Jahn Regensburg vor der ersten Meisterschaftshürde bei Bayern II
„Wir haben noch nichts in der Hand“

Heiko Herrlich nach der bitteren Buchbach-Pleite: Gelingt nach Burghausen der zweite Auswärtsdreier gerade da, wo man ihn am wenigsten erwartet? (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
28.04.2016
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Unter Druck: Bayern-II-Coach Heiko Vogel ist alles andere als im Plan. (Foto: dpa)
 
Wie ein Vater: Alaba führt Jungstar Julien Green an der Hand. (Foto: dpa)
 
Jung-Bayer Sinan Kurt. (Foto: dpa)
München: Stadion an der Grünwalder Straße |

Es war der vorgezogene Saisonhöhepunkt: Vor der Regionalliga-Bayern-Rekordkulisse von 15.224 Zuschauern begeisterten elegante Junior-Bayern mit viel Ballbesitz in der ersten Halbzeit, dem der SSV Jahn in der zweiten Hälfte mit Tempofußball Paroli bot – Oli Heins Kopfball zum 1:1 in der 90. sorgte für den lautesten Jubelschrei seit Bestehen der Arena. Am Freitag, 19 Uhr, wäre für die Regensburger auch ein Punkt schon ein großer Schritt Richtung Meisterschaft.

„Ja, ich hoff, dass der Großteil Profi genug ist, um zu wissen, dass die Meisterschaft noch nicht durch ist“, lässt sich Jahn-Wiedererwecker Heiko Herrlich nicht kirre machen von Stimmen, die da munkeln: „Meisterschaft? Bei sieben Punkten Vorsprung auf Burghausen, den einzig erklärten Aufstiegswilligen in Reichweite, ist das doch wohl durch.“

Man muss jetzt nicht Pferdekotze und Apotheken zitieren, aber Fakt ist: Beim teuersten Kader der Liga, vulgo Bayern München, und beim erfolgreichsten Rückrundenteam, der SpVgg Greuther-Fürth II, kann man schon mal Punkte lassen. Und wie schwer der Jahn sich mit der U21 des 1. FC Nürnberg tat, darüber sagt das Hinspielergebnis (1:3) alles aus. Bleibt ein „leichtes“ Heimspiel, gegen die Remiskünstler aus Memmingen, wo man immerhin ein 1:1 ergatterte.

Der Jahn braucht noch zwei Siege

Umgekehrt ist es noch keine ausgemachte Sache, dass Wacker Burghausen, trotz aller Diskontinuität die Spiele gegen Augsburg (15./30 Punkte), in Amberg (16./28), gegen Illertissen (4./49) und in Bayreuth (6./46) kampflos abschenkt. Wer vor dem Hintergrund Allmachtfantasien entwickelt, sollte mal bei Dr. Müller-Wohlfahrt vorbeischauen. Besser wäre: zwei Siege und Platz eins unter Dach und Fach.

„Darüberhinaus geht’s ja auch darum“, gibt Herrlich zu bedenken, „wenn man den ersten Platz schafft, dann geht’s ja weiter, und allein deshalb muss man einfach die Spannung hochhalten.“ Damit „nerve“ er die Jungs jeden Tag: „Ich hoffe, dass ich meine Mannschaft damit eher nerve, als dass ich sie damit aufwecke – weil ich davon ausgehe, dass sie‘s genauso sieht und weiß, dass wir noch gar nichts in der Hand haben.“

Trostpreis klangvollstes Team

Gar nichts in der Hand außer den Trostpreis klangvollstes Team und Favorit der Bayern-Herzen hat FCBII-Coach Heiko Vogel (7./43). Als die Roten am 9. Oktober erstmals in der Continental-Arena aufkreuzten, galten sie trotz oder gerade wegen des irrwitzigen Spielerückstands als ärgster Jahn-Jäger – die Bayern-Bosse hatten beschlossen, die Jung-Talente mit auf China-Reise zu nehmen, die olle Regionalliga hatte darauf eben Rücksicht zu nehmen. Die Mini-Bayern holten das Versäumte nach, wann sie gerade lustig waren.

Schon da kündigte sich an, dass nicht alle Top-Hoffnungsträger dieser mentalen oder physischen Doppelbelastung gewachsen waren – sei es, dass sie mit Gedanken bereits in der Championsleague schwebten, sei es, dass sie als Nebenerwerbs-Marco-Polos überfordert waren. Die Favoritenrolle waren sie schnell los – da halfen Namen wie Julien Green, Gianluca Gaudino (mittlerweile St. Gallen), Patrick Weihrauch (brachte die Bayern im Hinspiel in Führung), Lucas Scholl oder Steeven Ribéry dann auch nichts mehr.

