Jahn Regensburg droht Komfortspielern vor Duell gegen Schlusslicht Rain
Trendwende oder Vertragsende

Fassungslos: Haris Hyseni nach der Niederlage. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
07.04.2016
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Sportchef Christian Keller kritisiert die Mannschaft. (Foto: Sascha Janne)
 
Buchbach bläst dem Jahn den Marsch. (Foto: Sascha Janne)
Regensburg: Continental-Arena |

War es das überfällige reinigende Gewitter nach der miserablen 0:1-Schlappe bei Buchbach? Erst poltert Sportchef Christian Keller über mangelnden Teamgeist, dann verspricht Jahn-Trainer Heiko Herrlich vor dem Spiel mit hohem Peinlichkeitspotenzial am Freitag, 19 Uhr, gegen Schlusslicht TSV-Rain: „Ich kann Ihnen versprechen, dass morgen keiner mit einem Pro-Herrlich-T-Shirt rumrennt.“

Die Anspielung ist klar: Die Demo der Jahn-Spieler für den entlassenen Vorgänger Christian Brand steht symbolisch für Komfortzone – ein Trainer, der keinem wehtat. Oder wie nennt Leistungsverfechter Herrlich das: „Die Spieler müssen mit der Drucksituation umgehen“, schließlich sei das eine positive Anspannung, Platz 1 zu verteidigen. Aber Fußball sei letztendlich ein fressen oder gefressen werden: „Wir sind hier nicht in einer Waldorfgemeinschaft.“

„Super, dass du das Trikot richtigrum angezogen hast“

Man könne den Jungs nicht ständig vermitteln, „ihr habt zwar das Spiel nicht gewonnen, ihr seid zwar eigentlich die besseren Spieler, die anderen haben halt heute gewonnen, aber super, dass du das Trikot richtigrum angezogen hast und du deine Schuhe schon alleine binden kannst.“ Nicht einmal gegen das Schlusslicht könne der Trainer deshalb versprechen, morgen einen Punkt zu holen oder zu gewinnen. Seine Ansprache jedenfalls habe wenig Lust auf Herrlich-Trikots gemacht.

Reiner Wein sei aus- und eingeschenkt worden. Ein Tag Pause, um darüber nachzudenken, was jeder Spieler eigentlich hier wolle. Dann die Denksportaufgabe: In zwei Gruppen sollten die wackligen Tabellenführer beim Videostudium das Positive notieren. „Und der Zettel war bei beiden Gruppen relativ leer.“ Dann die gleiche Aufgabe nochmal: „Jetzt schaut ihr euch das Spiel noch mal an, und schreibt auf, was schlecht war.“ Die Zettel wurden voller, die wesentlichen Punkte standen da.

Chance bis Saisonende

„Die Spieler müssen selbst mal miteinander ins Reden kommen“, findet Herrlich. „Es ist ja so, dass du Spieler geholt hast, um in der Drittligasaison alles zu versuchen, den Abstieg zu verhindern, das hat dann am Ende nicht geklappt.“ Dann habe man mit den Spielern am Ende Verträge verlängert, und noch einmal versucht, damit aufzusteigen. Jetzt stehe man noch auf Platz 1, aber es gehe auf die Zielgerade: „Und damit jedem noch einmal bewusst wird, dass es jetzt um alles geht, und dass nicht 95 Prozent abgerufen werden sollen, sondern 100 Prozent und zwar von Spiel zu Spiel“, die eindringliche Warnung: Trendwende oder Vertragsende!

Mit aller Gewalt müsse der Hebel jetzt umgelegt werden – und zwar von allen. Die Problematik: „Einige kapieren’s und einige kapieren’s eben nicht – und da haben Christian Keller und ich gestern ganz klar gesagt, wenn du das jetzt nicht schaffen solltest, dann ist es so, dass wir eben nicht hingehen und sagen, ja weiter so.“ Jeder habe noch bis Saisonende seine Chance. Wegen der vielen Verletzten könnten diejenigen, die sich für Stammspieler hielten, „gegen Rain zeigen, dass sie gerne hier spielen und bereit sind, alles abzurufen und sich von der positiven Seite zeigen – und am Dienstag in Amberg gleich noch mal eine solche Leistung abrufen“.

