Gegen Ingolstadt II muss Regensburg liefern
Jahn-Sinne sehr geschärft

Christian Brand schlägt neue Töne an. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
13.11.2015
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Christian Brand schlägt neue Töne an. Bilder: Herda
 
Vom Torschützen zum Erfolgstrainer: Stefan Leitl jubelt im Ingolstädter Audi-Park nach seinem Treffer zum 1:1 gegen Regensburg.

Wer es die Woche über ein wenig verdrängen konnte, muss sich jetzt stellen. Es ist leider wahr: Das 0:4 in Aschaffenburg war nicht nur ein böser Traum. Jahn Regensburg muss am Sonntag, 14 Uhr, gegen Ingolstadt II. (7./26 Punkte), einiges bieten, um diese Peinlichkeit vergessen zu machen. Trainer Christian Brand schärft schon mal mit klarer Ansage die Jahn-Sinne: „Wir wollen aufsteigen, und ich finde, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das anzusagen – das ist für alle ein Zeichen.“

Ein gemütlicher Dienstagabend im Juli war schon das Hinspiel nicht: Der Tabellenführer tat sich schwer mit den jungen Wilden des Erstligisten. Und es dauerte bis zur Nachspielzeit, ehe Daniel Schöpf mit einem Doppelschlag (92./94.) das Spiel entschied. „Gegen Regensburg sind es immer spannende Spiele“, erinnert Stefan Leitl, Coach der Ingolstädter U23, „auch im Hinspiel hatten wir gute Chancen, die Partie für uns zu entscheiden – auch wenn durch einen späten Elfmeter gegen uns zum 1:3 das Ergebnis deutlicher ausfiel als der Spielverlauf war.“

„Wir werden liefern“

Der ehemalige Schanzer-Profi war bei den aus Regensburger Sicht bitteren Zweitliga-Vergleichen 2012/2013 (4:2, 2:1) noch selbst Akteur. „Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen Unterhaching freuen wir uns besonders auf dieses Donauderby“, möchte Leitl an zuvor vier Auswärtsspiele ohne Niederlage anknüpfen – zuletzt 3:0 in Aschaffenburg und jeweils 0:0 in Burghausen und bei den Bayern ... „Wir wollen unsere gute Form der letzten Zeit bestätigen und in Regensburg mit der Unterstützung unserer Fans etwas mitnehmen", so der Ex-Kapitän der Schanzer.

Wie bitte?, wird da Christian Brand hellhörig. Nach der Pein in Unterfranken „ist es ganz klar, wir müssen liefern und wir werden liefern. Es wird für Ingolstadt am Sonntag sehr schwer, hier etwas zu holen, weil wir volles Rohr gehen werden.“ Das mit dem vollen Rohr galt aber auch schon für Aschaffenburg – wollen wir offen, dass es inzwischen repariert wurde. Denn damit die Klatsche beim Aufsteiger aus dem Tabellenkeller ein singuläres Ereignis bleibt, haben während der Woche einige daran erinnert, wo in Regensburg Rohre zu hängen haben: Zunächst skandierten unmittelbar nach Abpfiff einige Fans erstmals „Brand raus“ – dann forderte Clubchef Hans Rothammer eine Reaktion von Mannschaft und Trainer.

„Richtig, richtig schlechter Auftritt“

Und schließlich schlägt auch Christian Brand selbst weniger leise Töne an: „Klar, die Fans sind unzufrieden“, möchte er die Raus-Rufe nicht kommentieren, „aber nicht nur die Fans, auch wir intern, ich als Trainer, das Trainerteam, wir als Verein – wir sind vor allem extrem unzufrieden gewesen mit unserer Leistung gegen Aschaffenburg.“ Ein „richtig, richtig schlechter Auftritt“ sei das gewesen. „Als Spitzenreiter darf man sich so einen Auftritt wie in Aschaffenburg überhaupt nicht leisten.“ Das habe er der Mannschaft auch sehr deutlich klargemacht. „Wir haben das aufgearbeitet, abgehakt, jetzt schauen wir wieder nach vorne zum nächsten Spiel gegen Ingolstadt.“

Doch einfach wieder nur einen Haken hinters Spiel? Ganz so einfach scheint es diesmal nicht zu sein. „Die Sinne sind sehr geschärft“, beschreibt er die Alarmstimmung in der Mannschaft. „Sie waren sicherlich auch ein Stück weit überrascht, dass sowas passieren kann.“ Auch wenn er sich als Trainer bereits einen Wolf gewarnt habe, mit dem vergeblichen Appell: „Passt auf, jeder Gegner ist total gefährlich, man kann immer wieder Punkte liegenlassen.“

