Jahn Regensburg erwartet 2500 Dynamo-Fans
Invasion der Dresdener Wutfans?

Auf sein Engagement setzt Trainer Christian Brand (rechts): Kampfschwein Marvin Knoll. Bilder: Herda/Baumann
Sport
Regensburg
28.02.2015
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Auf sein Engagement setzt Trainer Christian Brand (rechts): Kampfschwein Marvin Knoll. Bilder: Herda/Baumann
 
Peter Németh soll Dynamo Dresden wieder fit für den Aufstiegskampf trimmen. Bild: dpa

Man kann sich seine Gäste nicht aussuchen: Nicht falsch verstehen, liebe Sachsen, das Elb-Florenz ist eine fantastische Stadt – so lange die Angstbürger und Wutfans nicht andere Städte und Stadien verwüsten. Am Samstag, 14 Uhr, empfängt der Tabellenletzte Jahn Regensburg den ehemaligen Europapokalteilnehmer Dynamo Dresden.

In der Heimat August des Starken betrachtet man das Spiel in der Oberpfalz als letzte Chance, beim Aufstieg noch ein Wörtchen mitzureden. Entsprechend groß dürfte die Enttäuschung sein, sollte den Gelben diese Pflichtaufgabe in Regensburg misslingen. Zuletzt hatte Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) ein Dresdner Auswärtsspiel am 29. November in Rostock in der 57. Minute für knapp eine Viertelstunde unterbrechen müssen.

Im Dresdner Zuschauerblock waren mehrere Bengalische Feuer und Raketen gezündet und gezielt über einen eingerichteten Pufferblock hinweg in Richtung des Rostocker Fanblocks geschossen worden. Auch auf dem Spielfeld landete Pyrotechnik. Kein Wunder, dass die Polizei ein Match mit Dresdener Beteiligung als Risikospiel einstuft.

Németh: „Das ist eine andere Mannschaft“

Fußballerisch hat sich Peter Németh, ehemaliger slowakischer Nationalspieler und erst seit 17. Februar als Nachfolger von Stefan Böger Dynamo-Cheftrainer, eingehend mit dem vermeintlichen Außenseiter auseinandergesetzt: „Die Tabelle spiegelt nicht die Qualität dieser Mannschaft wider“, sagt er auf der Pressekonferenz. „In der Winterpause sind acht neue Spieler hinzugekommen und zwei Verletzte zurückgekehrt, das ist eine andere Mannschaft.“

Der 42-Jährige wollte in der zurückliegenden Woche vor allem daran arbeiten, die Durchschlagskraft vorm gegnerischen Tor zu verbessern. „Wir werden nicht kopflos nach vorne rennen“, kündigt er kontrollierte Offensive an. „Wir wollen hinten gut stehen, über eine gute Defensive ins Spiel kommen und zu Null spielen. Und natürlich wollen wir dann auch vorne treffen.“

Wiegers Rache, Müllers Chance?

Wiedersehen gibt es mit einem, der zunächst in der Zweiten Liga als Notlösung eine Riesenleistung hinlegte – um dann in der Dritten Liga als Stammkeeper an einer kuriosen Freistoßschwäche zu scheitern. Patrick Wiegers hat sich davon längst erholt und mit konstant starken Leistungen einen Stammplatz in Dresden erkämpft.

Einen schwereren Stand hat Jim-Patrick Müller, der das Bankdrücken beim Zweitligisten Sandhausen satt hatte und jetzt an der Elbe seine Chance sucht. Vielleicht bietet die Verletztenmisere seines neuen Teams die Chance zum Durchbruch: Dominic Baumann fällt mit Außenbandriss aus. Marco Hartmann, Mathias Fetsch, Paul Milde und Robin Fluß stehen weiter nicht zur Verfügung. Nach verbüßter Gelbsperre sind dafür Quirin Moll und Sinan Tekerci zurück im Kader.

Königs angeschlagen

Die personelle Situation bei den Gastgebern kann man als durchwachsen bezeichnen. Lukas Sinkiewicz, der isländische Mittelstürmer Hannes Sigurdsson und Fabian Trettenbach bleiben außen vor. Wasti Nachreiner, Oli Hein, Matthias Dürmeyer und auch Daniel Franziskus sind zwar wieder im Training dabei. „Das Spiel kommt aber für sie noch zu früh“, bedauert Jahn-Trainer Christian Brand.

