Jahn Regensburg will gegen Fortuna Köln den Schalter umlegen
Herrlich fordert die „Sack-zu-Mentalität“

Jahn-Trainer Heiko Herrlich möchte die Mentalität seiner Mannen modulieren. Bild: Herda
Sport
Regensburg
16.09.2016
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Uwe Koschinat war gar nicht zufrieden: Eine 0:4-Klatsche beim Absteiger. Bild: Herda
Regensburg: Continental-Arena |

Die jüngere Vergleichsgeschichte zwischen den beiden rot-weißen Clubs ist ausgeglichen. Wenn man die Regensburger Pokalniederlage nach Verlängerung vor 40 Jahren ausblendet, steht je ein Heimsieg auf der Habenseite. Das schöne 4:0 des SSV Jahn am 38. Spieltag der Saison 2014/15 freilich im alten Jahn-Stadion war vergiftet – es war die Abschiedsvorstellung in der Dritten Liga und von Kurzzeittorjäger Marco Königs.


Letzterer nutzte die Gelegenheit und unterschrieb in Köln. Inzwischen sitzt er auf der Würzburger Ersatzbank. Am Samstag, 14 Uhr, muss sich also Uwe Hesse daran erinnern, dass er gegen diese Kölner wohl den einzigen Doppelpack seiner Karriere schnürte.

Koschinat warnt vor Selbstüberschätzung

„Sicherheit, Selbstvertrauen und Selbstüberschätzung liegen oft sehr nah beieinander“, bilanziert Fortuna-Trainer Uwe Koschinat eine lupenreine Heimweste des Tabellendritten (12 Punkte), aber zwei 0:3-Auswärtsniederlagen in Wehen und Erfurt. „Logischerweise sollten wir das in Regensburg jetzt anders machen.“ Eine ausgezeichnete Ausgangsposition sei das, man könne den Punktestand weiter ausbauen. „Das wird wieder eine Herausforderung“, weiß der Kölner Trainer aber auch: „Wir werden einen hohen Rhythmus gehen müssen. Regensburg ist fußballerisch stark.“ Man dürfe dem Aufsteiger keine Räume geben. „Wir werden eine maximale Einsatzbereitschaft benötigen.“

Die jüngste Niederlagenserie der Gastgeber relativiert Koschinat: „Es ist ja nicht so, dass da ein schleichender Abwärtsprozess eingetreten ist. Gegen Hertha haben sie im Pokal ein überragendes Spiel gemacht und auch zuletzt beim 2:3 in Lotte hatten sie nichts von ihrer Leistungsfähigkeit eingebüßt und sie mussten vorher eigentlich mehrfach das 3:0 machen.“

Niemals so schön verloren: „Grrr!“

„Ich habe lange überlegt, ob ich als Trainer oder Spieler jemals so schön verloren habe“, zeigt Jahn-Trainer Heiko Herrlich nach dem tragikomischen 2:3 in Lotte schon wieder Galgenhumor. Zu Beginn habe alles sehr schön geklappt, man habe auch im letzten Drittel zielstrebig gespielt, sich zahlreiche Chancen erspielt. „Aber nach dem 2:0 haben wir gedacht, gut, die Einteilung bei den Standardsituationen werfen wir kurz weg, verteidigen im Raum, schauen zu, wie die das 2:1 machen.“

Trotz vierer Großchancen habe man das Spiel noch abgegeben. „So ähnlich wie die Holländer, die legen ja auch immer Wert darauf, schön zu gewinnen.“ Das habe ihn sehr geärgert. „Lieber gewinne ich morgen schmutzig 1:0, wo irgendeiner den Ball über die Ziellinie grätscht, und die Zuschauer gehen vielleicht nicht ganz so zufrieden nach Hause.“

Fußball, kein Schlammcatchen

Aber klar, Herrlich will auch morgen Fußball spielen lassen, nicht Schlammcatchen – trotz möglicherweise widriger Bodenverhältnisse. „Wir haben schon ein kleines Mentalitätsproblem, bei defensiven Situationen das einfach zu verteidigen. Und es fehlt die Mentalität, offensiv den Sack zuzumachen.“ Hätte man 3 oder 4:1 bei der Hitze geführt, wäre man durchgewesen.

„Aber das Problem haben wir nicht erst seit letzter Woche“ – Herrlich erinnert an vergebene Großchancen aus einem halben Dutzend Pflichtspielen. „Die Woche zuvor haben wir ein Freundschaftsspiel gegen Heidenheim in letzter Minute verloren.“ Mentalität lasse sich aber eben nicht chemisch herstellen. „Das Gute ist nur, unsere Spieler können es ja.“

Der Verlierer baut alles ab

Einzelgespräche, die Analyse im Mannschaftskreis am Sonntagmorgen, das alles soll den Killerinstinkt bei den Regensburger wecken. „Wir haben die Szenen noch einmal gezeigt, an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliert, dass man mit so einem Verhalten, die Spiele nicht einfach herschenkt.“

Und auch mit passenden Trainingsformen habe man auf die Pleite reagiert: „Sprintsituationen mit Abschlüssen, viele Torschusswettbewerbe, um einfach zu sehen, wer hat die Mentalität, wer will unbedingt gewinnen?“, erklärt Herrlich. „Überzahlsituationen, defensive Zweikämpfe, 2 gegen 2, 3 gegen 3, um zu sehen, wer kann gut verteidigen – der Verlierer muss halt dann alles abbauen.“

Nicht alles war schlecht ...

Befürchtet er bei der Mannschaft einen kleinen Knacks? „Ich denke wir sind gut vorbereitet.“ Nach so einer Niederlage sei jeder selbst enttäuscht, da mache es keinen Sinn, noch draufzuhauen. Schließlich sei nicht alles schlecht gewesen. Wegweisende englische Wochen also?

Klar müsse man nach der Niederlagenserie schleunigst den Schalter umlegen. Denn: „Wenn der Herbst kommt und die Bodenverhältnisse schlechter werden, werden wir nicht mehr so schön von hinten rausspielen können wie in Lotte.“

Heins „brutaler Antrieb“ fehlt

Personell habe sich kaum etwas verändert. Der Trainer baut weiter auf das angelernte Innenverteidigerpärchen Marvin Knoll und Sven Kopp. Und Oli Hein fehle zwar nach seiner Roten Karte gegen Aalen „mit seinem brutalen Antrieb“. Aber Benedikt Saller habe das sehr gut gemacht auf dieser Position.

Über den Tabellendritten müsse man nicht viel reden: „Sie haben sehr gute Spieler“, wie etwa den Brasilianer Oliveira Souza. „Der ist sehr dribbelstark.“ Dazu komme wieder einmal die Angst vor den langen Kerls: „Sie haben eine große Mannschaft“, das sei brandgefährlich auch ihren weiten Einwürfen. „Das muss morgen gut verteidigt werden“, sagt Herrlich, und dabei dürfe man auch wenig Freistöße verursachen. Knifflig eben.
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