Jahn Regensburg ist gegen Chemnitz das spielbestimmende Team, geht aber am Ende leer aus
Ein Spiegelbild der Saison

Jahn-Chemnitz
Sport
Regensburg
10.05.2015
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Es war ein Spiegelbild der Saison. Lange recht ansehnlich gespielt, teilweise sogar besser als der Gegner, vorne einige gute Chancen vergeigt und dann bitter bestraft.

Im vorletzten Heimspiel in Liga 3 kassierte Absteiger SSV Jahn Regensburg in der zweiten Minute der Nachspielzeit das 0:1 gegen den Chemnitzer FC, der danach keine große Mühe mehr hatte, diesen Vorsprung über die restlichen 120 Sekunden ins Ziel zu retten. Fabian Stenzel heißt der Mittelfeldakteur der Sachsen, der dem Schlusslicht zu einer Zeit den KO versetzte, als eigentlich niemand mehr an ein Tor glaubte.

Mit der Niederlage ist auch der allerletzte und ohnehin nicht sehr realistische Funken Hoffnung erloschen, der da hieß: Vom Lizenzentzug anderer Vereine profitieren und vielleicht doch noch drin bleiben in dieser Liga, die man eigentlich in die andere Richtung verlassen wollte – irgendwann mal. Die einzig etwas tröstliche Nachricht in diesen für den SSV Jahn so tristen Tagen: Die Mannschaft hört noch auf ihren Trainer. Wie sonst wäre zu erklären, dass man sich gegen den immerhin als Tabellenachter angereisten Chemnitzer FC – wie von Christian Brand gefordert – sehr professionell präsentierte. Dass es am Ende doch wieder nicht reichte für etwas Zählbares, nahmen die immerhin noch gut 2000 Unentwegten mit resignierter Teilnahmslosigkeit hin. „Totenstille im Stadion an der Prüfeninger Straße“ stand da im Kicker-Liveticker. Wenn man im Jahnstadion an diesem verregneten Nachmittag überhaupt etwas zu hören bekam, dann waren es die Gesänge und Schlachtenrufe der gutgelaunten Gästeanhänger, die lautstärkenmäßig ein klares Übergewicht besaßen.

„Unser Ziel ist es, den einstelligen Tabellenplatz zu sichern und keine Luft mehr heran zu lassen“, machte FC-Trainer Karsten Heine vor der Partie klar. Im Spiel merkte man nicht viel von einem unbedingten Siegeswillen der Sachsen. Beide Teams lieferten sich eine Partie, an die sich die meisten Zuschauer zehn Minuten nach dem Schlusspfiff wohl kaum noch erinnert haben dürften. Einmal mehr musste Jahn-Coach Christian Brand seine Startelf wegen zahlreicher Verletzter zwangsläufig umbauen. Gegenüber der 1:2-Niederlage beim Halleschen FC veränderte er sie auf zwei Positionen: Windmüller und Palionis begannen für Knoll und Lorenzi. Somit bildeten Oliver Hein, Sebastian Nachreiner, Gino Windmüller und Marcel Hofrath die Viererkette vor Keeper Richard Strebinger. Davor agierten Kapitän Markus Palionis und Thomas Kurz als sogenannte Doppelsechs im defensiven Mittelfeld. Vor der Kreativabteilung mit Uwe Hesse, Kolja Pusch und Patrick Lienhard rackerte Marco Königs als einsame Spitze.

Die erste große Chance des Spiels hatte ein Oberpfälzer: Markus Ziereis, dessen Geschoss Jahn-Keeper mit einem Reflex prächtig parierte. Danach übernahm der Absteiger das Kommando, trumpfte mit einigen Torchancen im ersten Durchgang auf. Pusch etwa zog in der siebten Minute unbedrängt aus elf Metern ab, wurde aber in letzter Not noch gestoppt. Auf der anderen Seite traf Löning aus halbrechter Position nur das Außennetz (9.). Ganz knapp war es nur zwei Minuten später für den Jahn: Königs wollte die Kugel von der linken Seite aus ins rechte Eck zirkeln, setzte das Leder jedoch am Kasten vorbei (11.). Später konnte Lienhard nicht von Abstimmungsproblemen zwischen Gästekeeper Pentke und seiner Abwehr profitieren. Völlig frei blieb sein Schuss am letzten Mann der Chemnitzer hängen (17.). Die nächste Möglichkeit des CFC leitete Ziereis ein, der sich links durchsetzte und Scheffel bediente. Der jedoch vergab aus kurzer Distanz klar (29.). Wenig später wachten die Jahn-Fans doch einmal auf, forderten vehement Elfmeter, als Königs im Laufduell mit Endres zu Boden ging. Allein. Die Pfeife von Schiedsrichter Tobias Reichel blieb stumm. Hesse kam noch einmal an die Kugel, brachte diese aber nicht im Tor unter (35.).

Wer gehofft hatte, dass es im zweiten Durchgang etwas torreicher zugehen könnte, wurde enttäuscht. Wenn überhaupt, dann erspielte und erkämpfte sich der Jahn einige Gelegenheiten. Nun war man den Himmelblauen sogar zeitweise überlegen. Es zeichnete sich aber dasselbe Bild wie schon in den ersten 45 Minuten ab: Der Jahn brachte das Leder einfach nicht im Kasten unter. Insgesamt aber war die Partie auch in Halbzeit 2 wenig erbaulich, mit fortschreitender Spielzeit schienen sich beide Teams mit dem torlosen Remis abgefunden zu haben. Nachdem dann auch noch der eingewechselte Öztürk kurz vor dem Ende eine dicke Möglichkeit liegen ließ, wurde die fahrlässige Chancenverwertung der Gastgeber in der zweiten Minute der Nachspielzeit bestraft - der Chemnitzer FC setzte in Person von Stenzel den Schlusspunkt: Der eingewechselte Ofosu ließ vier Verteidiger stehen, bediente den völlig frei stehenden Stenzel, der den Ball unter die Latte nagelte.

So stand am Ende wieder einmal eine Niederlage, die so unnötig war wie der berühmte Kropf, die andererseits aber die ganze Maläse des SSV Jahn in dieser bitteren Saison widerspiegelte. Gut mitgespielt, sogar die besseren Chancen erarbeitet, aber am Ende mit leeren Händen und hängenden Köpfen betröpfelt den Rasen verlassend.
Am kommenden Samstag (13.30 Uhr) steht der SSV Jahn Regensburg vor einem „ganz leichten Spiel“: Das Schlusslicht gastiert beim Spitzenreiter und Fast-Aufsteiger Arminia Bielefeld. Vielleicht läuft’s dann ja mal anders herum. Man wird doch wohl noch träumen dürfen…..