Jahn Regensburg freut sich aufs Wiedersehen mit dem MSV Duisburg
Spitzchenspiel gegen den Tabellenführer

Täuschender Mutmacher: das 3:1 gegen den MSV Dusiburg am ersten Spieltag der Abstiegssaison war ein Muster ohne Wert. Bild: Herda
Sport
Regensburg
14.10.2016
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Heiko Herrlichs Gratulationstour nach dem überzeugenden 3:0 gegen schwache Paderborner. Bild: Herda
 
MSV-Trainer Ilia Gruev. (Foto: dpa)
Regensburg: Continental-Arena |

Duell der Zebras gegen die – ja, welches Tier ist eigentlich der Jahni, sagen wir – Rotfüchse: Stärkste Offensive, der SSV Jahn mit 18 Treffern, gegen die beste Defensive, der Meidericher SV mit sechs Gegentreffern. Der Tabellenvierte (17 Punkte) will am Samstag, 14 Uhr, dem Tabellenführer (21 Punkte) aus dem Pott auf die Pelle rücken. Doch Vorsicht, Brandstetter-Gefahr: In den zurückliegenden beiden Spielen bescherte Simon Brandstetter den Gästen jeweils ein 1:0.

Jahn-Pressechef Martin Koch erwartet zum „Spitzchenspiel“ 7000 Zuschauer plus x. Nicht schlecht, könnte man meinen, im Vergleich zu den 4400 beim letzten Vergleich im alten Stadion an der Prüfeninger Straße. Dennoch: Was ist aus den restlichen 8000 geworden, die gegen die zweite Mannschaft der Bayern eine Etage tiefer die Conti-Arena zum Tollhaus machten? Aufstieg und Platz 4 in Liga 3 können doch nicht so enttäuschend sein!

Sechs Gegentreffer in 10 Spielen, 0,6 pro Spiel. Das ist nicht viel verglichen mit den 16 der Regensburger. Was macht die Stabilität der Duisburger aus? „Alle arbeiten mit nach hinten“, erklärt Verteidiger Fabio Leutenecker die Maschendrahtzaundichte seiner Abwehr. „Es fängt bei den Stürmern an und hört bei unserer guten Defensive auf.“ In der Theorie klingt das bei Heiko Herrlich nicht viel anders: nur in der Praxis eben plus 10. Da müssen die Regensburger Diener – O-Ton Oli Hein: „Jeder ist der Diener des anderen“ – noch eine Schippe drauflegen.

Aber andererseits wisse man bei Duisburg natürlich um die Stärke der Regensburger Offensive. „Das haben wir alles genau analysiert", sagt Leutenecker. Auch Cheftrainer Ilia Gruev, von ähnlicher „Das Team ist der Star“-Philosophie beseelt wie SSV-Coach Heiko Herrlich, lobt die Oberpfälzer: „Das wird ein hartes Stück Arbeit am Samstag. Regensburg hat bislang eine hervorragende Leistung gezeigt – das verdient Respekt.“

MSV-Coach kickt Jahn aus dem Pokal

Man müsse das eigene Spiel durchziehen und versuchen, die Stärken des Gegners zu vermeiden, folgert Gruev, der auf Dan-Patrick Poggenberg (Bänderriss im Sprunggelenk) und wohl auch Kevin Wolze (Bänderdehnung im Sprunggelenk) verzichten muss. Duisburgs Cheftrainer hat sehr lebendige Erinnerungen an die Oberpfalz: 2003 verwandelte er im Pokalspiel den entscheidenden Strafstoß im Elfmeterschießen, nachdem der MSV bereits 1:3 zurückgelegen hatte.

Umgekehrt machte der SSV zu Hause gegen die gestreiften Gäste oft selbst dann eine gute Figur, wenn es anschließend „Auf Wiedersehen“ hieß – wie beim Mut machenden 3:1-Auftaktsieg in der Abstiegssaison 2014/15 oder dem 2:0 in der einjährigen Zweitliga-Zugehörigkeit 2012/13, dem im Rückspiel nach 2:0 Pausenführung ein 2:4-Abgesang folgte. Man kotzte damals im Dezember den Glühwein am „Romantischen Weihnachtsmarkt“ aus, als die „bad news“ aus Duisburg in den Ticker liefen.

