Generalprobe für Jahn Regensburgs A2-Mannschaft gegen Nürnberg II
Balanceakt vor der Relegation

Zurückhaltende Meisterfeier: Trainer Heiko Herrlich (in Blau) und seine Spieler wissen: Das große Ziel 3. Liga muss erst noch erkämpft werden.
Sport
Regensburg
20.05.2016
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Cluc-Trainer auf Abruf: Trotz guter Ergebnisse muss Roger Prinzen nach der Saison den Hut nehmen. (Foto: dpa)
 
Jubel beim Warmschießen gegen Memmingen. Markus Ziereis läuft zur Hochform auf, die in Wolfsburg entscheidend sein könnte.
Regensburg: Continental-Arena |

Die Großen haben schon mal einen guten Job gemacht: Mit dem 1:1 in Frankfurt sicherte sich der Club eine gute Ausgangsposition für den Wiederaufstieg in die Bundesliga, auch wenn sich Torwart Raphael Schäfer und Trainer René Weiler mit ihren Aussagen zum krebskranken Marco Russ nicht mit Ruhm bekleckerten. Für die U21 der Nürnberger hätte es am Samstag, 14 Uhr, noch um die Meisterschaft gehen können – doch durch das 0:1 in Aschaffenburg vor 14 Tagen brachten sich die Franken selbst um das Finale. So muss jetzt vor allem der SSV Jahn den richtigen Mittelweg finden zwischen Schonung für die Relegation und Spannung halten.

Wer meint, das „bedeutungslose“ Schaulaufen von Regionalliga-Meister Jahn Regensburg gegen den lange Zeit härtesten Verfolger, die U21 des 1. FC Nürnberg, würde die Oberpfalz kalt lassen, sieht sich getäuscht: Mit bis zu 8000 Zuschauern rechnet der Verein für die Feinsjustierung vorm mit Spannung erwarteten Alles-oder-Nichts Duell in und gegen Wolfsburg. Garniert wir der Nachmittag mit der Übergabe der Meisterschale und der Ehrung des Spielers der Saison.

Die Einstimmung auf den Aufstiegskampf zur Liga 3 zeigt Wirkung: Bereits am ersten Tag des Kartenvorverkaufs für das entscheidende Rückspiel am nächsten Sonntag, 29. Mai, 14 Uhr, setzte der SSV 8000 Karten ab: „Viele Blöcke sind bereits zu“, appelliert Pressesprecher Martin Koch an die Fans, sich schnell am besten online mit Tickets zu versorgen. „Die Westtribüne ist fast ausverkauft, auf der Nordtribüne gibt es, stand jetzt, noch einiges.“

Herrlicher Dank an Brand

„Ich möchte Christian Brand für die Vorrunde danken“, zieht Heiko Herrlich den Hut vor seinem Vorgänger, „er hat immerhin 40 Punkte dazu beigetragen und nach seiner Entlassung hat er noch zwei Spiele weitergemacht – ich denke, das ist in der Geschichte des Profifußballs einmalig.“ Große Worte, die man möglicherweise falsifizieren könnte. Aber die Geste zählt, Hut ab. Vielleicht ist es eher in der Geschichte des Profifußballs einmalig, dass der Krisenmanager den Satz „the winner takes it all“ relativiert und sich die Meisterschaft nicht allein auf die Jahn-Fahne schreibt.

Die genannten Zuschauerzahlen zeugten vom Potenzial in Regensburg: „Das war ein Grund, warum ich mich gefreut habe, dass sich der Jahn im Dezember für mich entschieden hat“, sagt der Meistertrainer. „Du hast hier Fans, die sich begeistern lassen. Das wollen wir mit Leistung zurückzahlen.“ Die Meisterfeier habe sich bisher auf ein gemeinsames Abendessen beschränkt, für alle stünde die Relegation im Vordergrund. „Jeder weiß, dass wir ein Etappenziel erreicht haben, aber noch ein größeres Ziel erreichen wollen – da gilt’s jetzt alles zu mobilisieren.“

Jahn-Boxer will keine Watschen

Zum Spiel gegen den Konkurrenten, „der uns lange gejagt hat“, passe das Bild eines Boxers, der nach Punkten führt und sich nicht nochmal ins Gesicht schlagen lassen möchte. „K.o. gehen können wir nicht mehr, wir sind Meister, aber wir wollen uns auch da nicht nochmal treffen lassen, sondern zeigen, dass wir zu Recht Meister geworden sind.“ Wäre die Konstellation eingetreten, dass der Jahn als Zweiter die Relegationsspiele bestreiten hätte dürfen, weil Nürnberg nicht aufsteigen will, hätte ihm das Bauchschmerzen bereitet. „Deshalb wollen wir Nürnberg schlagen.“

