Jahn dreht das Spiel in den letzten 5 Minuten
Keine Offenbarung gegen Augsburg II

Marc Lais kam, köpfte und jubelte: Sein 3:2 in der 90. Minute lässt den Jahn weiter auf den Aufstieg hoffen. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
27.02.2016
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Philipp Pentke kann's nicht glauben, wie leicht sich seine Vorderleute ausspielen lassen.
 
Kapitän Markus Palionis (3. von links) mit kleiner Wutrede nach dem 0:1.
 
Haris' Drehschuss zum Ausgleich.

Heiko Herrlich hatte ja so Recht – „Das Spiel wird vielleicht erst hinten raus in der zweiten Hälfte entschieden“: Marc Lais köpft das schmeichelhafte 3:2 für Jahn Regensburg in der 90. Minute. Zuvor gab die U23 des FC Augsburg zwei Führungen aus der Hand.

Auch in einem anderen Punkt hatte der neue Jahn-Trainer einen guten Riecher, als er vor den „drei brandgefährlichen Stürmern – Julian Günther-Schmidt, Erik Thommy und Albion Vrenezi“ warnte – letzterer brachte die Elf von Christian Wörns mit 1:0 in Front. „Das wird eine richtig schwierige Aufgabe, da darf man sich nicht von der Tabelle blenden lassen“, hatte Herrlich geunkt. Und die Schwaben blieben über die gesamte Spielzeit der erwartet unangenehme Gegner.

Wörns enttäuscht, Herrlich überglücklich

Gut nachvollziehbar, dass Ex-Nationalspieler Wörns nach dem Spiel bedient war: „Wenn du dann 2:1 führst, willst du natürlich auch gewinnen und von daher bin ich heute sehr enttäuscht.“ Vor dem Endergebnis, mit dem bis kurz vor Schluss wohl kaum einer der 4262 Zuschauer rechnete, hatte sein Team „ein gutes Spiel abgeliefert“. Mit der Spielentwicklung nach dem Ausgleich konnte der Mannheimer gleichwohl nicht zufrieden sein, „weil wir uns weit hinten rein drücken ließen“.

Sein Kumpel aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten sieht zunächst das Positive: „Ich bin überglücklich, dass wir gleich das erste Heimspiel mit drei Punkten starten.“ Die ersten 25 Minuten seien klar an Augsburg gegangen. „Meine Mannschaft war sehr nervös, man hat ihr das angemerkt.“ Die Erwartungshaltung sei hier sehr hoch: „Damit konnte der eine oder andere Spieler nicht umgehen.“ Insofern hätten seine Jungs bis zum Gegentreffer „keine gute Spielanlage“ gezeigt. Erst nach dem 0:1 hatte er das Gefühl, „dass von meiner Mannschaft eine Riesenlast abfällt, und sie dann frei aufgespielt hat“.

Die Mühen der Jahn-Ebene

Die erste Ecke für die Gastgeber schon nach wenigen Augenblicken: Kolja Pusch von links mit viel Effet in den Strafraum – Hyseni springt zu kurz. Nach dem engagierten Auftakt ist erst mal Augsburg an der Reihe. Der Siegeswillen der Oberpfälzer macht sich in der Folge eher beim überharten Einsteigen bemerkbar – Schiri Florian Kornblum nimmt sich die Sportskameraden Andi Geipl und Kolja Pusch zur Brust, der Thommy in aussichtsreicher Position legt.

Auf seiner linken Außenverteidigerseite hat der von Chemnitz gekommene Alexander Nandzik seine liebe Mühe mit dem quirligen Vrenezi, der immer wieder ungestört in die Mitte steuert. Und drei Jahn-Verteidiger begleiten Günther-Schmidt in den Strafraum – der fällt, aber nur die Ecke bekommt (13.). Vrenezi schnappt sich den zweiten Ball, zieht aus gut 20 Metern ab, und die Kugel bongt vom Innenpfosten in den Kasten des ungläubigen Philipp Pentke – der Jahn-Keeper starrt den Ball an, als könnte er ihn aus dem Tor hypnotisieren. Nützt nichts, kein unverdientes 0:1 (14.).

