Jahn Regensburg mit nassforschem 3:1 gegen Wehen zurück im Mittelfeld
Erik Thommy macht den Unterschied

... Säge, Tango mit dem Superweib, man weiß es nicht, egal ... Bild: Herda
Sport
Regensburg
19.11.2016
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Aufstellung zum Abschied von Jahn Regensburgs Jahrhunderttrainer. Bild: Herda
 
Vor einer Woche verabschiedete sich Alfred „Aki“ Schmidt (* 5. September 1935 in Dortmund; † 11. November 2016 ebenda) für immer. 1968-1970, 1973-1975, 1990-1992 und 1993-1994 trainierte der 25-fache Nationalspieler den SSV Jahn Regensburg. Bild: Herda
 
Der SV Wehen Wiesbaden beginnt gallig wie die Farbe der grellen Trikots. Bild: Herda
Regensburg: Continental-Arena |

Das Aki-Schmidt-Gedächtnis-Spiel ist keine Sternstunde des Drittliga-Fußballs – dazu ist die Lage beider Mannschaften zu brisant. Jeweils vier Spiele ohne Dreier, mehr als ein dreckiges Kampfspiel kann man da nicht erwarten. Zum Schluss behält die Mannschaft die Oberhand, die Heiko Herrlich zu mehr Gier angestachelt hat. Das 3:1 für Jahn Regensburg reiht sich ein in die Serie der sehr engen Spiele, indem ein junger Mann den Unterschied ausmacht: Doppeltorschütze Erik Thommy.

Zumindest der Himmel beschert Jahn Regensburgs Jahrhundert-Trainer großes Theater. Wind und Regen peitschen die Temperatur auf den Sitzplätzen der 4715 Zuschauer gefühlt auf „Ass on Ice“. „Abpfeifen“, schreit ein hessischer Pressevertreter von hinten, „zu kalt!“

Von einem Ass ganz anderer Art nimmt der Verein heute Abschied. Das Dortmunder Original steht für die Zeit des Jahn-Fahrstuhls zwischen Zweiter und Dritter Liga – damals noch Bayernliga. Der 25-fache Nationalspieler fühlte sich nach seiner Karriere besonders in Fernandos diversen Trattorien wohl.

Zuletzt war der Deutscher Meister von 1956, 1957 und 1963, WM-Teilnehmer 1958 in Schweden, DFB-Pokal-Sieger von 1965, Sieger im Europapokal der Pokalsieger 1966 und DFB-Pokal-Sieger von 1970 als Trainer, Fanbeauftragter bei Borussia Dortmund (1997-2007). Abederi, Aki!

SVWW-Trainer: „Nicht gut ins Spiel gekommen“

„Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen“, sagt Wehens Trainer Torsten Fröhling, „wir wollten vor allem Standards vermeiden. Weil Gerade bei direkten Standards Regensburg sehr gut ist mit Erik Thommy – wir haben uns ein bisschen dumm angestellt, haben auch prompt das 0:1 bekommen.“ Danach habe man sich gefangen, durch Luca Schnellbacher selber Chancen kreiert. „Mit dem 1:1 zur Halbzeit war das völlig o.k.“

In der zweiten Hälfte habe man nochmals Druck aufbauen wollen. „Bis zum 2:1 hatte ich eher das Gefühl, dass wir keinen mehr reinkriegen, da haben wir wirklich gut gespielt – David Blacha hatte die Chance zum 2:1, dann wär’s vielleicht anders ausgegangen, dann hätten wir auskontern können.“ Das Gegentor sei schön rausgespielt gewesen. „Dann wurden wir durch einen dummen Fehler nochmal ausgekontert.“ Traurig sei der Trainer, weil man sich für den großen Aufwand nicht belohne.

HH: „Haben andere Tugenden gesehen“

„Ich freue mich natürlich unheimlich über den Sieg“, strahlt Heiko Herrlich, „es war klar, dass nach vier Spielen ohne Sieg andere Tugenden gefragt waren – die haben wir gesehen.“ Ein Kampfspiel sei es gewesen, in dem man gleich zu Beginn kompakt gestanden sei. „In der ersten Halbzeit haben wir eigentlich wenig zugelassen, bis auf den Rückpass von Benedikt Saller, die zur ersten Großchence führt.“ Man habe mehr für das Spiel getan, zurecht 1:0 geführt, habe es dann aber verpasst, das 2:0 nachzulegen.