Trotzdem gebe es die angekündigten Wechsel, um die Spieler, die lange verletzt gewesen seien, zu schonen: „Oli Hein zum Beispiel, der hat letzte Woche vor dem Fürth-Spiel drei Tage am Training nicht teilnehmen können wegen Leistenproblemen, dem werden wir sicher eine Pause geben.“ Dafür spielt Fabian Trettenbach, der genauso zu dem maßgeblichen Erfolg in Burghausen beigetragen habe wie Marcel Hofrath auf der linken Seite. Details, wer nun genau spiele, wolle Herrlich noch nicht verraten: „Da muss ich ein richtiges Maß finden, zwischen dem einen Erholung geben und dem anderen, dass er im Rhythmus bleibt – und wir werden morgen eine sehr gute Mannschaft am Platz haben mit Spielern, die das auch wirklich verdient haben, das letzte Spiel zu machen vor eigenem Publikum.“

Maskenmann könnte auflaufen

Es wäre geradezu fahrlässig dumm, am Samstag Spieler auflaufen zu lassen, die am Mittwoch sieben Stunden nach Wolfsburg führen, am Donnerstag sieben Stunden zurück – „und dann sind die am Sonntag im zweiten Relegationsspiel spätestens nach 30, 40 Minuten so im roten Bereich, dass nichts mehr kommt“. Auf der anderen Seite könne man Leute wie Fabi Trettenbach, der muskuläre Probleme gehabt habe, so wieder auf Spannung bringen, damit, falls Oli Hein ausfalle, er „einfach warm fahre“.

Auch Marvin Knoll und Marcel Hofrath wolle Herrlich „hochfahren“ wie einen Rechner, dessen Arbeitsspeicher stottere. Jann George habe einen Schlag bekommen und deshalb erst am Freitag wieder am Training teilnehmen können. „Macht es Sinn, den zu verheizen, wenn ich den Marcel Hofrath habe?“ Sogar ein Test mit Maske von Andi Geipl stehe im Raum …

Keine Sorgen über Leihspieler aus der Ersten

Nürnberg, eine gute Generalprobe: „Eine Mannschaft, die dieses Jahr ihre Ergebnisse absolut geliefert hat – das Hinspiel ging 3:1 verloren, dann haben sie beide Spiele gegen Bayern München gewonnen und beide Spiele gegen Burghausen – Punkte haben sie eher gegen die Kleinen gelassen.“ Sie hätten Spieler in ihren Reihen, die überdurchschnittlich talentiert sind – Philipp Hercher, der in 15 Spielen 10 Tore gemacht hat, einen Hattrick gegen Greuther-Fürth.

Ob Spieler aus der ersten Mannschaft auch am Samstag wieder eine Rolle spielen, wie bei der Verlegung auf Dienstag beim Hinspiel? „Das muss ja nicht immer ein Vorteil sein“, meint Herrlich, „unsere zweite Mannschaft hat auch nicht immer gewonnen, wenn wir Spieler abgestellt haben nach unten.“ Dort müsse man ja auch schauen, die Klasse zu halten. Herrlich geht davon aus, dass schon wegen des Relegationsrückspiels der ersten Mannschaft, das doch eine größere Bedeutung haben dürfte als ein Spiel um die silberne Regionalliga-Pfirsich in Regensburg, kein wichtiger Profi von oben dazu komme – außer eben Philipp Hercher als Wanderer zwischen den Welten.

Die Lehre von der allumfassenden Abwehrarbeit

Trotz der Lehre des nimmer endenden Marathonlaufs eine Zwischenbilanz – bittere und schöne Momente seit der Winterpause? Buchbach zähle dabei sicher zu den Tiefpunkten, wo man sich gegen eine aggressive Mannschaft nichts erspielen habe können. „Das war so ein Punkt, wo ich mir gedacht habe, ja, da müssen wir jetzt nochmal zwei, drei Schritte zurückgehen und die Reihenfolge klar festlegen – Fußball ist immer noch ein Kampfspiel als allererstes, bevor es ein technisches und ein taktisches Spiel ist.“ Da habe er schon ein wenig Bauchschmerzen gehabt, aber die Mannschaft habe eine gute Reaktion gezeigt.

In der Summe sei das Ziel gewesen, die 27 Gegentore bei 21 Spielen zu reduzieren: „Da hat die Mannschaft super mitgezogen. Wir haben jetzt 12 Spiele gemacht in der Rückrunde und haben nur acht Gegentore bekommen – das ist jetzt nicht überragend, das ist auch nicht sehr gut, aber das ist gut.“ Da gebe es noch viel zu optimieren in Zukunft. „Aber das wird auch die Basis für das Spiel morgen wieder sein und für das Relegationsspiel.“ Die Abwehrarbeit gelte für zehn Feldspieler, da sei keiner ausgeklammert. „Die Verteidiger im Spielaufbau, die Mittelfeldspieler im Positionsspiel, die Stürmer, um den letzten Abschluss zu finden.“
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