Heiko Herrlich über die Jahn-Komponenten für eine Pokalüberraschung gegen Hertha BSC
„Innenpfosten rein oder Innenpfosten raus“

Einziges Erfolgserlebnis gegen Neapel: Herthas neuer Kapitän Vedad Ibisevic bejubelt seinen Treffer zum 1:0. (Foto: dpa)
Sport
Regensburg
19.08.2016
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Au Backe, gegen Neapel gab’s für Hertha und Trainer Pal Dardai ganz schön was auf dieselbe. (Foto: dpa)
 
Jahn-Trainer Heiko Herrlich lässt sich von Pal Dardais überschwänglicher Lobeshymne nicht beeindrucken. (Foto: Sascha Janne)
Regensburg: Continental-Arena |

„Uns erwartet eine Mannschaft, die kompromisslos in jeden Zweikampf gehen und leidenschaftlich kämpfen wird“, beschreibt Hertha-Trainer Pal Dardai den DFB-Pokalgegner am Sonntag, 18.30 Uhr. „Jahn Regensburg ist als Aufsteiger nach vier Spieltagen Tabellenführer, noch ungeschlagen.“ SSV-Coach Heiko Herrlich reagiert mit Humor auf die Hymne: „„Die Favoritenrolle nehmen wir gerne an – wir haben es schon immer gewusst, dass wir in die Erste Liga gehören und haben uns auf die Schulter geklopft.“

Dardai hat allen Grund seine angeschlagenen Hauptstädter wachzurütteln: „Unser Gegner geht mit viel Euphorie in die Partie, darauf müssen wir uns einstellen. Unsere Aufgabe ist es, von der ersten Minute an zu zeigen, dass nur wir als Gewinner vom Platz gehen können.“ Die Körpersprache müsse stimmen, der absolute Wille erkennbar sein. „Am Ende zählt nur das Weiterkommen – und das müssen wir zeigen!“

Herthas Angst vorm totalen Fehlstart

Europa League gegen Außenseiter Bröndby Kopenhagen vermasselt, Generalprobe gegen Neapel mit 1:4 in den Sand gesetzt – Hertha BSC Berlin steht vor der ersten Pokalrunde unter gehörigem Druck. Trainer Fuchs Pal Dardai lobt nicht zuletzt deshalb Drittligist Jahn Regensburg über den grünen Klee. Nach einer kleinen Palastrevolte – Dardai ersetzte den gemütlichen Schweizer Kapitän Fabian Lustenberger durch den aggressiven Führungsspieler Vedad Ibisevic – warnt auch der 32-jährige Bosnier: „Die erste Pokal-Runde ist immer gefährlich“, sagt Ibisevic. Am Sonntag zähle nur eins: Hauptsache weiter. „Egal wie …“

Dass Dardai den Jahn durch den Heimbonus gar im Vorteil sieht, nimmt Spitzenreiterschmied Heiko Herrlich mit Humor. „Jetzt sind wir mal gespannt, wie Hertha hier die Überraschung klarmachen will, um als Sieger nach Hause zu fahren“, bringt er Pressesprecher Martin Koch mit Ironie fast etwas aus dem Konzept. Jetzt aber mal im Ernst bitte! Na gut. Hertha habe letzte Saison eine hervorragende Runde gespielt, sei in die Euro-League-Quali gekommen, leider gegen Bröndby ausgeschieden: „Da ist man Fan einer deutschen Mannschaft, wir hätten uns gefreut, wenn sie es geschafft hätten.“ Aber auch dieses Spiel hätte für Berlin ausgehen können: „Ich habe mir die beiden Spiele angeguckt, habe sie analysiert.“

Jedes Jahr wieder: Hoffen auf das Finale „dahem“

Vorteil Jahn, der schon im Liga-Betrieb ist? „Sie haben letzte Woche ein Spiel gegen den SSC Neapel gehabt, einem Championsleague-Teilnehmer, ein Freundschaftsspiel zu Hause als letzten Test vor dem Pokalspiel hier.“ Daran kann man schon erkennen, wo sich der Verein eigentlich sehe, mit wem er sich messen möchte. „Ich glaube, dass die Mannschaft von Hertha hellwach sein wird, denn jetzt wollen sie sich natürlich auf die Meisterschaft und den Pokal konzentrieren.“ Seit Jahren sei es so, dass es Hertha nicht schaffe, mal im eigenen Stadion ein Endspiel zu spielen. „Sie versuchen es in jedem Jahr wieder, und ich denke, dass sie das Spiel 100 Prozent seriös angehen.“

