Gründungsmitglied Jahn Regensburg verabschiedet sich
Ade, 3. Liga

Nach dem Abstieg die Abrissbirne. Aus für das Stadion an der Prüfeninger Straße. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
15.07.2015
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Schon der Sturz aus der Zweiten Liga tat weh. Doch mit nur wenig Mitteln war dieser Titel nur schwer zu halten. In der Dritten Liga aber sollte Jahn Regensburg gut mithalten können. Es kam anders. Nach zwei Jahren war auch hier Schluss. Das Jahr, das mit einem deprimierenden letzten Platz endete, im Überblick.

Club-Boss Hans Rothammer hat sich einen würdigen Abschied aus dem Stadion gewünscht, in dem seit 1926 Männer in Knickerbockern eine boxsackschwere braune Lederkudern über Grasbüscheln jagten. 89 Jahre lang, wie passend zu einem Verein, der 1889 gegründet wurde. Der Nachmittag taugt nicht zum harmonischen Kindergeburtstag, aber auch nicht zur Revolte. Farbenfrohes Feuerwerk wechselt mit beklatschten Spruchbändern – ironischer Protest und Bekenntnis zum Verein in Einem.

Die Zeche für die Pyro-Show zahlt der Verein. Stadionsprecher Christian Sauerer ist nicht zu beneiden. Er versucht mit gewohnt souveräner Balance zwischen Verständnis und Interessenwahrung die Stimmung zu schaukeln. „Wir haben die 83. Minute, das bedeutet nichts anderes, als dass in sieben Minuten das Spiel aus ist – wir bitten euch, klettert nicht über die Zäune, lasst das Stadion ganz, reißt nicht den Boden raus. Wir bitten euch inständig, es kostet dem SSV nur Geld.“

„Ihr habt doch Geld!“

Die Reaktion der Fans: „Ihr habt doch Geld!“ Gelächter. Schließlich argumentiert die Clubführung bei allen pro-Keller-Bekenntnissen seit Monaten mit dessen Geschick im Umgang mit Sponsoren. Dazu passen die Transparente: „Keller & Brand, never change a winning Team – euer Realitätsverlust macht uns Angst.“ Viel Applaus dafür. Dennoch, die Stimmung bleibt ambivalent.

Beißender Witz statt hitzige Aggression. Und dieses Postulat klingt denn dann auch eher nach Adorno als nach Ultras: „Die einzige kontinuierliche Klubentwicklung ist die Distanz zur Basis“ – freundlicher Applaus dafür. Sauerers Appell zeigt Wirkung. Brav bleiben die Fans nach dem Abpfiff auf ihren Plätzen, um auf der viel zu kleinen Leinwand zu klassischen Klängen Luftbilder einer Drohne zu bestaunen.

Wie ätzte Lenin? „Wenn deutsche Revolutionäre einen Bahnhof stürmen, lösen sie vorher eine Bahnsteigkarte.“ Als sich die Gitter öffnen, stürmt ein zorniger junger Mann von der Gegengerade Richtung Kabineneingang. Ein langer Weg. Bestaunt von Familienvätern und ihren Kindern läuft er im Slalom und stoppt an der Brust eines Security-Schranks. Rund um die beiden Senfgläser in Litfaßsäulenformat formieren sich rund 100 dieser angry young men: „Ihr macht den Verein kaputt, ihr Wixxer …“

Ratlos

Dann stehen sie da. Etwas ratlos. Hin und wieder hebt einer die Faust, „Keller raus“, die anderen stimmen ein, „ihr macht den Verein kaputt, ihr Wixxer …“, Fäuste im Rhythmus, Warten auf Keller oder Rothammer oder Godot, wer weiß das schon. Die Wachleute glotzen zurück. Königs, Hein und Lorenzy schlüpfen durch. Von der Tribüne neugierige Blicke. Die Konfrontation entfällt mangels Gegner. Die Menge löst sich langsam auf. Picknick im Grünen. Einpacken, abräumen.