen das ja, kein vernunftbegabter Sportsmann macht den übernächsten vor dem nächsten Schritt. Insofern möchte Herrlich die Gegner noch nicht nach aktueller Tabellenlage taxieren: „Unser Start mit 11 Punkten in sieben Spielen ist nicht so schlecht – aber stellen Sie sich vor, wir hätten in Lotte gewonnen, ist ja nicht so abwegig, dann hätten wir 14 Punkte und wären Erster – dann würde hier der eine oder andere am Rad drehen.“ In der Realität aber sei man immer noch nicht ganz in Liga 3 angekommen: „Sonst gibst du ein Spiel wie in Lotte nicht aus der Hand – nicht so. Durch einen einfachen Standard kriegst du das 2:1, da haben wir viel Lehrgeld bezahlt.“

Was der SSV Jahn entgegen aller Unkenrufe allerdings gezeigt habe: „Der Kader ist stark genug, ich denke, dass die Mannschaft das bewiesen hat, dass sie mithalten kann – diese Frage ist beantwortet.“ Wie jedes Jahr sei die Dritte Liga auch heuer wieder eine sehr homogene Veranstaltung: „Wasserstandsmeldungen interessieren nicht bis zum 35. Spieltag.“ Und das Beispiel Würzburg habe gezeigt, wie eng es immer zugehe: „Die hatten in der Winterpause einen Vierpunkte-Abstand zum Abstiegsplatz.“ Und deshalb empfiehlt der Verfasser der „Acht Fußball-Gebote“: „Wir müssen Punkte sammeln ohne Ende.“

Wer die Fahrt zum städtischen Stadion der gut 90.000-Einwohner-Stadt nicht antreten will, kann eine TV-Konferenzschaltung zwischen den Spielen der Ostvereine auf MDR mitverfolgen.
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