Jahn Regensburg in Bremen: Neue Stärke des Bundesliga-Nachwuchses
Challenge gegen U23-Gegenpressing-Maschinen

Jahn-Trainer Heiko Herrlich sah in Mainz ein Chancenplus von 5:1, aber eine 0:2-Pleite. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
03.11.2016
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Könnte am Samstag für Bremens U23 auflaufen: Johannes Eggestein (rechts) im Nationaldress, hier im Zweikampf mit Mexikos Francisco Venegas beim U17-World-Cupmatch in Talca, Chile im Oktober 2015. (Foto: dpa)
 
Werder Bremens Ex-Trainer Viktor Skripnik (Mitte) jubelt mit dem damaligen Co-Trainer Florian Kohfeldt, Coach der U213, am Rücken über den Sieg über Augsburg. (Foto: dpa)
Bremen: Weser-Stadion Platz 11 |

Früher war alles besser: zumindest, was die Ergebnisse gegen U23-Mannschaften anbelangt. Fünf Jahre ist es her, seit sich der SSV Jahn zuletzt mit dem Nachwuchs von Werder Bremen maß. In der Saison 2011/12 gelangen den Regensburgern mit 3:2 und 4:1 gleich zwei Siege gegen die jungen Hanseaten. Doch zuletzt taten sich die Oberpfälzer schwer gegen die jungen Wilden.

Insgesamt fünfmal konnten sich die Oberpfälzer bisher gegen die Nordlichter durchsetzen, zweimal zogen sie den Kürzeren, nur einmal trennten sich die beiden Teams unentschieden. Am Samstag, 14 Uhr, möchte Jahn-Coach Heiko Herrlich den sechsten Sieg im kleinen Stadtstaat einfahren.

Dass die Jugendarbeit für die Bundesliga-Profiteams immer wichtiger wird, lässt auch an den Schwierigkeiten der gestandenen Regional- und Drittligisten gegen die Talentschuppen ablesen. Der SSV hatte schon in der vergangenen Aufstiegssaison seine liebe Mühe mit den „Us“ der bayerischen Größen aus Augsburg, Nürnberg, Fürth und natürlich München – egal ob 1860 oder Bayern. Und das bisher einzige Aufeinandertreffen in Mainz ging mit 0:2 in die Rothosen.

Physische Stärke der Jugend

Vorbei die Zeiten, als ein Mehmed Scholl nach dem 0:5 seiner kleinen Bayern gegen den Jahn schwärmte: „Das war der beste Gegner, der bisher hier spielte.“ Woher aber kommt diese neue, auch physische Stärke der Nachwuchsmannschaften?

Als Hans-Dieter Flick 2014 den Posten des DFB-Sportdirektors antrat, gab er als Motto aus, dass Jugendspieler „mehrere Systeme beherrschen und über einen großen Fundus an technisch-taktischen Ausbildungsinhalten verfügen“ müssten. In der Tat spielen die meisten Bundesliga-Juniorenteams sowie die DFB-Auswahlmannschaften sehr ähnliche Systeme. Die Nationalteams mit der echten 9 bevorzugen ein 4-2-3-1, ohne „Klose in spe“ das spanische 4-2-4-0, mit dem auch Jogi Löw immer öfter liebäugelt.

Taktisch perfekte Handwerker

Bei den meisten U23-, U21-, U19- und U17-Teams werden seit dem Post-Beckenbauer-Fiasko 1990 – das im Erich-Ribbeck-Desaster bei der EM 2000 gipfelte – taktisch perfekt ausgebildete Handwerker herangezüchtet. Die Folge: Auf Deutschlands Außenbahnen dominieren Athleten und Gegenpressing-Maschinen wie André Schürrle. Das zentrale Mittelfeld beherrschen Abräumer.

Die Deutschen können das Gegenpressing, also das Attackieren der gegnerischen Mannschaft direkt nach Ballverlust, solange diese sich nicht wieder formiert hat, bis zur Perfektion – frei nach Jürgen Klopps Dogma: „Gegenpressing ist der beste Spielmacher.“ Die Folge: Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten – zuletzt schaffte es Horst Hrubesch‘ Auswahl ins Olympia-Finale. Die einzige Waffe gegen die jungen Super-Athleten: Brasiliens Kreativität.

