Jahn Regensburg nach 4:1 gegen Memmingen auf Zielgerade zur Meisterschaft
Zwei Spiele, vier Punkte, fünf Tore Vorsprung

So geht Team-Building: Nicht nur Torschütze Markus Ziereis steht beim kollektiven Jubel im Fokus, auch Vorkämpfer Uwe Hesse (dritter von links, beim Flügelschlagen mit Ali Odabas) bekommt sein Fett weg.
Sport
Regensburg
07.05.2016
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Uwe Hesse verdient sich heute wieder ein Fleißkärtchen.
 
Über die rechte Seite sorgt hier mal Kolja Pusch für Gefahr, Markus Ziereis lauert schon wieder.
 
Der winzige Moment, in dem sich entscheidet, ob die Kugel ins Netz plumpst - sie tut es, zum frühen 1:0.
Regensburg: Continental-Arena |

Man muss es nicht immer spannend machen: Das 4:1 des SSV Jahn gegen den FC Memmingen vor 4561 zufriedenen Zuschauern war meist ein entspanntes Feierabendvergnügen – mit Ausnahme einiger Minuten nach dem unnötigen Anschlusstreffer zum 1:2. Ansonsten schielten die Berichterstatter auf die Live-Ticker aus den anderen Stadien: Der FC Amberg tat beim 0:2 gegen Burghausen sich und Regensburg keinen Gefallen. Aber Aschaffenburgs 1:0 gegen Nürnberg bringt den SSV einen Schritt näher zur Meisterschaft.

„Unser Ziel war heute nicht, als Tourist hierherzufahren“, zeigt sich Memmingens Trainer Christian Braun mit den Sightseeing-Impressionen aus dem Weltkulturerbe unzufrieden. „Ein paar schöne Eindrücke mitzunehmen und dann mit einer Packung wieder nach Hause zu fahren, das war nicht unser großes Ziel.“

Woran lag’s? Zu großer Respekt, ängstlich auch in den Zweikämpfen, normalerweise eine große Stärke der Allgäuer. Und: „Wir haben es mit den ersten beiden Gegentoren dem Gegner natürlich sehr einfach gemacht – ein Ballverlust 30 Meter vorm Tor beim 0:1 und das 0:2 dann eine Standardsituation, die wir auch nicht konsequent genug verteidigt haben.“

„Dritte Liga nicht nur wünschenswert“

Nur kurz währte die Freude, mit einem „sehr schönen Tor zum 2:1 wieder im Spiel“ gewesen zu sein. „Mit dem 3:1 unmittelbar nach der Pause muss man sagen, dass die Körpersprache bei uns nicht mehr ausreichend war, um das Spiel nochmal zu drehen.“ Nachdem Braun zu Beginn auch dem SSV den Druck etwas anzumerken meinte, habe dieser in der zweiten Hälfte sehr befreit aufgespielt: „In der Phase war der Jahn absolut überlegen und es hätte dann zum Schluss auch etwas höher ausgehen können.“

Ein Glückwunsch mehr an Regensburg zum Sieg und zur Verteidigung der Tabellenführung: „Mit dem Stadion und dem Umfeld hier ist Dritte Liga nicht nur wünschenswert, sondern das hätte die Stadt, die Region sicherlich auch verdient.“

HH: Wegen Geipls Verletzung wenig Freude

Heiko Herrlich konnte sich zunächst gar nicht richtig freuen über den Sieg heute, „weil das war natürlich schon ein brutaler Zusammenstoß von Andi Geipl mit Oli Hein. Der Doc hat mir gerade in der Kabine gesagt, dass es nicht so gut aussieht, dass da wahrscheinlich etwas gebrochen ist – und zwar nicht nur das Nasenbein, sondern auch der Kieferhöhlenboden.“ Er sei erst genäht und dann ins Krankenhaus gebracht worden.

Mit der Leistung und dem Ergebnis sei er natürlich sehr zufrieden. „Ich denke, dass wir gut ins Spiel gekommen sind, sehr dominiert haben, versucht haben, den Ball immer wieder im direkten Gegenpressing zurückzuerobern, dem Gegner keinen Raum gegeben haben, sich zu entfalten, uns zahlreiche Möglichkeiten erspielt und die beiden Tore gemacht haben.“ Einziger Wermutstropfen: „Beim 2:0 haben wir einmal den Ball selbst verloren, dadurch für Gefahr gesorgt vor unserem eigenen Tor.“ Und beim Gegentor habe man schlecht verteidigt und einen riesen Fehler gemacht: „Das war ärgerlich, dadurch haben wir den Gegner nochmal aufgebaut.“

Das eine oder andere Tor mehr

Ohne Abstriche positiv beschreibt der Jahn-Trainer die zweite Halbzeit: „Ich denke, da war’s `ne klare Sache. Wir hätten vielleicht das eine oder andere Tor mehr machen können.“ Besonders viel Druck auf seiner Mannschaft konnte Herrlich nicht erkennen: „Wir hatten, glaube ich, nach 40 Sekunden die erste Torchance – wo Marc Lais übers Tor schießt, wo er den Ball nicht richtig trifft, das war aber sehr gut herausgespielt.“ Oli Hein habe er nach 75 Minuten vom Platz genommen, weil ihm nach dem Zusammenstoß mit Geipl „auch ein bisschen schwindelig“ gewesen sei.