„Wir hatten eine Super-Pressing-Situation, wo wir den Ball eigentlich schon erobert haben, uns gegenseitig dann über den Haufen laufen und im Gegenzug das 1:1 bekommen.“ In der zweiten Hälfte habe man sich schwer getan, die Zuschauer seien unruhig geworden. „Trotzdem haben wir versucht, nach vorne zu spielen, das 2:1 gemacht.“ Dann erneute Kritik: „Wir hätten schon viel früher den Sack zu machen, die Überzahlsituationen besser ausspielen müssen.“

Bauchschmerzen wegen Ziereis

Fünf neue in der Startelf: Sebastian Nachreiner, Marcel Hofrath, Benedikt Saller, Haris Hyseni, André Luge – einzelne wollte Herrlich nicht herausheben, „es war wieder eine Teamleistung“ – wichtig sei, dass wieder von hinten Druck auf die Stammspieler ausgeübt werde. „Alle fünf inklusive Uwe Hesse, der eigewechselt wurde, haben ihre Sache gut gemacht.“

Denke der Trainer an Markus Ziereis, bekomme er Bauchschmerzen, habe deshalb zu ihm gesagt: „Ich weiß, dass du mit deinen Touren einen maßgeblichen Anteil am Aufstieg hattest, dass du dich in jedem Training voll reinhaust – aber momentan sehe ich Marco Grüttner und Haris Hyseni einen Tick vorne.“ Kleiner Trost: Mit seinen zwei Toren in der U23 trägt Ziereis zum Klassenerhalt der zweiten Mannschaft in der Bayernliga bei (7:2 beim TSV Kottern, jetzt 12.).

Schlampige Gier

Die Gier ist den Rot-Weißen mit der schwarzen Armbinde schon anzumerken, aber der SSV vermasselt sich in der Anfangsphase mögliche Chancen durch schlampige Zuspiele beim Spielaufbau – besonders der hochmotivierte Benedikt Saller fällt dabei auf. Wehen-Wiesbaden wirkt da insgesamt ruhiger, zielgerichteter, ohne auch nur einen Deut weniger Aggressivität an den Tag zu legen – ganz im Gegenteil.

Ist das schon Abstiegskampf? Gelb für Stéphane Mvibudulu nachdem er Knoll im Jahn Strafraum mit Bein am Kopf umwuchtet (4.). Die erste gefährliche Situation vor dem Jahn-Tor: Alf Mintzel kann Robert Andrich viel zu einfach am Elfmeterpunkt anspielen, der zielt knapp rechts vorbei (9.). David Blacha versucht es mit der Direktabnahme vom Strafraum in den düsteren Wolkenhimmel (15.). Marvin Knoll rettet mit gutem Stellungsspiel und Köpfchen vor dem völlig freien Luca Schnellbacher (17.).

Luges unvollendete Taten

Auf der anderen Seite hat jetzt André Luge oft genug seine graublond gefärbte Mähne ausgeschüttelt, Zeit für richtige Taten: steil geschickt über rechts flankt der Doppeltorschütze von Würzburg auf Hyseni am 5er, der die Kugel an Keeper Markus Kolke vorbei schlenzt – aber eben auch am Tor (18.). Dicker Bock von Saller, der den Ball am Strafraum in Schnellbachers Beine spielt, der stochert die Kugel aber in Pentkes Schoß (19.).

Unvorstellbar, Luge bricht aus abseitsverdächtiger Position durch, umspielt den Keeper, lässt sich von den drei mitgelaufenen Hessen etwas abdrängen und trifft dann Mintzels Hacken neben dem Pfosten (24.). Auch Jann George ist kurz darauf fast durch, wird aber von Steven Rupprecht am Trikot gezerrt – Gelb für den Wehener. Im Nachgang des schwachen Freistoßes erspielt sich Hofrath den nächsten Versuch. Diesmal kurz vorm 16er fast zentral – Erik Thommy rückt sich die Kugel zurecht und versenkt sie im oberen rechten Winkel, irgendwie zwischen den Armen Kolkes hindurch 1:0 (27.).

Steilvorlagen für Luge

Das Tor entfacht noch mehr Gier: In mehrere Steilpässe kann Keeper Kolke gerade noch so vor Luge (30./35.) reinrutschen – und Mvibudulu bettelt auf Höhe Mittellinie um Rot: letzte Mahnung von Schiri Tobias Fritsch (31.). Kurz drauf nimmt ihn sein Trainer vom Platz und bringt Sven Müller (38.). Diese Schlammschlacht ist noch lange nicht entschieden, da wird um jeden Millimeter gefightet.

Immer wieder beißt sich Neongelbgrün in den Regensburger Strafraum, Schnellbergers scharfen Pass verpasst zunächst Andrich, aber Ex-Löwe Vladimir Kovac schnappt sich die Kugel und stochert zum 1:1 ein – Philipp Pentke reagiert da nicht so blitzartig wie gewohnt (41.). Danach eine strittige Situation, als Luge im Gäste-Strafraum fällt – es geht weiter, Jann George kommt von links angerauscht, verballert das Ding aber voreilig (44.). Pentke kann’s nicht lassen: Zwar ist seine Ausschuss-Passquote jetzt immerhin bei 50 Prozent angekommen, aber dennoch ist das noch ein Haufen Holz an überflüssigen Ballverlusten. Zeit für neue Ideen beim Pausentee!

