Jahn Regensburg fährt mit viel Respekt zum Osnabrücker Vorstadt-Club
Sportfreunde Lotte mit dem absoluten Flow

Lottes Kevin Freiberger, Lottes Gerrit Nauber und Lottes Alexander Langlitz (von links) jubeln nach dem Pokal-Triumph über Werder Bremen. (Foto: dpa)
Sport
Regensburg
09.09.2016
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Lottes Trainer Ismail Atalan hat gut lachen: Mit der Verpflichtung des 36-Jährigen ging Lottes Graue Eminenz Manfred Wilke ein Risiko ein. Atalan hatte zuvor nur unterklassige Teams wie den Kreisligisten Davaria Davensberg trainiert. Wilkes Mut zahlt sich aus. „Ismail Atalan hat es geschafft, aus den Typen, die er hier vorgefunden hat, eine Einheit zu formen. Und das ist unsere Stärke. Wir spielen einen Fußball, in dem die Mannschaft im Vordergrund steht und nicht irgendein einzelner Spieler.“ (Foto: dpa)
Lotte: Frimo-Arena |

Jetzt also die Sportfreunde Lotte – klingt wie der verlängerte Arm der „11 Freunde“, ist aber alles andere als ein Spaßverein. Der nordrhein-westfälische Nachbarclub des VfL Osnabrück legte einen Traumstart hin, liegt zwar als Tabellensechster zwei Punkte hinter dem Dritten Jahn Regensburg, fertigte aber Bundesligist Werder Bremen hochverdient mit 2:1 im Pokal ab.

„Es ist nahezu eine Partie auf Augenhöhe“, sagt SFL-Co-Trainer Jo Laumann. „Wer mehr Einsatz am Samstag zeigt, wird das Spiel gewinnen. Natürlich hat der Jahn eine gute Drittligatruppe, aber wir werden versuchen, als Mannschaft dagegen zu agieren.“ So wie beim 1:1 im Testspiel gegen Zweitligist Arminia Bielefeld.

Warnschuss: Probleme mit der Schlussphase

Der SSV hat seinen Test mit einem Club aus dem Bundesliga-Unterhaus nicht ganz so gut absolviert: „Das war eigentlich eine sehr gute Leistung in Heidenheim“, zieht Jahn-Coach Heiko Herrlich Bilanz, „bis auf die Schlussphase. Da haben wir in der 85. und 90. Minute das 1:1 und das 2:1 bekommen.“ Die Konsequenz: „Diese Woche haben wir noch einmal im athletischen Bereich gearbeitet.“ An der Verletztenfront sehe es einigermaßen gut aus. Thomas Paulus, der in Heidenheim fünf Minuten vor Schluss raus musste, sei wieder zurück. „Die Wade hat zugemacht, nichts Schlimmes, ich gehe davon aus, dass er auf der Bank sitzen wird.“

Kolja Pusch habe am Mittwoch das erste Mal wieder voll mittrainiert. Eine negative Rückmeldung von den Physios habe es anschließend nicht gegeben. „Ich will’s nicht ausschließen, dass er am Samstag schon in der Startformation spielt“, hofft Herrlich. In der Innenverteidigung gebe es keinen Anlass zur Veränderung: Der Weidener Bua Sven Kopp habe gegen Heidenheim wieder eine sehr gute Leistung gebracht. „Die Entwicklung ist gerade absolut positiv.“ Im Sturm sei Markus Ziereis heiß, gebe im Training Gas. „Er setzt Zeichen, ich bin wieder da.“

Drei Optionen für die Hein-Position

Für Oli Heins vakante Stelle ziehe Herrlich je nach Aufstellung des Gegners drei Optionen in Erwägung: „Wir könnten Marc Lais da spielen lassen, offensiv ist er sehr gut, der würde wiederum im Zentrum fehlen.“ Dann habe man die Möglichkeit mit Uwe Hesse, der das schon gespielt habe. „Gegen Heidenheim hat er das in der Offensive gut gemacht, in der Defensive hatte er Probleme.“ Und schließlich Benedikt Saller, der in der ersten Halbzeit in Heidenheim reüssiert habe. „Er hat in der Jugendnationalmannschaft rechter Außenverteidiger gespielt.“

Wie hält es der Jahn-Trainer mit den Sportfreunden? „Lotte, Aufsteiger wie wir, acht Punkte, haben zurzeit einen absoluten Flow, das muss man einfach so sehen.“ Herrlich habe die Spiele gegen Bremen, Erfurt und Chemnitz analysiert – im Pokalspiel sei das eine absolut klare Sache gewesen für Lotte: „Das war nicht so, wie wenn wir gegen Hertha gewonnen hätten, wo viel Glück nötig gewesen wäre.“ Bremen dagegen habe sich kaum aus dem Pressing befreien können.

„Wer sind eigentlich die Sportfreunde Lotte?“

Es werde ein ganz anderes Spiel wie gegen Aalen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die unsere Innenverteidiger nicht anlaufen – die werden versuchen, uns unter Druck zu setzen, die spielen gut von hinten raus, rücken gut nach, die Räume sind da sehr eng und es wird eine schwierige Aufgabe – aber wir fahren trotzdem dahin und wollen was mitnehmen.“

Apropos „11 Freunde“: „Wer sind eigentlich die Sportfreunde Lotte?“, fragte sich Natalie Raida nach dem Aufstieg des Dorfvereins (gut 14.000 Einwohner). Und beobachtete: „Manfred Wilke ist der Macher bei den Sportfreunden Lotte. Mit Geld und Herzblut hat er den Dorfverein in die Dritte Liga geführt. Sein Geheimnis: Rasen mähen.“ Stellt sich nur noch die Frage: Who the fact is MW? „Als er 1988 als Fußball-Obmann bei den Sportfreunden anfing, dümpelte der Dorfverein noch in der Bezirksliga herum. 28 Jahre und fünf Aufstiege später hat der Unternehmer, der unter anderem ein Ingenieurbüro betreibt, sein Ziel erreicht.“

Der Herr des Rasens

Fußball-Obmann Wilke habe sich in den letzten Wochen um den Umbau des Stadions gekümmert, um die Anforderungen der Dritten Liga zu erfüllen – statt 7.474 Zuschauern könnten jetzt 10.400 Fans Lottes Spiele verfolgen. Im Moment liege der Zuschauerschnitt allerdings bei rund 2000. Wilke sei überzeugt, dass hier noch Luft nach oben ist: „Ich glaube schon, dass das Potenzial dafür da ist, wenn wir sportlich weiterhin auf diesem Niveau spielen.“ Und ein paar Oberpfälzer werden auch bald wissen, wo Lotte liegt.

Übrigens: sollte es Beschwerden über den Zustand der Lott’schen Frimo-Arena geben, direkt beim Chef beschweren: Der 65-Jährige dreht gerne mal eine Runde mit dem Rasenmäher auf dem Feld der Sportfreunde Lotte. »Das macht doch Spaß«, sagt er. »Man hat eine Dreiviertel Stunde Zeit und kann sich in dieser ganz viel überlegen. Außerdem sehe ich, wenn der Rasen nicht in Ordnung ist, und kann das gleich dem Platzwart sagen.“

Das Spiel wird live im WDR übertragen.
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