Auf Nachfrage gibt’s auch ein paar Frühlingsblumen für den unermüdlichen Kämpfer Uwe Hesse, auch wenn nicht alles klappt, was der blonde Schlacks versucht: „Er kommt immer mehr in Schwung“, lobt Herrlich, „es wäre schön, wenn er nochmal ein Tor machen würde in der Endphase.

Resümee vorm Spielbericht


Das gefällt:
• Der Jahn immer wieder mit gefälligem Spielaufbau, aggressives Pressing, dadurch einige Chancen herausgespielt.
• Gerade Uwe Hesse und Alexander Nandzik sorgen durch frühe Störmanöver für Gefahr in der anderen Hälfte.
• Und Markus Ziereis ist gerade rechtzeitig in Schlagdistanz zu den Relegationsspielen mit einem erneuten unechten Hattrick zurück als Torschützenkönig der Liga.

Das gefällt nicht:
• Nach vorne hat der FC Memmingen nicht gerade die Tormaschine des FC Barcelona, dennoch reichen zwei, drei Schwarze, um die gesamte Hintermannschaft ins Wanken zu bringen – nach dem Motto ZEN, Zuschauen, Entspannen, Nachdenken begleiten die Regensburger die gegnerischen Stürmer vor den Kasten und bringen mit unkontrollierten Kerzen oder possierlichen Ausrutschern Philipp Pentke in Rage.
• Noch immer schöpfen einige Spieler ihr Potenzial nicht voll aus: Wenn Uwe Hesse, Alexander Nandzik, Kolja Pusch oder Andi Geipl ihre gute Aufbauarbeit mit dem genauen letzten Pass krönen könnten, wäre die Relegation längst in trockenen Tüchern.

Memmingen zu Beginn gut gestaffelt

Erste schnelle Aktion über Uwe Hesse, Hereingabe von rechts auf Marc Lais, der die Kugel nicht richtig trifft (1.). Memmingen zu Beginn präsent und aggressiv, als wollten die hier noch was zerreißen – bei einem ersten Konter muss Pentke weit raus (4.). Der Jahn arbeitet sich an der gut gestaffelten schwarzen Elf ab, Ali Odabas mit dem Pass ins linke Nichts, Hesse scheitert im 1:1, auch Oli Hein mit dem Fehlpass.

So geht’s: Uwe Hesse spritzt in den gegnerischen Spielaufbau, der Jahn spielt die 3:3-Situation klug aus, Hesse bedient Ziereis, der läuft in den 16er, bleibt cool, schiebt rechts unten ein 1:0 (9.). Die ersten zwei begrenzt erfreulichen Ecken – Ertrag: eine Direktabnahme Geipls in die Abendsonne. Auch gern gesehen: Pentkes weite Abstöße ins Toraus des Memminger Kollegen Martin Gruber (17.).

Ein Like für die Schiedsrichterin

Schiedsrichterin Angelika Söder ist bisher konsequent, auch beim Foul an Andi Geipl, der in aussichtsreicher Position etwas zu lange liegen bliebt, als dass man sich über den Freistoß freuen könnte: Er humpelt Richtung Bank, geht’s weiter (20.)? Lange Rede … Palionis in die Mauer … Geipl wieder drin, aber er schleicht noch angeschlagen übers Feld, während Odabas eine Freistoßflanke drüberköpft (22.). Riesenbock von Geipl im Mittelfeld, den er mit einem Foul ausbügeln muss (24.). Konter über Hesse, der den Ball von rechts zu ungenau bringt. Die folgende kurze Ecke mit dem George-Trick, aber er muss erst einen Haken schlagen und ballert dann drei Meter drüber (25.).

Mit der Frau kann man reden: Nandzik erklärt die Sachlage, Schiedsrichterin Söder maßregelt den Memminger. So viel Souveränität würde man auch mal den Herren wünschen. Erste Offensivaktion der Allgäuer: Ein Regensburger stolpert, der Stürmer geht unbedrängt bis zur Grundlinie, die Flanke noch von einem Jahn-Kopf fast zum Eigentor verlängert, ehe Nandzik schimpfend zur Ecke klärt (28.). Beim Konter wird Geipl gelbwürdig gestoppt: Puschs Freistoß kommt auf Ziereisens Köpfchen, der sackt aus 11 Metern ein, 2:0 (29.). Gleich im Anschluss kann er den Hattrick perfekt machen, gibt aber so uneigennützig wie sinnfrei den Ball zum Gegner.

