Jahn Regensburg trotzt Fortuna bei Wasserschlacht einen Punkt ab
Hyseni köpft Köln von der Spitze

Auch Philipp Pentke kommt zum Abschlussball. Bild: Herda
Sport
Regensburg
17.09.2016
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Wasserrutsche: Hamdi Dahmani freut sich über den Führungstreffer. Bild: Herda
 
Andi Geipl mit der Führungschance in der ersten Minute. Bild: Herda
 
Haareraufen nach den ersten Minuten. Bild: Herda
Regensburg: Continental-Arena |

4123 Zuschauer trotzen dem sturmgepeitschten Regen, der sogar die Pressetribüne nass macht. Sie sehen eine umkämpfte Wasserschlacht, bei der der SSV Jahn bei 12:4-Ecken mehr für das Spiel tut, Fortuna Köln aber gefährlicher kontert. Das logische Ergebnis: ein leistungsgerechtes 2:2, das der eingewechselte Haris Hyseni allerdings erst in der 94. Minute mit Köpfchen erzwingt.

„Für Unentschieden gibt‘s zwar nur einen Punkt, es fühlt sich trotzdem an wie ein Sieg“, kommentiert Jahn-Trainer Heiko Herrlich den Ausgleich seines Jokers mit dem Schlusspfiff. „Großes Kompliment an meine Mannschaft, wir haben nach dem verlorenen Spiel in Lotte Mentalität eingefordert.“ Zweimal in Rückstand, bis zum Schluss gefightet, alles gegeben, um das Spiel nochmal zu drehen: „Mit diesem Gefühl fahren wir jetzt auch nach Zwickau, das soll uns beflügeln.“

Nur drei herausgespielte Möglichkeiten

Herrlichs Spiel-Nacherzählung: „Wir kommen ganz gut rein, haben direkt eine sehr gute Möglichkeit, wo wir 1:0 in Führung gehen können nach einer Minute.“ Nach zehn Minuten aber sei der Faden etwas gerissen. „Wir haben zwar mehr Ballbesitz gehabt, sind aber im letzten Drittel nicht gut zum Abschluss gekommen.“ Fortuna Köln habe es dem Jahn erwartet schwer gemacht. „Wir hatten nur drei herausgespielte Möglichkeiten“, der niedrigste Wert in dieser Saison.

„Ich habe die Mannschaft ermuntert, in der zweiten Halbzeit nochmal alles zu versuchen.“ Mit zwischenzeitlichem Erfolg, weil der SSV den Ausgleich in einer kurzen Powerplay-Phase nach der Pause erzwingt – nach Eckensalve zieht Erik Thommy ab, Keeper Tim Boss reagiert glänzend, aber Marc Lais netzt per Flugkopfball ein (52.).

Wiedersehenspräsent für Alibaz

„Dann bekommen wir wieder einen Gegentreffer“, seufzt Herrlich zurecht. Denn dieser Elfer ist ein lupenreines Wiedersehenspräsent für Regensburgs Ex-Regisseur Selçuk Alibaz – Lais zupfelt am Trikot des Deutschtürken, der kurz vor der Grundlinie dankbar fällt. „Auch wir waren mit dem Berater von Alibaz in Kontakt", verrät Sportchef Christian Keller auf Nachfrage, „konnten und wollten die Forderungen aber nicht mitgehen.“ Denn fälligen Strafstoß versenkt Marc Brasnic ohne Mühe, 1:2 (59.).

Doch die Regensburger zeigen die Tugenden, die der gestrenge Lehrmeister sehen will: Mit viel Moral und etwas Glück bei den Blitzkontern der Gäste schaffen sie den verdienten Ausgleich. Ausgleichende Gerechtigkeit, findet dann auch Glückspilz Hyseni: „Wir haben zuletzt in letzter Minute verloren, diesmal haben wir uns zum Schluss belohnt.“

Koschinat: „Gewonnener Punkt“

Von wegen eine gefühlte Niederlage: Kölns Trainer Uwe Koschinat sagt ohne jede Einschränkung: „Das ist ein gewonnener Punkt für uns, weil Jahn Regensburg heute ausreichend Möglichkeiten hatte, früher den Ausgleich zu machen.“ In der Phase um das 1:1 herum sei für den SSV mehr möglich gewesen. „Da sind wir ziemlich geschwommen, konnten selten standhalten, jedenfalls nicht gut organisiert.“ Freilich, auch seine Kölner hätten die Möglichkeiten gehabt, das Spiel früher zu entscheiden, zumindest auf zwei Tore zu erhöhen.