Söhne ehemaliger Stars

Es sind die Söhne ehemaliger Stars, die die Trainer der gegnerischen Mannschaften erst einmal mit der Zunge schnalzen lassen: „Diesmal ist es ja so, dass wenn man nach dem Blatt geht, wir nicht unbedingt der Favorit sind“, verkündet deshalb auch Heiko Herrlich brav. Doch Ergebnisse lügen nicht: Auch mit diesem Blatt auf der Hand schaffte Vogel in den letzten zehn Spielen gerade mal drei Siege gegen die RL-Riesen Schalding-Heining, Buchbach (mit Spott sollte man vorsichtig sein), und Ingolstadt – unterlag aber Bayreuth, Burghausen, Unterhaching, Greuther-Fürth und Nürnberg.

Sagen wir’s so, unschlagbar ist diese Truppe nicht gerade, auch wenn Herrlich sicher Recht hat mit der Charakterisierung: „Es ist so ein … Überraschungsei – eine spielstarke Mannschaft, die, wenn sie einen guten Tag hat, jede Mannschaft schlagen kann, darüber sind wir uns im Klaren.“ Wie man das unterbindet? Man lässt sie einfach keinen guten Tag haben, siehe zweite Halbzeit Hinspiel oder mit des Trainers Worten: „Wir müssen an unsere Grenze gehen, wir müssen sehen, dass wir wieder gut verteidigen, dass wir die Räume eng machen, dass wir sie nicht ins Spiel kommen lassen.“

Kommt der Gegner entgegen?

Und dann, man glaubt es nicht, auch im letzten Drittel ähnlich wie vergangene Woche Torchancen herausarbeiten und: „Dann die wenigen Torchancen, ich erwarte wenige Chancen, nicht so viele wie letzte Woche, die halt versuchen, zu nutzen.“ Ein bisschen Atlético Madrid also. Die gute Nachricht: „Es ist sicherlich ein Gegner, der uns entgegenkommt, weil er versucht mitzuspielen, dadurch haben wir nach Balleroberung auch Räume.“ Mit Blick auf Unterhaching vielleicht aber auch kein Freifahrtschein …

Klar, der frühere U-17-Coach des FCB kennt einige seiner Pappenheimer, die inzwischen nachgerückt sind und eine immer größere Rolle im Team spielen: „Mario Crnicki, Niklas Dorsch ist wieder gesund, Fabian Benko, Marco Friedl, die waren alle bei mir.“ Ein Vorteil sei das aber kaum, denn: „Ich schau nicht so sehr auf Einzelspieler, außer bei Ausnahmeerscheinungen wie Julien Green, da muss man vielleicht nochmal extra mit der Mannschaft reden.“

Die Taktik des Gegners

Ansonsten interessiert HH nur die Taktik des Gegners: „Wie er grundsätzlich die Spiele aufbaut, welche Räume er besetzt, da versucht Heiko Vogel sicher viele Dinge zu machen, die man bei der ersten Mannschaft sieht im Spielaufbau. Die spielen meistens mit Dreierkette, sind sehr variabel da im Positionsspiel und das müssen wir halt versuchen zu unterbinden.“ Und den leichten Aufwärtstrend nach dem deutlichen 4:0 am vergangenen Freitag beim FC Ingolstadt II. nicht zu vergessen.

„Es gilt für uns, auf den starken Leistungen der letzten Wochen aufzubauen“, macht deshalb Bayern-Trainer Heiko Vogel bei der PK Mut, „wir freuen uns auf die Partie gegen den Spitzenreiter.“ Er erwarte ein Duell auf spielerisch gutem Niveau. Verzichten müssten die Münchner auf Fabian Benko (Muskelverletzung), Riccardo Basta (Muskelbündelriss), Daniel Hägler (Innenbandriss), Sebastian Bösel (Rotsperre) und Valentin Micheli (Kreuzbandriss). Wieder mit dabei nach seiner Sperre: Milos Pantovic.

Wie heißt das Stadion gleich nochmal?