Komplett verunsichert

Schon wieder kommt der FCA über rechts, den Pass verfehlt einer knapp. Von dem herrlichen befreiten Gefühl, das der Trainer ausmacht, ist wenig zu sehen – Rot-Weiß wirkt komplett verunsichert. Zwar macht der Jahn-Sturm in der Vorwärtsbewegung viel Wind, das Bemühen ist zu sehen – doch alle Versuche wirken plan- und kopflos. Man wurstelt sich irgendwie in den Strafraum durch: Kapitän Markus Palionis bekommt einen Eckball auf den Kopf und lupft die Kugel aus zehn Metern so sachte nach vorne, dass ihn FCA-Keeper Yannik Oettl in Zeitlupe pflücken kann (19.).

Aus einem erneuten Gewühl heraus macht es dann Haris Hyseni besser: Faber ist rechts gestartet, seinen verunglückten Pass holt sich Ziereis im Nachfassen, behauptet das Gerät gegen die dicht gestaffelte Abwehr, legt für den Kollegen auf, der aus 11 Metern die Lücke findet: 1:1 (23.). Das scheint der überfällige Türöffner zu sein: Oli Hein zieht es immer öfter in den 16er, doch seine hochkomplizierte Querlage ist viel zu lange unterwegs.

Jahn verpasst in der Druckphase die Führung

Besser macht’s der agile Hein kurz darauf: Seinen Pass köpft Ziereis aus 3 Metern in Öttls Arme (33.). Immerhin, der Ball bleibt in den Regensburger Reihen: Erst generiert ein Freistoß die Ecke, dann zielt Geipl aus 20 Metern knapp drüber – und schließlich versucht sich auch Pusch mit einem überhasteten Distanzschuss und knallt weit drüber.

Wie sagt Heiko Herrlich später in der PK: „Diese Druckphase hätten wir nutzen müssen, um in Führung zu gehen.“ Der Jahn verpasst in den Minuten vor dem Pausenpfiff die Führung, die das Leben in der Zweiten Hälfte einfacher gemacht hätte.

Fleißbildchen, aber selten zielführend

Zwei auffällige Figuren zu Beginn von Halbzeit 2: Oli Hein und Andi Luge versuchen sich mit Gewalt über rechts eine Schneise in den Strafraum zu bahnen – der erste Doppelpass misslingt, dann bedient Hein Luge erneut, der zirkelt die Kugel auf Hyseni, knapp vorbei (48.). Das verdient alles Fleißbildchen, was die beiden hier fabrizieren, ist aber selten zielführend: Wieder findet Hein Luge, und dessen Schuss kann gar nicht aufs Tor, so blockiert wie es hier ist (56.).

Nach einer Stunde wird es Zeit für neue Impulse: Jann George darf für Faber aufs Feld. Unterm Strich muss man zugeben – auch wenn der Jahn bis hierher mehr vom Spiel hat, bleibt die Jugendtruppe aus der Friedensstadt das gefährlichere Team. Schon wieder Vrenezi auf dem Weg zum nächsten Konter, lässt den Ball durchlaufen, der Schuss vom 16er wird zur Ecke abgeblockt (62.).

Parker sorgt für Verwirrung

Dem Jahn fällt jetzt kaum mehr ein, als den Ball lang in den 16er zu bugsieren und es dort mit Verzweiflungsschüssen zu versuchen – ob Hein, Luge oder Palionis, immer ist ein Fuß, ein Bein, ein Arsch dazwischen (64.) Ein Flankenversuch des Kapitäns von der Mittellinie direkt zum Abstoß – sorry, so kann kein Spielfluss entstehen (68.). Ein Mann sorgt für Verwirrung: Erst darf Shawn Parker, die Nummer 7, die das Trikot mit der 6 trägt, nicht für den Gelb verwarnten Efkan Bekiroglu aufs Feld. Kaum hat er vom Schiri die Erlaubnis, läuft er zum Konter, ist eigentlich schon gestellt, findet aber noch die Lücke für den Drehschuss zum 1:2 (77.) – das kann man auch besser verteidigen, meine Herren.

