Jahn empfängt am Samstag, 14 Uhr, einen weiteren Geheimfavoriten
Schädlich fordert ersten Chemnitzer Sieg

Jahn-Trainer Thomas Stratos erwartet Heim-Dominanz gegen nervöse Chemnitzer. Bild: Herda
Sport
Regensburg
16.08.2013
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Jahn-Trainer Thomas Stratos erwartet Heim-Dominanz gegen nervöse Chemnitzer. Bild: Herda
 
Die Jahn-Fans warten sehnlichst auf den ersten Heimsieg seit dem 3:0 gegen St. Pauli im Herbst 2012.

„Sowohl wir als auch Regensburg können mit dem Saisonstart alles andere als zufrieden sein“, fordert Gäste-Trainer Gerd Schädlich den ersten Saisonsieg des noch sehr geheimen Aufstiegsfavoriten Chemnitzer FC. „Wir werden uns auf eine spielerisch sehr gute Mannschaft einstellen.“ Wie der SSV seine erste Niederlage in Duisburg verarbeitet hat, erläutert vor dem Heimspiel Jahn-Coach Thomas Stratos im Interview.

Herr Stratos, Sie fuhren guten Mutes nach Duisburg, um dort das Spiel selbst in die Hände oder Füße zu nehmen – es war trotz früher Führung wohl eher umgekehrt. War der MSV so stark oder haben Ihre Leute den Plan ungenügend umgesetzt?

Stratos: Nun ja, wir haben schon versucht, von Anfang an zu attackieren. Wenn man nach zwei Minuten das erste Tor macht, kann man nicht alles verkehrt gemacht haben. Aber es stimmt, wir haben danach nicht mehr genauso weitergemacht, sondern hauptsächlich verteidigt. Ich habe mit den Jungs das Spiel noch einmal auf Video angesehen. Der Druck des MSV war gar nicht so groß. Die Jungs haben vor der Kulisse mit 15.000 Zuschauern eher das Gefühl gehabt, der Gegner wäre ständig marschiert.

Also, ehrlich gesagt, hatte ich dann auch etwas den verengten Blick der Spieler und beim Zuschauen den Eindruck, dass der MSV doch recht dominant auftrat ...

Stratos: Tatsache ist aber, dass die auch nur zwei oder drei klare Chancen herausgespielt haben. Wir waren nicht mutig genug, einfach so weiterzuspielen. Dazu kommt, dass wir fünf Minuten vor Spielbeginn alles umwerfen mussten, weil wir den Oli Hein ersetzen mussten. Ich bin dennoch mit den Jungs insgesamt nicht unzufrieden. Wir können jetzt nicht erwarten, nur weil der Jahn ein Zweitliga-Absteiger ist, dass wir jedes Spiel gewinnen. Duisburg oder auch Chemnitz haben einen Zweitligakader – unser nächster Gegner hat das dritthöchste Budget der Liga. Wir haben viele Spieler, die gerade mal vierte Liga gespielt haben.

Mit Verlaub, aber nicht wenige unserer Jungs haben Zweite Liga gespielt und waren Stammkräfte in der Aufstiegssaison – Oli Hein, Sebastian Nachreiner, Mario Neunaber, Thomas Kurz, Patrick Haag, Jimmy Müller, Abdenour Amachaibou …

Stratos: Sicher, für einen Teil trifft das zu, für den anderen eben noch nicht. Und auch von ersteren waren nur wenige Stammkräfte. Ich finde, wir haben eine Mannschaft, die harmoniert. Es fehlt momentan nur das kleine Quentchen und einer, der sagt, ruhig bleiben, weiterspielen.

Wer sollte das Ihrer Ansicht nach übernehmen?

Stratos: Grundsätzlich muss jeder in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen. Einige aber sind dafür besonders prädestiniert: Oli Hein und Dimitrios Anastasopoulos im Mittelfeld, Sebastian Nachreiner und Mario Neunaber in der Abwehr, Abdenour Amachaibou im Sturm – die müssen das in die Hand nehmen.

Hat man in so einer Situation, wenn Angriff auf Angriff folgt, überhaupt noch die Möglichkeit einzugreifen?

Stratos: Ich habe viel gedreht, früh, schon in der 35. Minute gewechselt. Das Problem war, dass wir uns ab der Mitte der ersten Halbzeit stabilisiert haben, und dann fällt kurz vor der Pause das 1:1. Das war natürlich bitter und unnötig.