Pentke sauer: stümperhafte Abwehr

Jetzt muss man die Schiedsrichterin ein wenig tadeln: Sie lässt beim Jahn schon sehr viel laufen, auch wenn Markus Palionis aufreizend schubst. Nandzik mit der nächsten Großchance: Er ist links durch bis zur Grundlinie, die Hereingabe geht ins Leere (32.). Interessante Kerze im eigenen Strafraum, die Pentke aus dem Dreieck fischen muss (35.). Und dann ist es wieder passiert: Da lassen sie Fabian Krogler rechts laufen, Flanke auf Tim Buchmann, der nur noch den Fuß hinhalten muss, 2:1 (38.) – Pentke regt sich lautstark über die ungemein stümperhafte Abwehrarbeit auf.

Gelb gegen Andreas Mayer, nachdem sich Nandzik auf der linken Außenbahn den Kopf hält und behandelt wird (42.). Der Keeper fängt Puschens unpräzise Flanke im Nachfassen. So leicht kann man Memmingen unter Druck setzen – hoch verteidigen, Ballverlust, Einwurf, Pusch durch die Beine auf Hein, der an der Grundlinie fast ins Tor laufen kann und erst in letzter Sekunde gestoppt wird (43.).

Wieder ein Blitzstart

Wie zu Beginn des Spiels auch in Hälfte zwei die schnelle Chance: Das wär’s gewesen für Jann George, aber Lais nimmt ihm den Ball vom Fuß, sonst hätte die 9 alleine auf den Keeper zulaufen können (46.). Das hat er sich aber jetzt verdient: George mit dem Ballgewinn, klasse Flanke auf Nandzik, der verlängert auf Ziereis und der Torjäger heute unwiderstehlich auch mit dem 3:1 dabei (49.).

Gut gedacht, schlecht gemacht: Ziereis schnappt sich die Kugel und schickt Pusch ins Abseits (53.). Schon wieder Andi Geipl am Boden: Gerade noch schlägt er den genialen Diagonalpass, kaum zwei Minuten später bekommt er was auf die Nase – ein unglücklicher Zusammenstoß mit Sportsfreund Oli Hein. Der Mittelfeldregisseur wird mehrere Minuten behandelt, hält sich ein blutstillendes Tuch über sein Riechorgan und wird schließlich hinausgetragen (60.) – mit Haris Hyseni soll’s noch stürmischer werden.

Schlussoffensive

Nach klasse Vorarbeit von Hesse, der gefoult wird, entscheidet die Schiri auf Vorteil für den langen Ball nach links, Nandzik wird erst im 16er geblockt (70.). Das muss jetzt nicht sein: Der SSV schiebt sich den Ball zu wie weiland Deutschland gegen Österreich – nachdem dann endgültig alle Räume zugestellt sind, Heins ganz langer Ball an die Außenlinie und ins Aus – Aus auch für den Comebacker des Tages, für den Kevin Hofmann kommt (75.).

Das war mal ein Kracher: Pusch steckt für Haris Hyseni durch, der das Kunstleder in den Winkel zimmert, 4:1 (78.). Hattrick-Ziereis wird fürstlich verabschiedet, für ihn bekommt Daniel Schöpf Praxiszeit (81.). Jann George mit dem Seitfallzieher holt die Ecke – dann hätte er noch gerne den Elfer. O.k., zu viel des Guten, findet auch die Schiedsrichterin und winkt ab (83.). Nochmal ein schöner Zug über George, Hereingabe auf Pusch, der knallt daneben (87.). Auch Schöpf weigert sich, aus zehn Metern die Bude zu machen – allein vorm Keeper hebt er die Kugel daneben (88.). Hyseni nach klasse Kombination scheitert an Gruber, und Hesse von ganz weit rechts draußen verballert die Ecke (89.).

Torverhältnis statt direkter Vergleich

Das hätte ja fast noch zweistellig werden können – aber mittlerweile hat der Jahn auch so schon 5 Tore Vorsprung auf Burghausen und 7 auf Nürnberg – bei 4 Punkten Distanz zu beiden vorm Gastspiel bei Greuther-Fürth. Schließlich zählt – falls der BFV nicht wieder in aller Stille an den Statuten gedreht hat – in der Regionalliga Bayern seit vergangener Saison bei Punktgleichheit die Tordifferenz. Damals ein Novum, das für viel Ärger sorgte, weil viele Trainer von der Neuregelung nichts wussten.

Und der Gast aus Memmingen? „Wir schauen, dass wir den einen Punkt, den wir rechnerisch noch brauchen, dann eben im Heimspiel gegen Schweinfurt einfahren“, sagt Christian Braun.
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