Viel Leerlauf in Hälfte zwei

Gut, auch Markus Kolke verheddert sich schon mal die Beine beim Ausschuss – etwas ungenauer Rückpass auf den SVWW-Keeper, er legt sich das Ding quer durch den Fünfer, kommt ins Rutschen und spielt ins Seitenaus. Aber der Jahn macht nichts aus dem unvermuteten Ballgewinn (47.). Zwei Szenen, die andeuten, warum Hyseni und Luge wohl bisher meist zweite Wahl waren: Haris hat sich rechts den Ball erkämpft und verstolpert ihn wieder (48.). André läuft mächtig an und verhudelt die Kugel zweimal (49.).

Die erste Halbchance nach Pass auf Hyseni, der bedrängt vom Fünfer an Kolke scheitert (53.). Dann ist Jann George rechts durch, bringt den Pass aber zu ungenau – nicht der Tag des besten Regensburger Schützen. Unglaublich, wie Erik Thommy die Gäste im Strafraum austanzt – leider springt dabei nur eine Ecke raus. Und dann fällt Luge aus aussichtsreichster Position wieder über seine langen Beine.

Thommys Doppelpack

Der Jahn hat das Spiel mittlerweile bei stürmischen Wetterverhältnissen ganz gut im Griff, allein, es fehlt die Effektivität. Wehen versucht’s derweil über Konter: Knoll geht auf Nummer sicher, Ecke (63.) – Blacha bekommt den zweiten Ball, Pentke rutscht das Ding aus acht Metern fast noch durch die Beine. André Luge sieht Keeper Kolke zu weit vorm Kasten und versucht’s aus 60 Metern … die Kugel verhungert. Langsam dreht sich das Spiel wieder, Wehen meldet sich zurück und verkürzt auch beim Eckenverhältnis auf 4:5.

Zeit für den Doppelwechsel: Marco Grüttner und Kolja Pusch kommen für George und Hyseni. Je länger das Spiel dauert, desto ungenauer wird Luge – unbedrängt spielt er rechts außen einem Grellgelben in die Beine (71.). Schöne Kombination über rechts, Pass auf Pusch, der von hinten etwas geschoben wird und zu Boden geht – den Elfer bekommt er nicht, das ist zu wenig, aber der mit Abstand beste Spieler auf dem Platz lässt sich davon nicht ablenken und versenkt die Kugel mit Direktabnahme zum 2:1 im rechten Winkel – Doppelpack von Erik Thommy (74.).

Thommys Muskelverhärtung

Doch oh Weh, oh Weh, schon beim Jubeln merkt man, da hat er sich verletzt (75.). Es wird nicht weitergehen für den Mann, der den Unterschied ausmachen kann – Stand 20 Uhr: keine schwere Verletzung, nur eine Muskelverhärtung. Während auch Mintzels 250. Spiel zu Ende geht, kommt für den verletzten Leih-Augsburger Uwe Hesse. Der führt sich ein, wie man ihn kennt: starke Balleroberung, rasanter Spurt über rechts und dann der Pass an des Gegners Bein (77.). Das steckt an, auch Oli Hein tut es ihm gleich – erst bekommt er noch den Einwurf, dann flankt er gleich ins Aus (80.).

Gute Chance für Pusch, der sich im Strafraum die Kugel zurechtrückt, Drehschuss aus 14 Metern, Kolke ist unten (81.). Schlussspurt beim Gast: Wehen schickt Manuel Schäffler für Kovac ins Rennen (84.). Die Jahn Abwehr immer wieder mal kein Vergnügen – der Ball kullert durch die Mitte, drei Blendgelbe verpassen, Hein irgendwie zur Ecke (85.). Und im gefühlt zehnten Anlauf endlich der tödliche Konter: Nach Sallers Steilpass ist Pusch auf und davon und legt cool quer auf Grüttner, 3:1 (92.). Ganz anders Luge in der gleichen Situation danach – sein Pass geht zum Gegner, egal, Aus!

Ein eminent wichtiger Aki-Schmid-Gedächtnis-Dreier für den Jahn – Regensburg verbessert sich auf Rang 12 (21 Punkte, 24:25 Tore) mit vier Punkte Abstand zum Aufstiegsplatz und sechs zur Abstiegszone. Und bitte merken: Jetzt mit derselben Gier ins Training am Montag marschieren, um am kommenden Samstag, 14 Uhr, an der Waterkant bei Holstein Kiel (10./21), und die Woche darauf, Freitag, 18.30 Uhr, gegen Rotweiß Erfurt (14./19) nachlegen.
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