Oli Hein gibt das Zeichen zum Schlussspurt: Er tankt sich rechts durch, knallt die Kugel knapp übers Dreieck (78.). Jetzt ist die Zeit des „offenen Visiers“ (Herrlich) angebrochen. Augsburgs eingewechselter Arif Ekin sieht, dass Pentke zu weit vor seinem Tor steht, versucht‘s mit einem Lupfer aus 40 Metern, der knapp hinterm Kasten herunterkommt (80.).

„Uwe, Uwe“-Rufe

Das Publikum wird unruhig, „Uwe, Uwe“-Rufe auf der Tribüne. Warum sitzen die Platzhirschen der Hinrunde überhaupt noch auf der Bank? Der Semmelblonde darf zehn Minuten vor Schluss für Luge aufs Feld (81.) und der Trainer erklärt’s so: „Aus den Eindrücken seit dem 11. Januar und der überragenden Leistung unseres Gegners vergangene Woche habe ich eben heute so entschieden.“

• „Marcel Hofrath hat nicht die komplette Vorbereitung mitgemacht. Das ist ein wichtiger Spieler für uns, der muss wieder in die Verfassung kommen, die ihn stark gemacht hat in der Vorrunde.“
• „Auch die Spieler, die heute nicht in der Anfangsformation standen, die werden wir alle noch brauchen. Ich habe mich heute für elf Spieler entschieden und nicht gegen andere, die ich draußen gelassen habe.“

Hesse ist auf der rechten Seite gleich sehr präsent. Für Erleichterung sorgt aber erst mal ein anderer: Ein Zufallsball in den 16er, Haris Hyseni schnappt sich die Kugel und dreht sie aus 12 Metern ins lange Eck (85.) – was ist das für ein kaltschnäuziger Typ? „Haris ist jetzt nicht unbedingt Trainingsweltmeister“, sagt sein Trainer über den Doppeltorschützen, „da muss er an sich arbeiten – aber ich denke, dass heute jeder gesehen hat, wo er seine Qualitäten hat: Er macht zwei Tore selbst und holt den Freistoß vor dem 3:2.“

Herrlich umarmt und geherzt

Apropos: Den besagten Freistoß aus 25 Metern halblinks serviert Hein und der eingewechselte Marc Lais bringt seinen Kopf an die Kugel – Herrlich kommentiert: „Ich möchte nur daran erinnern, Marc Lais hat am Anfang auch eine durchwachsene Vorbereitung gespielt, ist immer besser geworden, kommt rein und macht noch das Tor.“ 3:2 in der Nachspielzeit, bitterer geht’s nicht für die Gäste, die nach 93 Minuten und dem Schlusspfiff desillusioniert auf dem kühlen Gras liegen.

Heiko Herrlich aber umarmt und herzt auf seinem Weg von den neu positionierten Trainerbänken auf der Gegengeraden bis zu den Katakomben, alles, was nicht bei 3 auf der Tribüne ist. Der erste Dreier ist eingefahren, auch wenn das Spiel des Tabellenzweiten (43 Punkte) keine Offenbarung war. Die erkannten Fehler in der Abwehr sind längst nicht behoben, ein Kombinationsspiel war kaum zu erkennen.

Am kommenden Samstag, 5. März, 14 Uhr, wird’s beim Oberpfalzderby in Amberg um einiges kniffliger, den Abstand auf Tabellenführer Burghausen (44 Punkte/2:0 in Schalding-Heining) nicht größer werden zu lassen und Platz 2 gegen die Verfolger Nürnberg (40/4:2 gegen Bayreuth) und Illertissen (36/5:1 in Aschaffenburg) zu verteidigen – letztere sind dann am Freitag, 11. März, 19 Uhr, zu Gast in der Conti-Arena.
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