Hat Ihnen die zweite Halbzeit besser gefallen?

Stratos: Da haben wir es auch nicht viel besser gemacht. Der Gegner machte auf, aber wir haben nicht attackiert und unsere Chancen nicht genutzt. Die hatten drei klare Chancen, auf der anderen Seite hätte Benni Schmidt zweimal aus sieben Metern ein Tor machen können. Zum Schluss hat die individuelle Klasse der Duisburg Spieler den kleinen Unterschied ausgemacht. Meine Jungs sind auf einem sehr guten Weg, wir waren dran, Mannschaften wie Duisburg und Heidenheim zu schlagen. Da hat ein kleines Bisschen gefehlt. Bei den ersten beiden Spielen haben wir kritisiert, dass die Mannschaft nicht von Anfang da war. Gegen Berlin und Duisburg haben wir gut begonnen – jetzt fehlt nur noch die Cleverness, cool zu bleiben und keine Tore zu kassieren.

Hört sich gut an, aber wie setzt man das um, cool zu bleiben?

Stratos: Indem man aus den bisherigen Spielen lernt. Wir haben uns angeschaut, welche Möglichkeiten sich uns geboten haben. Das haben sie im Spiel gar nicht erkannt. Die Gelassenheit und Lockerheit war weg. Sie müssen an sich glauben, durchatmen, sich auch nach Rückschlägen klar machen, noch ist alles möglich und sich daran erinnern: Was haben wir trainiert?

Patrick Wiegers hat famos gehalten – hätte er den letzten Ball zur Seite wegboxen können oder war das schwieriger, als es aussah?

Stratos: Sehe ich genauso. Der hat uns im Spiel gehalten, ich mache ihm da überhaupt keinen Vorwurf.

Der nächste Gegner, der Chemnitzer FC, zählt zum erweiterten Favoritenkreis. Der Auftakt ging aber eher in die Hose. Ein Vorteil, weil die ihren Rhythmus noch nicht gefunden haben oder ein Nachteil, weil sie jetzt liefern müssen?

Stratos: Sowohl als auch, schwer einzuschätzen. Der Druck bei denen ist groß, für sie zählt nur ein Sieg, um den Abstand nach vorne nicht zu groß werden zu lassen. Ich meine, das ist ein Gegner, der mit einer Unsicherheit kommt, davon gehe ich aus. Und ich sage meiner Mannschaft: O.k., wir spielen zu Hause, wir müssen jetzt was zeigen.

Personell sieht‘s erstmals nicht mehr so heiter aus. Wer fällt definitiv aus?

Stratos: Oli Hein, Fabian Trettenbach, Romas Dressler und Jonathan Kotzke.

Wie wollen Sie die ersetzen – in Duisburg waren Sie mit dem gesetzten Spielmacher Anastasopoulos immer noch nicht so recht zufrieden, wenn ich die Auswechslung richtig deute. Woran liegt‘s?

Stratos: Dimitrios war verletzt und muss sich jetzt an das schnelle Tempo gewöhnen. Er muss schneller werden, muss führen können, egal in welcher Sprache, und bei Zweikämpfen voran gehen.

Sie haben noch das Vertrauen, dass er das packt?

Stratos: Ja, das traue ich ihm zu.

Nach dem Ausfall von Dressler: Ist Thomas Kurz nicht ein ähnlicher Typ, wie Sie sich einen Stoßstürmer vorstellen – groß, kräftig, durchsetzungsfähig, kämpferisch?

Stratos: Ja, Thomas kann die 9 vorne spielen, er ist aber auch eine Alternative auf der 6 und eine Notlösung auf der 8. Für das Mittelfeld muss ich mir noch eine Lösung überlegen.

Wer soll Fabian Trettenbach in der Abwehr ersetzen?

Stratos: Entweder ich stelle Gino Windmüller nach innen, und dafür Mario in die Außenverteidigung. Vielleicht aber auch Mario auf die 6 oder 8, Azur nach außen und Andy Güntner ins Mittelfeld.

Herr Stratos, wir haben morgen Besuch aus Frankreich, denen möchten wir ein gutes Fußballspiel bieten...

Stratos: (lacht) Ich arbeite daran ….

… damit wir nicht noch länger über den letzten Sieg im 2012er Piraten-Krieg schwadronieren müssen. Wie lange hält denn ein Thomas Stratos eine sieglose Phase aus?

Stratos: Ach, schon eine ganze Zeit, aber das muss auch nicht sein.