Aber noch einmal: „Raus aus der Euphorie, raus aus der Emotion. Es war heute sicherlich so, dass wir Phasen des Spiels hatten, wo wir nicht die Kontrolle hatten, einzelne Spieler nicht an ihr Optimum kamen – deshalb bin ich völlig zufrieden mit diesem 2:2.“ Man habe sich einen großen Fight geliefert bei schwierigen Witterungsbedingungen und Platzverhältnissen. Auch wenn der Ausgleich in letzter Sekunde fiel: „Ich bin schon der Meinung, dass sich den Jahn Regensburg mehr als verdient hatte.“

Himmelblau nur die Trikots

Das einzig Himmelblaue an diesem Schietwettersamstag sind die Trikots der Fortuna. Dafür gleich der erste Konter der Regensburger brandgefährlich: Erst Jann George etwas ungenau bei der Ballannahme, das kostet Sekunden, dann doch noch Andi Geipl im Strafraum mit dem Schuss aus spitzem Winkel, die Kugel bleibt dem Keeper zwischen den Beinen kleben (2.).

Die Ansage bei glitschigem Spielgerät: Schießen aus allen Lagen. Freistoß 30 Meter halbrechts, Pusch versucht’s direkt, der könnte dem Boss ja verrutschen, aber zu genau in dessen Patscher (3.). An der Seitenlinie tobt bereits der Fortuna-Trainer. Erneut Freistoß für Regensburg, diesmal versucht sich Erik Thommy, 35 Meter halblinks in die Weiten der Arena (5.). Der Jahn bisher hellwach, aggressives Forchecking, zwingt Köln zu Fehlern.

Souza bringt Knoll auf die Palme

Nichts beschreien: Ballverlust im Mittelfeld, keiner geht auf Cauly Souza, der kann vom Strafraum schießen, Knoll wirft sich dazwischen, erste Ecke für Köln (6.). Aber schon wieder die Gäste unter Druck: schwacher Abschlag des Keepers, Pusch holt die Kugel runter, reicht weiter zu Geipl – erste Jahn-Ecke (8.), aber Marco Grüttner bringt den hohen Ball am zweiten Pfosten nicht mehr gedrückt.

Köln wehrt sich mit vielen taktischen Nickligkeiten, wie Engelmann an Thommy (5.) und jetzt erneut eine brachiale Störung des Spielaufbaus. Da kann man mal mit Gelb bremsen (12.). Das nächste Foul nach Ballverlust bringt dann Markus Pazurek die erste Karte ein (18.). Thommys direkter Freistoß aus 40 Metern ist dann doch eine Schippe zu weit, kein Problem für Boss.

Den Boss zu Fehlern zwingen

Diesen Keeper kann man schon mal anlaufen, da macht er Fehler. Grüttner weiß das und erzwingt den nächsten Ballverlust der Kölner (19.). Ein wenig Fremdkörper heute im Mittelfeld Marc Lais, der einen Tick zu lange überlegt und ungenau an Nandzik weiterreicht (21.). So, nächstes Foul, fast nach jedem Zweikampf sitzt ein Regensburger unfreiwillig am Hosenboden. Thommys Freistoß von halbrechts nach innen, Knolls Kopfball drüber (23.).

Die Regensburger Abwehr ist nicht immer auf der Höhe: Alex Nandzik kommt links weit raus, erreicht den Ball nicht, danach kombinieren sich die Kölner durch den Strafraum, Nandzik fehlt, zum Glück für den Jahn nur ein harmloser Rückpass aus 10 Metern völlig freistehend (24.). Immer wieder Souza mit zu viel Raum, der letzte Pass auf Pazurek etwas zu weit – Pentke früher am Ball (25.). Mittlerweile egalisieren sich beide Mannschaften, Geipl sucht vergeblich die Lücke, gibt weiter zu Pusch, deutlich drüber (26.).

Vorentscheidung möglich

Großchance für Köln, Flanke von rechts, Kopfball Kristoffer Andersen, Pentke unten, Pfosten, Ecke (27.). Ja, wie blöd ist das denn? Die Jahn-Abwehr verspielt den Ballbesitz, Köln mit ein paar Kombis und dann knallt Hamdi Dahmani die Kugel von 18 Metern ins linke untere Eck, 0:1 (32.). Der Jahn versucht mit viel Kleinarbeit um den Strafraum zurückzuschlagen, Thommy holt die Ecke. Lais anstatt zu schießen, verblödelt den Ball, Souza auf und davon, Saller hechelt hinten her, vielleicht stört den Brasilianer dessen heißer Atem, Pentke nimmt ihm den Ball vom Fuß, Riesenglück dass er nicht einfach abzieht (37.).