Mentalität schlägt Qualität

Auch die kritisierten Spieler hätten schon gezeigt, dass sie es können. Aber: „Die Schwankungen sind einfach zu groß sind. Aus trainigswissenschaftlicher Sicht heißt das Mobilisationsschwelle.“ Ein Breitensportler könne 70 Prozent von seinen Leistungsreserven abrufen, ein Leistungssportler 90 bis 95 Prozent – in Todesangst beide 100 Prozent. „Bei uns ist es aber so, einige schwanken immer zwischen den 90 und den 70 Prozent – und 70 Prozent reichen eben nicht aus, auch nicht gegen Buchbach, auch nicht in der Regionalliga. Das ist eine Form von Qualität, die fehlt.“

Es sei keine böse Absicht, aber bei Teilen der Mannschaft herrsche die Haltung vor: „Was gibt mir der Verein, was gibt mir der Mitspieler?“ Die Frage müsse aber lauten: „Was kann ich der Mannschaft geben?“ Es gehe noch immer um Platz 1, den man verteidigen wolle, mit allem, was es gebe. „Und wer das nicht abkann, der muss was anderes machen.“ Es werde immer gesagt, dass der Jahn die besseren Fußballer habe – dazu gehöre aber auch die richtige Mentalität. „Wir haben immer gesagt beim DFB, ,Mentalität schlägt Qualität‘.“

Nach Brands Loblied Rains großer Sturz

Der große Riss in der heilen Jahn-Welt im September 2015: Die erste Niederlage am elften Spieltag beim TSV Rain, den Christian Brand nach Abpfiff in höchsten Tönen lobte –dieser Lobgesang scheint die Schwaben so in Sicherheit geschunkelt zu haben, dass sie anschließend ins Trudeln gerieten. Andreas Schuster und Johannes Müller sicherten bei einem Gegentor von Marc Lais den Dreier für Rain. Nach Katastrophenherbst und schwachem Start in die Rückrunde zieht man aus dem 1:1 gegen den FC Ingolstadt 04 II etwas Zuversicht.

Die Truppe von Trainer Tobias Luderschmid hat bei Sport 1 gesehen, wie man eine positive Überraschung gegen den Jahn schaffen kann. Und mit den Heimspielen gegen Memmingen, Schweinfurt, Amberg und dem Derby beim FC Augsburg II können die Donau-Rieser noch selbst den Hals aus der Schlinge ziehen.

Die Elf von Buchbach muss ran

Noch nie war es so einfach, die Aufstellung vorm Spieltag zu erfahren: „Mein Plan ist, und das sag‘ ich heute schon vorweg“, lässt Herrlich die Katze aus dem Sack, „dass die gleiche Mannschaft, die in Buchbach das Spiel abgeliefert hat, noch mal spielt.“ Im Lauf des Spiels dürfen sich André Luge und Marvin Knoll Hoffnung auf eine Einwechslung machen: „Sie sind im Training das Tempo voll mitgegangen.“ Noch nicht im Kader dagegen Marc Lais, Daniel Schröpf und Oli Hein wegen schmerzhafter Mittelfußprellung.

Wie immer hütet sich Herrlich davor, den Gegner zu unterschätzen: „Auch morgen ist ein Gegner, der schon seine Ergebnisse geliefert hat und lange gezeigt hat, dass er mitspielen kann.“ Rain habe lange im Mittelfeld rangiert, besitze die Qualität, um nach vorne zu spielen, zu pressen: „Sie sind manchmal auch frech und wir werden alles abrufen müssen, um das Spiel siegreich zu gestalten – und nicht nur 20, 30, sondern 90 Minuten.“
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