Besonders bitter: Marco Königs musste das Training wegen muskulärer Probleme abbrechen: „Die Chancen, das er spielt, stehen bei 50:50.“ Sollte der offensive Hoffnungsträger passen müssen, könnten Aykut Ötzürk oder Thomas Kurz für ihn einspringen.

In Cottbus fehlte die Aggressivität

Der Blick zurück auf das vergangene Wochenende bereitet wenig Freude: „Ich glaube, dass wir nicht zu unserem Spiel gefunden haben in Cottbus, weil wir versucht haben, die Dinge ohne die nötige Aggressivität anzugehen“, fasst Brand das Kernproblem bei der 1:4 Niederlage in der Lausitz zusammen. Immerhin gibt‘s ein Sonderlob für geglückte Vergangenheitsbewältigung: „Das haben die Jungs in sehr eindruckvoller Weise selbst reflektiert.“

Der Coach hofft, dass seine Spieler das Spiel in Cottbus als Lehre begreifen – sie hätten nur eine Chance, wenn sie so aufträten wie in den drei Spielen zuvor. „Wir müssen die Zweikämpfe annehmen, und darüberhinaus auch Fußball spielen – das können die Jungs gut, aber man darf die Reihenfolge nicht verwechseln.“

Dem Gegner auf den Füßen stehen

Gegen richtig gute Mannschaften wie Cottbus oder eben auch Dresden, sei die Mannschaft gefordert, eine gute Organisation zu zeigen, gut zu stehen und dem Gegner auf den Füßen zu stehen, um ihn gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Auf eine Einzelkritik – gerade in puncto Viererkette – verzichtet der Pädagoge salomonisch: „Es gibt bei allen elf riesiges Steigerungspotenzial.“

Dass Dresden (8./38 Punkte) mit vier Niederlagen in die Rückrunde startete, ist für Brand natürlich keine Beruhigung. „Gegen Wehen-Wiesbaden spielten sie zuletzt sehr gut, hatten zu Beginn viele Chancen, die sie nicht nutzten, gerieten in Rückstand und verloren unglücklich 0:1.“ Keine Frage für Regensburgs Motivator, „das wird ein schwieriges Spiel, da brauchen wir viel Geduld“. Andererseits, ein wenig abgelenkt könnten die Dresdener schon sein: „Ich glaube, dass sich kein Spieler von Dynamo davon freimachen kann, dass sie am Dienstag vor 30.000 Leuten gegen Borussia Dortmund im Pokal antreten. Das ist in den Hinterköpfen, da will jeder dabei sein.“

„Punkten – egal gegen wen und wo und wann“

Wenn das bayerisch-sächsische Duell – das der SSV zuletzt 2010 für sich entscheiden konnte – für Dresden den Charakter „letzte Ausfahrt Zweite Bundesliga“ hat, so hat es für Regensburg schon eine existenzielle Bedeutung. „Wir müssen die Heimspiele generell gewinnen.“ Die Zeit laufe gegen Rot-Weiß: „Wir müssen punkten – gegen wen und wo und wann spielt für uns gar keine Rolle mehr.“ Mit einem Sieg aber sei man zumindest vorerst wieder im Rennen. „Der Kreis der Kandidaten, die unten drinhängen, wird immer kleiner – drei werden in den sauren Apfel beißen.“

Großaspach nach der Klatsche im Nachholspiel gegen Unterhaching dürfte mit dabei sein, die beiden Nachwuchsteams von Mainz und Dortmund, vielleicht noch Rostock. Um die zu guter Letzt noch hinter sich zu lassen, müsse aber auf Sicht auch mal ein „big point“ auf fremden Plätzen gelingen. „Ich stelle mir vor, dass die Mannschaft auch auswärts viel mutiger agiert. Wir müssen in absehbarer Zeit auch woanders punkten.“
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Pressesprecher Till Müller weist daraufhin, dass der SSV einen großen Andrang an den Kassen erwartet. Die Haupttribüne sei bereits weitgehend ausverkauft. Dresden reise mit etwa 2500 Fans an und auch die Regensburger zeigen nach zuletzt starken Heimspielen gegen Dortmund und Stuttgart reges Interesse an dem erneuten „Endspiel“ gegen den Abstieg. „Wir öffnen deshalb eine Tageskasse bereits von 10 bis 12 Uhr“, sagt Müller. „Alle anderen Kassen sind ab 12 Uhr offen.“ Auch „Print at Home“-Tickets ersparen lange Wartezeiten.