„Heute im Stadion“ live aus Bayreuth
Jahn kann sich keinen Ausrutscher leisten

Tobias, nicht Walter Ulbricht brachte die SpVgg im Hinspiel mit 1:0 (26.) in Front.
Sport
Regensburg
18.03.2016
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SpVgg-Coach Christoph Starke ist nach der bisher starken Rückrunde zuversichtlich. (Foto: dpa)
Bayreuth: Hans-Walter-Wild-Stadion |

Das ist das Schöne an der Regionalliga: Jahn Regensburg (2./46 Punkte) ist wieder wer. Anders als in Rostock oder Dresden wird man in Bayreuth (7./35) noch mit allen fußballerischen Ehren empfangen: Der Altstädter Fanblock wandert am Samstag, 14 Uhr, auf die Tribüne, um die Heimmannschaft besser anfeuern zu können. Und sogar „Heute im Stadion“ (Bayern 1) ist beim Derby live dabei.

„Je besser die Stimmung, desto geiler für die Mannschaft“, freut sich SpVgg-Coach Christoph Starke. „Das kann uns auf jeden Fall ein paar Prozentpunkte geben.“ Der Franken-Trainer (kam aus Bamberg) kann nach dem 2:0-Sieg beim FC Ingolstadt 04 II der Begegnung gelassen entgegenblicken: „Das war ein richtig gutes Auswärtsspiel. Die Mannschaft ist taktisch sehr diszipliniert aufgetreten, man hat ihr angemerkt, dass sie unbedingt gewinnen wollte.“

Spaßbremsen mit Ratschen

Dementsprechend selbstbewusst stellt sich der Tabellen-Siebte nach drei Siegen in der Rückrunde – einer davon bei Bayern München II – dem Duell gegen den Zweiten. „Wir wollen an die Leistung in Ingolstadt anknüpfen und unsere kleine Serie ausbauen.“ Und wer an die fränkisch-Oberpfälzer Begegnungen der letzten Jahrzehnte denkt, wird die Gelb-Schwarzen vor allem alles Spaßbremsen in Erinnerung haben – mäßig belustigt von dem Wagnerianer mit seiner Ratschen auf der Tribüne, der bei Heimtor den Ring der Nibelungen verblassen lässt.

Entsprechend respektvoll nähert sich Heiko Herrlich dem Thema: „Mit Bayreuth spielen wir bei einer Mannschaft, die eine sehr gute Bilanz in der Rückrunde hat, taktisch sehr diszipliniert spielt gegen den Ball, sehr kompakt steht, wo‘s nicht leicht sein wird, Tormöglichkeiten sich zu erspielen – eine sehr große Aufgabe.“ Die SpVgg habe eine sehr gute Mannschaft mit guten Einzelspielern wie Anton Makarenko.

Sie können es

Eitel Sonnenschein bei nahenden Frühlingstemperaturen kann man im Trainingslager der Regensburger dennoch erwarten. „Die Spieler haben das Lob angenommen“, formuliert SSV-Coach Herrlich zurückhaltend. Denn: „Wir wissen alle, dass es das noch nicht gewesen sein kann.“ Das Niveau weiter hochhalten, lautet der Appell. Der Stimmungsumschwung ist zum Greifen. Denn nach Illertissen gilt: „Es war einfach wichtig für die Mannschaft zu sehen, dass sie es können und dass sie so eine Mannschaft auch dominieren können.“

Keine Selbstverständlichkeit, nachdem Herrlich mit seinem neuen Team in der Vorbereitung nicht unbedingt die Ergebnisse einfuhr, „die wir uns vorgestellt haben“. Der Druck im ersten Spiel war groß, viele Spieler nervös. Kein Wunder: „Eine Mannschaft, die schon einmal 12 Punkte Vorsprung hatte, die das praktisch komplett hergeschenkt hat – damit muss man erstmal umgehen.“

Rezept gegen die Auswärtsphobie

Jetzt heißt es umgekehrt, nicht gleich wieder abheben: Die Mannschaft wisse, „und darauf habe ich am Montag und Dienstag immer wieder hingewiesen, dass man jetzt nicht satt sein darf, sondern dass die Gier weiter bestehen bleiben muss“.

Schwierige Aufgaben stünden bevor: „Wir können uns keinen Ausrutscher leisten.“
Nachdem es in der Vorrunde die Auswärtsspiele waren, die zu der Negativbilanz führten, sei dieses dritte Spiel unter Herrlich richtungsweisend. Ein Erklärungsansatz für die rätselhafte Auswärtsschwäche: „Weil man vielleicht auswärts micht mehr bereit war, die 100 Prozent abzurufen“, vermutet der Trainer. Jetzt aber habe er wieder das Gefühl, „dass die Jungs sehr gierig sind und unbedingt wollen“.

Zweite Garde der Stammspieler

Gerade auch die Spieler der derzeit zweiten Garde, würden, wenn sie eingewechselt werden, „zeigen, dass sie eigentlich Stammspieler“ sind. Auch wenn man mit Marc Lais (Blinddarm-Op) und André Luge (Muskelfaserriss ) zwei Leistungsträger ersetzen müsse, ist Herrlich überzeugt, „dass wir einen breiten Kader haben und verletzte Spieler kompensieren können“.

Obwohl der Trainer mit der unveränderten Startformation der vergangenen beiden Spiele sehr zufrieden ist, würde er diese noch keineswegs als Stammelf bezeichnen: „Ich bin davon überzeugt, dass Spieler wie Hesse, Hofrath, Kurz oder Trettenbach auch fähig sind, sich in die Mannschaft zu integrieren und ihre Leistung sofort abzurufen … Jann George habe ich vergessen.“ Herrlich verfolge sehr genau die Trainingsleistungen, „inwieweit die hungrig bleiben und da auch bereit sind, gegen den Ball zu arbeiten“.

Achtung, Fußballerkrankheit

Bisher machten das alle sehr gut. Aber Achtung: „Das ist ja immer die Fußballerkrankheit, wenn man dann mal ein bisschen Erfolg hatte und eine gute Leistung gebracht hat in der Offensive, dass man dann meint, die Reihenfolge zu missachten und sich nur noch auf die Offensive konzentriert und nicht mehr bereit ist, im Mannschaftsverbund mitzuarbeiten, mitzuhelfen gegen den Ball.“ Gegen Augsburg und Illertissen sei das der Schlüssel zum Erfolg gewesen.

Vor allem die Steigerung gegen die Schwaben war signifikant: „Da haben wir hinten so gut wie nichts zugelassen, weil wir vorne so gut gerabeitet haben, dass es gar nicht so weit gekommen ist.“ Das sei die Basis auch gegen Bayreuth. „Wir müssen schauen, dass wir nach Ballverlust sofort das Zentrum schließen.“ Das Umschaltspiel der Oberfranken sei sehr gut: „Da müssen wir wirklich gucken, weil da kombinieren sie schnell durch, sie haben keinen echten Stoßstürmer, da müssen wir gewappnet sein.“

Dass am 3. April beim Gastspiel im fußballverrückten Dorf Buchbach die möglichen Gegner für die Relegationsspiele zur Dritten Liga ausgelost werden, lässt den Mannheimer Fußballlehrer dagegen kalt. Sein Mantra: „Ich habe das für mich beiseite geschoben, der ganze Fokus ist auf dem Bayreuth-Spiel, da liegt die Wahrheit – und das versuche ich auch der Mannschaft zu vermitteln.“
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