Maik Kegel verletzt sich beim Versuch, den Konter von Thommy zu unterbinden – verhaltene Wiedersehensfreude: Alibaz läuft auf. Grüttner im Strafraum nur mit Rückpass zum Keeper (42.). Köln jetzt stärker, in letzter Sekunde wirft sich einer dazwischen, Ecke (43.). Jetzt fällt auch der Bildschirm aus … wohl nicht platzregenfest. Das ist jetzt einfach zu wenig, was der Jahn nach vorne versucht, George mit Schuss aus 25 Metern in Bossens gelbe Arme und dann noch ein ungenauer Pass hinterher, Halbzeit.

Der fliegende Lais

Erstes Aaahhh in Halbzeit 2, nach Puschens Ecke auf Sven Kopp, aber noch kommt ein Hellblauer dazwischen. Thommy mit dem Solo, der Abschluss abgefälscht, erneut Ecke. Kölns Hintermannschaft erinnert in dieser Phase an Nizza, mehrfacher Ballverlust um den eigenen Strafraum, aber Regensburg fehlt eben auch ein Baba. Nächste Ecke bei diesem kleinen Powerplay – und das Ding muss doch rein: Im dritten Anlauf köpft Lais fliegend den Abpraller zum 1:1 ins Netz (53.).

Köln bleibt sich in der harten Gangart treu, Boné Uaferro zieht durch, sieht Gelb, aber Freistoß Köln, weil Regensburg zuerst foulte – immerhin Grüttner steht wieder. Aargh, Lais immer wieder mit dem Fehlpass, diesmal mit Kopf, das wäre ein gute Konterchance gewesen (56.). Unglaublich, Alibaz wuselt sich bis zum Fünfer und holt den Elfer: Marc Brasnic mühelos zum 1:2 (59.). Auch Pusch sieht zurecht Gelb nach überflüssigem Ballverlust gleich nach dem Anstoß tritt er von hinten.

Wechselbörse ohne Ziereis

Bei jedem Ballkontakt spritzen Fontänen. Jann George erkämpft sich den Ball im Mittelfeld, Klasse steil gespielt, Doppelpass, George allein vor Boss schießt die Kugel auf die Schoner. Weite Flanke Nandzik, Boss mit der Faust, Ecke. Im rechten Strafraum wird ein Regensburger am Trikot gezogen, kein Elfer. Dafür Gelb gegen George, nachdem sich ein Blauer theatralisch kugelt (68.). Der Schiri verliert allmählich die Übersicht: Pusch wird gefällt, das Spiel läuft weiter, der Schiri blickt ratlos.

Ist Haris Hyseni der richtige Mann für diese Situation? Lais geht vom Platz. Andi Geipl hat am 16er Zeit und Raum und haut drüber (73.). Jetzt muss auch George runter, Marcel Hofrath mit der überraschenden Bewährungsprobe (77.). Die nächsten zwei Ecken, man kann dem Jahn wenig vorwerfen, Boss unterfliegt die Kugel, aber es ist keiner da, der das ausnutzen könnte (79.).

Pentke rettet die Restchance

Und wieder liegt die 4, der Jahn kann sich lange nicht entschließen, den Ball abzugeben. Totale Offensive, Patrik Džalto für Kopp, Markus Ziereis heute nicht in Herrlichs Gunst. Hoffentlich behält er damit Recht (83.). Nach starker Klärung von Saller läuft der Gegenangriff, bei dem Hyseni zuletzt zu spät kommt – zum Schluss ein offener Schlagabtausch: Pentke rettet die hauchdünne Restchance (87.). 12:4-Ecken, das muss sich doch auszahlen – und dann erzwingen sie den hochverdienten Ausgleich mit dem Abpfiff. Haris Hyseni behält die Nerven, 2:2 (94.).

Ein wichtiger Punkt für die Psyche der Regensburger: Die Arena tobt, die Hans-Jakob-Tribüne ist aus dem Häuschen, die Spieler unterwegs zu den Fans. Anerkennung für die moralische Aufholjagd. So kann der SSV Jahn (7./ 11 Punkte) am Dienstag, 19.30 Uhr, mit Rückenwind zum Mitaufsteiger nach Zwickau (17./5) fahren. Höhepunkt und Abschluss der englischen Woche: Das Heimspiel am kommenden Samstag, 14 Uhr, gegen Zweitligaabsteiger Paderborn (13./9).
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