Gegen Schweinfurt soll kein Stau die Euphorie dämpfen
Jahn-Coach will den Flow

Jahn-Coach Christian Brand feuert seine Jungs in der Hitzepause getgen Aschaffenburg an: Thomas Kurz könnte nach dem Ausfall von Basti Nachreiner eine tragende Rolle in der Defensive spielen. Bilder: Herda/dpa
Sport
Regensburg
31.07.2015
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Jahn-Coach Christian Brand feuert seine Jungs in der Hitzepause getgen Aschaffenburg an: Thomas Kurz könnte nach dem Ausfall von Basti Nachreiner eine tragende Rolle in der Defensive spielen. Bilder: Herda/dpa

Lang, lang ist‘s her. Ein alter Bekannter aus den guten alten Regionalliga-Zeiten kehrt nach Regensburg zurück. Die Bilanz gegen den FC Schweinfurt ist fast ausgeglichen. Drei Siege für den SSV Jahn, zwei Niederlagen, ein Unentschieden. Am Freitag, 19 Uhr, sind die Rollen verteilt: Der Tabellenführer (9 Punkte) will gegen den Sechsten (4 Punkte) die weiße Weste wahren.

Es gibt keinen Grund zur Hochmut. Sicher, Rot-Weiß konnte die letzten Jahre auf manche frühere Konkurrenz aus der Perspektive zwischen Dritter und Zweiter Liga herabblicken. Doch alte Konkurrenten wie Würzburg zogen inzwischen sogar vorbei. Und deren unterfränkischer Krisennachbar aus Schweinfurt hat sich erholt. Nach Insolvenz ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum 2005 arbeitete sich der Verein von der Landesliga wieder bis in die vierthöchste Klasse hoch – und spielt dort mit robustem, zweikampfbetonten Modus die Rolle des unangenehmen Favoritenschrecks.

Gerd Klaus: „Jahn keine Übermannschaft“

Insofern ist FC-Chefcoach Gerd Klaus, Meister-Trainer in der Bayernliga Nord, nicht bange vor dem Wiedersehen: „Der Jahn ist keine Übermannschaft, und wir wollen versuchen, für sie ein kleiner Stolperstein auf dem Weg zur Meisterschaft zu sein.“ Die Feststellung ist keineswegs dreist, sondern lediglich realistisch, nachdem, was, der 44-Jährige bisher von Regensburg gesehen hat: glückliche Arbeitssiege in den letzten Minuten und eine anfällige Abwehr.

Dennoch, der Franke aus der Dynastie der Klausen (Bruder von Fred Klaus, Trainer FC Augsburg U19, und Onkel von Felix Klaus, Hannover 96) weiß natürlich, dass nach dem famosen 5:1-Auftakt gegen Nürnberg, dem kleinlauten 0:2 in Aschaffenburg und dem mittelmäßigen 1:1 in Ingolstadt ein Sieg in der Oberpfalz kein Selbstläufer wird. „Natürlich ist das ein sehr guter Gegner, die haben sehr viel Qualität, viele erfahrene Spieler, die höherklassig gespielt haben. Alles andere als die Meisterschaft wäre ein Wunder.“

Fataler Fallout

Personell kann Klaus, der seine Spieler-Karriere beim Teeverein aus Vestenbergsgreuth begann, aus dem Vollen schöpfen. Anders als der Jahn, der schon wieder auf Sebastian Nachreiner verzichten muss: Ein Jahr nach dem fatalen Fallout gegen Unterhaching hat‘s den Ex-Kapitän schon wieder übel erwischt, diesmal im Training: ein angerissenes Außenband sowie stark angerissenes vorderes Kreuzband im linken Knie lassen eine lange Zwangspause befürchten. Da auch Thomas Paulus noch nicht einsatzbereit ist, ist die ohnehin nicht sattelfeste Abwehr Baustelle Nummer 1 für Trainer Christian Brand: „Das ist ein extremer Verlust, Basti fällt bis Januar, Februar aus.“

Die Hiobsbotschaft habe die Stimmung in der Mannschaft ziemlich getrübt, zumal mit Fabian Trettenbach, Daniel Schöpf und André Luge weitere Hoffnungsträger fehlen. Brand übt sich deshalb in Planspielen – eine mögliche Defensivvariante: „Thomas Kurz hat‘s gegen Unterhaching gut gemacht, auch gegen die arabische Auswahl, wenngleich das kein richtig guter Maßstab war. Oli Hein könnte ins Mittelfeld rücken, Markus Palionis in die Viererkette und Martin Tiefenbrunner aus der U23 ins Team.“

Keine Gefangenen

Den FC Schweinfurt konnte Brand in Ingostadt beobachten: „Das ist ein unbequemer Gegner, der mit Gerd Klaus einen alten Fuchs auf der Trainerbank hat.“ Robust seien die Unterfranken, wie überhaupt die gesunde Physis der teilnehmenden Akteure ein Sinnbild der Liga sei. „Das ist eine typische Regionalligamannschaft, die hauen dazwischen und werden uns Leben schwer machen.“ Dennoch könne es gegen eine Mannschaft, „die keine Gefangenen macht“, nur eine Zielsetzung geben: die vierten drei Punkte in Serie. „Ich glaube, dass wir zu Hause dahin kommen müssen, eine totale Macht zu werden.“ Mit Dynamik nach vorne, soll der Jahn das Spiel domineiren, „bevor der Gegner merkt, was los ist“.

Dass die kleinen Bayern mit den China-Rückkehrern gleich im ersten Spiel gegen Illertissen zwei Federn lassen mussten, lässt den Jahn-Coach demonstrativ kalt: „Es würde nicht für unser Selbstvertrauen sprechen, wenn ich mich über jeden Punkt, den Bayern abgibt, freue.“ Die Konstellation sei, wie er mehrfach zuvor prophezeit hat, nicht einfach für den roten Nachwuchs „mit so vielen Spielen, die sie nachholen müssen“.

Fans geben Gas

Deshalb gelte, nur auf die eigene Stärke schauen – mit den Sieg um Sieg besser gelaunten Zuschauern im Rücken: „Ich habe in der Video-Analyse von Haching Szenen gezeigt, wie unsere Fans da Gas gegeben haben.“ Denn, man glaubt es kaum: „Siege sind megawichtig für die gesamte Stimmung.“ Deshalb wünscht sich Christian Brand für die erhofften 6000 Zuschauer – darunter etwa 200 Gäste – eine „Gesamteuphorie“: „Ich möchte, dass wir in einen Flow geraten, der vieles möglich macht.“ Zumal er glaube, „dass noch nicht die ganze Qualität abgerufen wurde“.

Damit die Fans aber flüssig in den Flow fließen können, bittet Pressesprecher Till Müller nach den Stauerfahrungen der ersten Testspiele in der neuen Arena um Mithilfe der Besucher: „Kauft bitte die Tickets im Vorverkauf bis kurz vorm Spiel online, dann muss man sich nicht in langen Schlangen anstellen.“ Wer nicht wertvolle Spielminuten bei der Parkplatzsuche vergeuden möchte, solle die RVV-Tickets in Anspruch nehmen, die bis Schwandorf gelten.

„Wo ist Schwandorf?“, fragt da der Jahn-Trainer nach und bekommt Heimatunterricht bei der Pressekonferenz: „42 Kilometer nördlich an der A93.“ - „Wow, das ist ein richtiger Marathon“, bemerkt Brand richtig. Aus Weiden schon ein veritabler Doppelmarathon mit Auslaufen.