Heiko Herrlich hatte zuvor zwei Jahre die U17-Junioren des Rekordmeisters trainiert. „Ich freue mich, dass ich in so einem denkwürdigen Stadion, wie dem Münchener“, wie heißt das nochmal … „Stadion an der Grünwalder Straße“, souffliert Martin Koch – ja klar, wie soll man bei den Roten auch auf ein blaues Stadion kommen, bei dem noch dazu Erinnerungen an Günter Bortner, an 1:7 und 3:7 hochkommen – „…spielen kann, das ist immer ein schönes Erlebnis.“ Aber ansonsten hat Nostalgie keinen Platz in seinem Herzen: „Wir sind auf der Zielgerade, sind am ersten Platz, den wollen wir uns nicht mehr wegnehmen lassen und morgen kommt die erste Hürde, die müss’ma packen.“

Um dann auch noch die komplexe Personalsituation in den Griff zu bekommen, zieht Heiko Herrlich seine Schautafel: „Ich habe mir heute extra einen Plan gemacht, weil es gibt verschiedene Gruppen – es gibt jetzt die Gruppe Hofrath-Knoll mit Muskelverletzung, die jetzt etwas weiter weg ist, wo die Reha noch etwas länger dauert. Das Gleiche gilt für Fabi Raithel mit seiner Schulter-Eckgelenkssprengung.“ Dann gebe es eine Reha-Gruppe mit Sven Kopp, André Luge und Martin Tiefenbrunner, „die schon etwas weiter ist, wo der Einsatz im Mannschaftstraining vielleicht schon nächste Woche sein kann“.

Die Rückkehrer

Dann käme die Phalanx mit Spielern wie Nachreiner, Paulus, Urban, Schöpf und Faber“ „Die sind im Mannschaftstraining wieder komplett drin – für alle außer Nachreiner gilt auch, dass sie wahrscheinlich auf die Bank kommen.“ Bei Nachreiner sei wegen der Schwere der Verletzung ein Einsatz in dieser Saison so gut wie ausgeschlossen. „Der sollte normalerweise nach so einer Verletzung erst ein paar Wochen am Trainingsbetrieb teilnehmen, damit er da wieder einen Rhythmus bekommt.“

Bleibt Alexander Nandzik, der beim Spiel gegen Schalding-Heining minutenlang sein schmerzendes Bein bei der Eckfahne streckte: „Er war Anfang der Woche nicht im Training wegen einer Blessur, die er sich am Freitagabend geholt hat.“ Zwar habe er noch ein bisschen Schmerzen, aber einem Einsatz dürfte nichts im Weg stehen.

Nur mit Olis linkem Fuß

„Und dann haben wir noch zwei Spieler, Fabi Trettenbach und Oli Hein, unsere beiden Außenverteidiger.“ Hein könne zwar sprinten, mit dem linken Fuß auch schießen, aber der rechte Fuß schmerze halt immer noch – klar will niemand einen Oli Hein sehen, der dann um den Ball läuft, um, mit dem Linken abziehen zu können. Bei Fabi Trettenbach klingt das Beschwerdebild seit seiner Muskelverhärtung vor Unterhaching diffuser: „Wir haben zweimal mit ihm einen Kernspint gemacht, da war alles o.k.“ Er spürt aber immer noch etwas, habe ein ungutes Gefühl: „Das sollte man einfach respektieren, vielleicht dass es ein Nervenreiz ist.“

Sollte er sich wider Erwarten bis zum Spiel gesundmelden, „wäre er natürlich eine absolute Option für die rechte Abwehrseite hinten“ – die er in wichtigen Spielen wie in Burghausen gut verteidigt habe. „Das Problem ist einfach, Marc Lais hat das letzte Woche gespielt auf hohem Niveau“, der Trainer sieht sich vor der Qual der Wahl: „Dadurch dass Kolja Pusch nach der zehnten gelben Karte gesperrt ist, würde ich ihn natürlich lieber auf der zentralen Mittelfeldposition sehen, das ist eigentlich auch seine Position, wo er zu Hause ist, die er am besten kann.“

Wer stopft das neuralgische Loch?

Wer aber stopft dann das neuralgische Loch, an das jeder Haching-Zuschauer mit Grausen denkt? „Da gibt’s mehrere Optionen: Robin Urban, Hesse, Jünger Kurz, Geipl, das gibt mir einige Rätsel auf.“ Gänsehaut der etwas anderen Art, wenn man an die Konter eines gewissen Steinherrn denkt. „Wir werden auf jeden Fall elf Mann in die Schlacht werfen, wir werden versuchen, das Bestmögliche herauszuholen.“ Wie beruhigend!

Nein, der Mannheimer ist sich natürlich des Risikos einer ungeschützten Flanke bewusst: „Es geht eigentlich in jedem Spiel darum, dass man hinten sofort dichtmacht und dass man versucht, so wenig Tore wie möglich zu bekommen.“ Und er erinnert an fünf zu-Null-Spiele seit der Winterpause. „Das wird auch jetzt wieder Ziel sein, das ist die Basis einfach, die Abwehrarbeit, unabhängig davon, wer spielt.“
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