Kleines Burnout des Weidener Buam

Zwei Wochen Pause – Zeit für Regeneration oder neue Verletzungen? Symptomatisch der Mini-Burnout von Sven Kopp, den pünktlich zur Pause eine Erkältung niederstreckte. Der Weidener Bua, der die gesamte Regionalliga-Rückrunde ausfiel, die Vorbereitung nur in der Gruppe „Reha“ absolvierte, dann sporadische Einsätze in der U21 mit durchwachsenen Leistungen hatte, kam nach den Verletzungen der gesamten Innenverteidigung wie die Jungfrau zum Kind in die Startformation.

„Und hat seitdem durchgespielt und eine überragende Leistung gebracht“, lobt der Chef. „Klar, dass der mal zusammenbricht.“ Einsatz am Samstag noch offen. Thomas Paulus dagegen ist krankgemeldet. Dafür kommt Bastian Nachreiner als Notbesetzung auf die Bank. „Wir hätten den Wasti lieber in der U21 behutsam aufgebaut“, aber ohne Backup geht‘s halt nicht. Hoffentlich nicht mit bösem Ende wie gegen Bochum.

Herrlichs Topfavorit

Ein flexibles Programm in der Länderspielpause – vier statt sieben Trainingseinheiten für die Erschöpften, aber auch Aufbauarbeit für Spieler mit Aufholbedarf: „Der Benedikt Saller brauchte gegen Nürnberg einfach mal wieder ein ganzes Spiel“, erkannte Herrlich. Und in der Woche vorm Match ging es ohnehin wieder mit Vollgas zur Sache. Klar: „Wir freuen uns auf das Spiel gegen den Tabellenführer“, muss der Beppo-Stratege niemanden motivieren, „ein absolutes Highlight, der MSV kommt aus der 2. Liga, wir von einer Liga tiefer.“

Herrlich habe Duisburg schon zu Saisonbeginn als Favorit benannt: „Die haben eine enorme Qualität“, schwärmt er. „Ich habe in dieser Liga noch keine Mannschaft mit so einer guten Spielanlage gesehen und mit so einer stabilen Defensive.“ Richtig: „Vorne gewinnst du Spiele hinten Meisterschaften – da sind sie auf einem guten Weg.“ Trotzdem wolle man alles in Bewegung setzen, um die Leistung der vergangenen drei Spiele, das 2:1 gegen Nürnberg mitgerechnet, auf den Platz zu bringen.

Beim Club: „Mensch, das funktioniert“

Die Spieler hätten beim kleinen Überraschungscoup in Nürnberg gemerkt: „Mensch, das funktioniert.“ Wenn man die Fehler vermeide, die sich die Mannschaft gegen Aalen und vor allem in Zwickau geleistet habe, und stattdessen füreinander arbeite, als Team auftrete, dann könne man auch Duisburg Paroli bieten. Wenngleich Herrlich schon mit der bisherigen Punkteausbeute zufrieden sei – nicht vergessen, jeder Punkt gegen den Abstieg und manchmal gerne drei: „Wir schauen von Aufgabe zu Aufgabe.“ Beppo-Prinzip eben.

Die Favoritenrolle sei klar verteilt, die Tabelle immer noch wenig aussagekräftig. „Wir hätten den ein oder anderen Punkt mehr haben können, aber auch einige weniger.“ Und dann stünde man vielleicht auf Platz 7 und das entspreche Herrlichs Bauchgefühl nach eher den reellen Verhältnissen. „Der Brandstetter hat in den letzten drei Spielen jeweils das 1:0 gemacht – ein brandgefährlicher Spieler, wie der Name schon sagt.“

Spitzenspiel möglich

In der Offensive freut sich der Trainer über die Kader-Rückkehr von Markus Ziereis, der sich in der U21 voll rehabilitiert habe. Und auch Haris Hyseni sei eine Alternative, falls der Plan gegen die Zementabwehr der Ruhrmündungsstädter nicht gleich aufgeht: Schnelles Umschaltspiel sei das einzige Rezept gegen Klotz, Bomheuer, Bajic, Leutenecker und den niederländischen Keeper Flekken, der beim 1:1 in Osnabrück in letzter Minute den Ausgleich erzielte.

Trotz wachsender Alternativen in allen Mannschaftsteilen: „Never change a winning team“, doziert Herrlich. Deshalb steht zunächst einmal die Startformation vom Auswärtssieg in Osnabrück auf dem Platz. Und sollte diese die Spitzenleistung der ersten Halbzeit wiederholen, liegt ein echtes Spitzenspiel im Bereich des Möglichen.
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