Optimale Vorbereitung

Was zieht SSV-Trainer Heiko-Herrlich daraus für Schlüsse? Zunächst einmal praktische Erwägungen: Die Anfahrt sei schon am Donnerstag, das Abschlusstraining dann am Freitag in Bremen, mit Vor- und Nachteilen, Stichwort „Spionage“. „Das war meine Idee, dass wir einen Tag früher losfahren, im Relegationsspiel gegen Wolfsburg haben wir da auch gute Erfahrungen gemacht.“ Schließlich könne man nie wissen, wie sei der Verkehr, man müsste, um rechtzeitig loskommen, schon um 8 Uhr trainieren, schließlich stecke die Busfahrt in den Knochen – „das sind keine idealen Bedingungen“.

Die Lehren aus dem Mainz-Spiel? „Dass wir in der ersten Halbzeit ein Chancenplus von 5:1 hatten und das Tor der Mainzer aus 27 Metern war aus dem Spiel heraus deren erste Chance.“ Danach der unglückliche Elfmeter, der Rest, gute Abwehrarbeit der Mainzer. „Die Lehre ist einfach in der Liga, je höher es wird, desto dünner wird es mit Chancen, mit denen man nicht so fahrlässig umgehen darf.“

Magdeburg-Aufstellung als Basis

Änderungen im Vergleich zu Magdeburg? „Es war keine schlechte Leistung, es war ein Kampfspiel – sicherlich hat der ein oder andere in der ein oder anderen Situation unglücklich ausgesehen, aber grundsätzlich kann man sich an der Aufstellung gegen Magdeburg orientieren.“ Immerhin sei man mit den wenigen Möglichkeiten effizienter umgegangen: „Die erste große Chance von Kolja Pusch war drin.“

Man habe dann nur verpasst, mit den zwei, drei sehr guten Gelegenheiten den Sack endgültig zuzumachen. „Aber das ist ein Reifeprozess, da bin ich guten Mutes, dass die Spieler erkennen, da muss mehr Konzentration in diesen Phasen des Spieles ran.“

Profis wie Eggestein

Bremens spielstarke U23 sei mit immerhin 13 Punkten stärker als ihr Tabellenstand: „Sie sind fähig auch gegen Spitzenmannschaften Punkte zu holen“. In Paderborn und gegen Osnabrück gelangen den Grün-Weißen genauso Siege wie den Rot-Weißen. Und man müsse immer damit rechnen, dass Profis aus der Ersten Spielpraxis erhielten, wie der 18- jährige Johannes Eggestein, der oben wie unten zum Einsatz komme, und dort auch schon zwei Tore geschossen habe.

„Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass wir Möglichkeiten finden werden, um das Spiel zu dominieren und zu gewinnen.“ Das habe man in Großaspach und Osnabrück geschafft. „Das muss uns Selbstbewusstsein geben, dass wir da hinfahren und auf jeden Fall was mitnehmen.“ Eine interessante Aufgabe sei das: „Wir werden natürlich versuchen zu attackieren, sie nicht ins Spiel kommen zu lassen und unser Spiel durchzubringen.“

Leeres Stadion keine Ausrede

So sehen das auch die gesetzten Spieler im 19-köpfigen Kader: „Wir schauen, dass wir nach Bremen fahren, und dort was mitnehmen“, erklärt Andi Geipl. Schwerpunkt im Training seien Torabschlüsse gewesen, eben weil die Effizienz gefehlt habe. „Ein unangenehmer Gegner“, sei das, erkennt Geipl an, „die haben 1:1 in Chemnitz gespielt“.

Und Markus Ziereis erhofft sich in Bremen die Chance, in puncto Effizienz Zählbares zu fabrizieren: „Magdeburg waren gestandene Profis, die dazwischen hauen“, vergleicht er die Spielanlage. „Bremen will den schöneren Fußball spielen, da wollen wir es umdrehen und kampfbetonter spielen.“ Auch wenn der SSV in Mainz nicht das beste Spiel abgeliefert habe, könne das fast leere Stadion bei Spielen gegen die Zweite nicht als Ausrede herhalten: „Ich glaube trotzdem, dass wir unsere Leistung abrufen können, das ist egal, ob da viele Zuschauer da sind.“

Spieler, die sich im Training oder der U23 aufgedrängt hätten, dürfen spätestens im Testspiel in der Länderspielpause am Freitag, 11. November, um 14 Uhr auf dem Sportgelände in Eibelstadt (Am Mainpark, 97246 Eibelstadt) gegen Kickers Würzburg ran.
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