Und wo steht der Jahn? „Wir haben es geschafft in die Dritte Liga aufzusteigen“, sagt Herrlich. Die Mannschaft habe es sich mit der Regionalliga-Meisterschaft verdient, in der DFB-Hauptrunde zu starten. „Da ist eine brutale Qualität morgen auf dem Platz und unsere Jungs freuen sich zu schauen, wo die stehen, wo wir stehen.“ Es sei ein Pokalspiel, es gehe um Ausscheiden oder Weiterkommen, um Leben oder Sterben als Mannschaft in diesem Wettbewerb. „Wir machen keine Kampfansage, das ist Quatsch, weil Hertha absolut Favorit ist.“ Aber: „Wir sehen’s auch nicht olympisch, nach dem Motto, dabei sein ist alles.“ Man versuche, solange wie möglich am Leben zu bleiben, solange wie möglich den Kopf über Wasser zu halten.
100 Prozent, wenn nicht 105 oder 110

Was kann der Trainer mit seiner Pokal-Erfahrung der Mannschaft vermitteln? „Ich wusste immer, wie schwer so Spiele sind“, sagt Herrlich. „Ich bin ja auch als Championsleague-Gewinner gegen Eintracht Trier damals ausgeschieden, als deutscher Meister mit Dortmund gegen Wattenscheid 09.“ Er wisse, wie Mannschaften über sich hinauswachsen, wie schwer sie einem das Leben machen könnten, gerade wenn sie als Mannschaften aufträten. „Das hat unsere Mannschaft in den bisherigen spielen immer ganz toll gezeigt.“

Und natürlich sei es gegen Berlin wichtig, wenn man eine kleine Chance haben wolle, „dass alle 100 Prozent erreichen, dass sie 105, 110 Prozent in die Waagschale werfen“. Dann müsse man noch hoffen, dass bei Hertha der ein oder andere nicht an diese beschworenen 100 Prozent rankomme. „Und dann muss noch Glück dazu kommen, Innenpfosten rein oder Innenpfosten raus, das sind die Komponenten, die zusammenkommen müssen.“

Konterspieler mit Bewegungsschnelligkeit

Wie könnte der Masterplan für das Sensatiönchen gegen eine Mannschaft aussehen, die als einzige in der einen gemeinsamen Zweitligasaison den Jahn im eigenen Stadion so richtig an die Wand gespielt hat? „Es wird wahrscheinlich so kommen, dass wir öfters in die Defensive gedrängt werden“, könnte sich Herrlich vorstellen. „Einfach, weil Hertha über eine sehr gute Spielanlage verfügt und über sehr gute Einzelspieler und technisch auch einfach über wahnsinnige Möglichkeiten.“ Dadurch sei es zwangsläufig klar, dass wir öfter in der Defensive sind und über Konter zu der ein oder anderen Chance kommen können.“

Ja, natürlich seien da die Spieler im Kader gefragt, die durch ihre reine Bewegungsschnelligkeit auffielen. Stichwort Eric Thommy. „Er hat die Woche mit Carbon-Schiene trainiert, hat keine Probleme, kann damit auflaufen.“ Aber es gehe auch darum, im Kopf schnell umzuschalten nach der – hoffentlichen – Balleroberung. „Und da sind alle Spieler gefragt, schnell die Situation zu erfassen und schnell in die Tiefe zu spielen.“ Das sei sicherlich eine Möglichkeit, zum Erfolg zu kommen.

Noch Restkarten zu haben

Dürfen die Zuschauer im erwartet vollen Haus auf eine Entspannung im Personalbereich hoffen? Für Erik Thommy steht die Ampel bereits auf Grün. Thomas Paulus sitzt weiter als Back-up für die Innenverteidigung auf der Bank – zusammen mit Neuzugang Benedikt Saller. „Markus Ziereis ist seit Donnerstag wieder voll im Mannschaftstraining, wird aber noch nicht zum Kader gehören.“ Robin Urban darf sich noch einmal in der U21 beweisen. Für die restliche Aufstellung dürfte ein Blick auf die Startformation von Frankfurt helfen.

11.500 Karten sind bereits verkauft, rund 1200 Berliner haben sich angekündigt. „Es gibt noch in allen Bereichen Restkarten“, sagt Pressesprecher Martin Koch, „wahrscheinlich auch noch am Sonntag vor dem Spiel.“ Um lange Wartezeiten vor den Kassen zu vermeiden, rät er allerdings dazu, so schnell wie möglich zuzuschlagen. Am besten online, da geht‘s am Schnellsten.
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