Jahn will nicht Vierter werden

Was den Spielern bewusst werden müsse und auch sei: „Wir sind Tabellenführer, wir wollen aufsteigen, das ist das Ziel – und das kann ich an dieser Stelle auch ganz klar sagen, weil das ist so, ja, und dann muss man sich einfach anders präsentieren.“ Wenn man hier bei Jahn Regensburg spiele, dürfe man sich solche Spiele wie in Aschaffenburg überhaupt nicht leisten. „Das geht einfach nicht. Und ich glaube, das haben die Spieler im Training gezeigt, sie haben es auch außerhalb des Platzes gezeigt und sie haben es auch verstanden.“ Weiter um den heißen Aufstiegsbrei herumzureden halte Brand nicht mehr für zweckmäßig. „Ich glaube, alles andere macht ja keinen Sinn. Wir sind Tabellenführer seit 18 Spieltagen und wenn ich jetzt erzähle, wir wollen Vierter werden, fff, das ist ja Blödsinn.“

Die Botschaft, „wir wollen aufsteigen“, sei „für alle ein Zeichen“. Und lenkt vielleicht auch etwas davon ab, dass man sich ratlos fragt: „Wie kann es sein, dass der Spitzenreiter nun schon seit Monaten mit zwei verschieden Gesichtern auftritt? Zuhause mitunter begeisternd, auswärts wie ein Schatten seiner selbst. „Wir müssen die Geschichte offensiv angehen. Wir haben eine gute Mannschaft, wir haben hier das Umfeld und klar, wir müssen viele Dinge verbessern, um das zu schaffen“, pfeift Brand in den Wald.

Froh über Alternativen

Gegen die spielstarken Ingolstädter kann der Trainer auf ein paar mehr Alternativen zurückgreifen als zuletzt – schon weil Thomas Kurz nach verbüßter Gelb-Rotsperre zurück im Team ist. „Ich bin über den Zustand, dass wir eher ein paar mehr Spieler auf einer Position haben, doch recht froh.“ Denkbar sei das Szenario, wenn Marc Lais nicht rechtzeitig fit wird, dann kann der Markus Palionis auf der 6 spielen.“ Sollte Kolja Pusch fit sein bis Sonntag, „wird er auch spielen“.

Etwas wacklig ist die Nominierung von Markus Ziereis und Marc Lais. „Momentan fehlt ihnen die 100-prozentige Fitness, aber im Moment sieht es so aus, als könnten sie spielen.“ Beide hätten wegen Rückenproblemen das Training reduziert. Sicher nicht mit dabei: „Oli Hein brennt darauf zurückzukommen, aber im Moment hat er noch Schmerzen.“ Und schließlich gelte es, Jann George „wieder ranzubringen“. Gegen Aschaffenburg habe er von Beginn an gespielt und zuvor am 6. September gegen 1860. „Bis dahin hatte er eine super Phase“, hofft Brand auf sein Comeback. „Letzte Woche hätte ich ihn auch, wenn er vier Tore geschossen hätte, nach 45 Minuten vom Feld genommen, weil er einfach noch nicht so weit ist für 90 Minuten.“

Mit den ganz einfachen Dingen im Vorteil

Dass bei Ingolstadt Top-Torjäger Sammy Ammari ausfällt, interessiert Brand so wenig, wie die Tatsache, dass erneut ein Spiel von Verfolger Bayern II verlegt wird – wegen Abstellungen für die Nationalmannschaft: „Können die machen, wie sie wollen.“ Sein Fokus liegt vielmehr auf Fehlereduzierung und Spieloptimierung: „Die Tore, die wir gegen Aschaffenburg bekommen haben, waren individuelle Fehler, viermal, die ich so von der Mannschaft in dieser Saison noch nicht gesehen habe.“

Das Verständnis dafür, dass man die ganz einfachen Dinge gut machen müsse, möchte er wieder wecken: „Fußball ist so, wenn ich Ballannahme, Zweikampfverhalten, Laufbereitschaft, wenn ich das reinbringe, dann bin ich schon mal auf dem richtigen Weg, und dann ist eine Manschaft wie unsere sicherlich gegenüber anderen Mannschaften im Vorteil.“ Aber das müsse man bringen: „Und wenn wir das nicht bringen, dann passiert so etwas wie in Aschaffenburg.“

Man möchte sich nicht ausmalen, was ist, wenn so etwas auch erstmals in der Conti-Arena geschieht. Immerhin: Der Platz sei trotz der zwei Spiele unter der Woche in gutem Zustand. Daran wird es schon mal nicht scheitern.